Die Hand am Ohr

Sag Ja!

Von André Schörnig

Wusste ich vor einer Sekunde noch nicht einmal, was ich hier überhaupt wieder vom Stapel lassen sollte, strotze ich jetzt nur so vor Inspiration und Tatendurst.

Uschi heißt in diesem Fall die Muse, die mich küsste. Uschi, jeder kennt sie, auch wenn es keiner gerne zugibt, und sicher auch nie jemand darum gebeten hätte, sie kennenzulernen.

Uschi hat keinen Nachnamen. Sie heißt einfach Uschi. Früher dachte ich immer die wäre sowas wie Goofy, der hat ja auch keinen Nachnamen, aber sie ist anders. Sie ist blond, Jeanstyp, und sie macht Musik, die jeder, der immer noch ins TütEi geht, toll findet, und der Rest, so wie ich, findet's blöd.

Na, schon drauf gekommen? Ich rede von der Uschi, nein, von DER Uschi, die damals vor 40 Jahren mit Henry Valentino dieses Lied "Im Wagen vor mir fährt ein junges Mädchen" trällerte. Na, ich wette 50% von euch haben bei den letzten Worten angefangen seicht zu schunkeln...

Tolles Lied, da gibt es nichts, wirklich, zumindest wenn man schon mal "Adieu du kleiner Gardeoffizier" von Nana (und ich meine nicht den Nana, sondern die Nana) gehört hat. Aber das soll nicht unser Thema sein.

Lasst uns über Macht sprechen. Power, Kraft, Stärke, nennt es wie ihr wollt. Uschi hat mir gerade gezeigt, dass ich, dass du, dass jeder einzelne eine Macht besitzt, deren Ausmaße kennenzulernen, die Menschheit wohl erst in diesem Jahrtausend reif sein wird. Grammatikalisch richtig oder nicht, sage ich jetzt: Macht es wie ich, nutzt eure Macht, und euer Leben wird schöner, bunter, toller, und nicht zuletzt, um Jahre länger sein.

Uschi öffnete meine Augen, lasst Uschi auch eure Augen öffnen. Würde ich jetzt zu euch sprechen, würde ich vor euch stehen, sänge ich euch Wanderpredigergleich eine Ode auf diese alternde, blond getönte Ausgeburt des deutschen Schlagers. Langsam, werdet ihr sagen. Langsam. Und ihr habt recht. Schaut mich an, und sagt mir ins Gesicht: Wie oft habt ihr schon Sendungen gesehen, die ihr nicht sehen wolltet, Lieder gehört um die euch euer Ohr nie gebeten hat, Bücher gelesen, an die sich nicht mal eine Raupe oder Motte getraut hätte?

Du, und du und du! Tausend Mal? Eine Million? Dabei habt ihr die Macht es zu ändern. Seht mich an. Gerade noch war ich ein gebrochener, verschuldeter und verbitterter alter Penner, als ich Uschi aus dem Radio hörte. Uschi und Henry Valentino. Genau wie ihr in solchen Situationen, fragte ich mich, wie schlimm es noch werden könne, als ich plötzlich ein Licht sah. Ein rotes Licht, schwach leuchtend im ansonsten schwarzen Raum. AUS war das Wort das mich ansah, ja, mich nahezu anschrie. Ich schlug fast auf den Knopf ein.

Rate ich euch zu Gewalt? NEIN, das sicher nicht. Ich will nur, daß ihr euer Leben selbst in die Hand nehmt. Macht AUS was auszumachen geht. Lasst euch nicht länger von WDR4 fertigmachen. Macht AUS. Sprecht mir nach. AUS AUS AUS!

Ja, Ihr habt die Macht, Brüder und Schwestern. Schenkt jedem ein offenes Ohr, wie es unser Jesus auch getan hat, doch sülzt euch jemand zu, schreit: AUS, macht: AUS, schlagt: AUS!

Keiner von euch ist auf die Welt gekommen um sich von Uschi, den Jakob Sisters oder Peter Petrell runterreißen zu lassen. Sagt: AUS. Singt es, schreibt es an jede Wand. AUS. Ja, ich liebe euch! Kommt der Briefträger mit `nem miesen Brief? Schreit AUS.

Kommt im Radio auch nur Scheiß? Schreit AUS.

Kotzt das Fernsehprogramm euch an? Schreit AUS. Ja, schreit AUS!

Labert irgend jemand euch blöd zu? Schreit AUS.

Die Macht liegt allein in euch! Sagt es allen und kommt zu meiner nächsten Erweckungsfeier!

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