Psycho-Beratung

Meine Frau übertreibt ihre Hobbys

Eine psychologische Leserverarschung von Dipl.-Psychol. Sonja-Renate Rüpelhof-Lammkoether

Liebe Frau Sonder-Rendite,

zunächst möchte ich mich Ihnen vorstellen: Ich heiße Heinz-Ludger, bin 44 Jahre alt, verheiratet mit meiner Gattin Lotte, seit 20 Jahren. Aus dieser Verbindung sind vier Kinder hervorgegangen, liebe Kinder. Manchmal. Nun werden Sie mich fragen, wo denn wohl mein Problem liegt, und ich will es Ihnen sagen, meine Gattin hat ein Hobby. Blödsinn, werden Sie antworten, fast jeder hat ein Hobby. Stimmt, ich selbst auch. Ich sammle Briefmarken, eine aufregende Sache übrigens. Aber meine Frau sammelt Hobbys, das ist mein Problem, und sie übertreibt es zudem noch. Ich hätte ja nichts dagegen, wenn Lotte zum Beispiel Eierbecher sammeln würde, aber sie - Hobbys! Eines davon ist: Stricken! Seit sie vor zwei Jahren einen Strickkurs an der VHS belegte, kommt sich nicht mehr davon los. Wenn ich nachmittags von der Arbeit nach Hause komme und mein Mittagessen erwarte, sitzt sie nur da, und strickt. Nun ja, ich gehe dann ins Gasthaus zum Essen, mach ich auch ganz gerne, denn dort treffe ich Freunde, dort können wir dann über die Macken unserer Frauen reden. Vor drei Wochen kam sie mit unserem Kombi aus der Stadt zurück und bat mich, ihr beim ´reintragen ihrer Einkäufe zu helfen. Mir wurde schon ganz schwummerig, denn ich ahnte Schreckliches. Riesige Pakete hatte sie mitgebracht, sechs an der Zahl, und sie wollte nicht sagen, was darin war. Am nächsten Nachmittag, als ich wieder vergeblich auf mein Essen hoffte, zeigte sie mir ein neues Strickwerk, einen Pullover für unseren jüngsten Sohn. Ein gräßliches Ding mit langen Ärmeln, Rollkragen und mit blau-gelb-rot-quergestreiftem Muster. Der arme Bengel sah darin aus wie ein schwachsinniger Elchjäger zur Karnevalszeit. Und eine riesige Bommelmütze im selben Muster rundete das Gesamtbild aufs Übelste ab. Um meine Gattin, und vor allem meinen Sohn nicht zu kränken, sagte ich: "Hübsch". Ein folgenschwerer Fehler, wie sich herausstellen sollte. Denn am nächsten Tag mußte ich zu einem dreiwöchigen Lehrgang nach Teltow (buuhhäähhr) fahren. Und als ich danach völlig frustriert zurück in den Schoß der Familie kehrte, empfingen mich meine Gattin und meine drei Jungs in blau-gelb-rot-gestreiften Rollkragenpullis mit Bommelmütze im selben Look. Nur meine Tochter, gerade 19 Jahre alt, weigerte sich, in diesem Outfit ihr Zimmer zu verlassen. Verständlich. Ausgeflippt bin ich aber erst, als meine Gemahlin auch mir eine Garnitur des schlechten Geschmacks überreichte und meinte, es wäre draußen so schön kalt, wir müssten jetzt unbedingt spazieren gehen.

Ein weiteres Hobby meiner Frau ist: Preisgünstig einkaufen. Sie liest ständig in den Zeitungen die Werbeanzeigen und -prospekte der Ladenketten, und nicht selten fährt sie mit unserem Kombi in weit entfernte Nachbarstädte, um No-Name-Filtertüten für ein paar Pfennige billiger zu kaufen. Dass die Spritkosten uns dabei fast ruinieren, verdrängt sie. Kürzlich überraschte mich Lotte damit, daß sie einem Hund aus dem Tierheim bei uns ein neues Heim geben wolle, noch dazu einem Bernhardiner. Ich meinte, der würde uns die Haare vom Kopf fressen. "Kein Problem", erwiderte Lotte, und bat mich in den Keller. Und dort befand sich in meiner ehemaligen Werkstatt ein Lager mit Dosenfutter für große Hunde. 36 Kisten. "Das gab´s im Angebot", erklärte meine Gemahlin. Sie hat nur überlebt, weil der Köter inzwischen im Wohnzimmer auf dem Sofa meinen blau-gelb-rot-gestreif-ten Roll-Pulli gefressen hatte. Die Bommelmütze vergaß er, ich hab´ sie ihm dann in sein Körbchen gelegt . . ! Noch`n Hobby gefällig? Bitte schön:

Meine Lotte belegt regelmäßig die Theaterkurse bei der VHS. Schlimm genug, aber da meine Frau recht, nun sagen wir mal, maskulin aussieht, bekommt sie meist nur Männerrollen. Sie geht (natürlich) ganz in diesem Hobby auf. Zu Hause redet sie fast nur noch in Zitaten. Beispiel: Ich bat meinen Sohn kürzlich: "Geh doch mal zur Mama und bitte sie, sie möchte mir ein Sandwich bringen." Der liebe Junge tat, wie ihm geheißen und bat die Mama darum. Dann hörte ich aus der Küche ein riesiges Donnerwetter, das auf den Knaben herniederprasselte, und dann: "Ihm aber sage er, er könne mich im Arsche lecken!" Oder: Ich fand neulich zwischen meiner Unterwäsche einen für mich zu kleinen Slip. Ich fragte meine Gattin: "Gehört der vielleicht unserem Sohn?" Und was antwortet die Alte? "Sein oder nicht sein, das ist hier die Frage!" Noch was gefällig? Gestern Abend sagte ich zu ihr: "Schatz, ich geh mal kurz ins Gasthaus, um zehn bin ich wieder zurück." Antwort: "Vernahm ich´s wohl, allein, es fehlt der Glaube." Scheiß VHS! Die Kurse "Orgasmus-Simulation für Langverheiratete", "Wie koche ich Vegetarisch" und "Gesundes Leben in der Großfamilie" habe ich ihr dann verboten.

Liebe Frau Psychologin, was soll ich nur tun?

Heinz-Ludger Beckschefer-Pütz, Lerche.

Lieber Heinz-Ludger, zunächst, ich heiße Sonja-Renate. Zum Strick-Hobby Ihrer Gemahlin würde ich vorschlagen, ihrer Lotte das

Angebot zu machen, ihr einen Laden einzurichten, in dem sie Ihre Strickwaren kommerziell vermarkten kann. In Nord-Norwegen ist zur Zeit noch großer Bedarf.

Zum Billig-Einkaufstip folgender Rat: Verkaufen Sie sofort Ihren Kombi und erwerben Sie einen VW-Käfer.

Und was die Theaterleidenschaft Ihrer Gemahlin betrifft, kann ich nur sagen: "Erledigt sie!" (Edward G. Robinson in "Scareface")

Herzlichst, Ihre Reni