Rückblick

Junge Band vor jungem Publikum:

"Q" [kju:]

Harte "Rockpackung" im Corner Inn

Nachdem sich die 1998 gegründete Hammer Band "Q" in der letzten Willi-Ausgabe so ausführlich vorgestellt hatte, war es unsere schlichte Bürgerpflicht, auch das dazugehörige Konzert im "Corner Inn" zu besuchen. Am Freitag, den 14. Januar marschierte ich also mit ein paar Freunden und dem Willi-Fotografen bewaffnet ins "Corner" ein. Um 21.00 Uhr war es schon recht gut besucht, nett, denn der Betreiber Rainer Plattfaut kann Publikum gut gebrauchen. Ich hörte, wie der junge Herr an der Kasse erfreut zu einem Freund sagte, es seien schon 40 zahlende Gäste anwesend. Dann muß der Rest wohl aus Bekannten oder Verwandten der Band bestanden haben. Wie auch immer, trinken und applaudieren können schließlich alle.

Um 21.20 Uhr begann "Q" mit dem Konzert, und zwar mit einem Bon-Jovi-Song. Den berühmten Vorbildern widmet die Band übrigens einen Großteil ihres Repertoires. Wir haben es zunächst gar nicht bemerkt, daß nun plötzlich, nach der Musikbox, eine Band spielte, denn die Lautstärke fiel um ein Beträchtliches nach unten. Ungewöhnlich. Dann war Bryan Adams´ "Summer of 96" an der Reihe, gefolgt von "Toto". Auch Manfred Mann´s "Mighty Quinn" hörten wir uns noch von der Theke aus an, dann aber war es an der Zeit, den Weg in den Saal zu finden, um sich die Band mal von Nahem zu betrachten, denn so aus der Ferne kann man schlecht urteilen. Und richtig, wurden wir an der Theke noch mit angenehmer Hintergrundmusik berieselt, mußten wir uns im Saal teilweise unangenehmen kreischenden Lärm anhören. Und das lag nicht an der Band !!! Sicher, die richtige Einstellung der Instrumente ist Voraussetzung, (die Gitarren lagen mal wieder weit hinter der Bühne) aber wenn am Mixer ein Laie* steht, ist nichts mehr zu retten. Die Gitarren waren grell, das Schlagzeug (Georg Haarmann) zu laut wummernd und der Baß (Kai Roestel) im Nirgendwo. Allein das Keyboard von Daniel Luscher und die Stimme von Merle Brendel waren gut zu hören. Und eine gute Sängerin ist Merle übrigens auch. Nicht falsch verstehen, ich will hier nicht an dieser Band herummeckern, dazu gibt es keinen Grund. Aber ich habe im "Corner" schon Bands mit winzigen Anlagen gehört, mit tollem Sound. Gitarrist Dennis Krönke übernahm den Part des Frontmannes, der auch die Kommunikation mit dem Publikum aufrecht erhielt. Es waren viele Freunde anwesend, man kannte sich. Und dass im "Corner Inn" in der letzten Zeit vornehmlich junges Publikum verkehrt, scheint ein neuer Trend zu sein. Jedenfalls bei Konzerten. Mit "Sweet Home Alabama" (lasst es, Freunde) und Tina´s "Simply The Best" (gut gesungen) verabschiedete sich "Q" vom Publikum. Ach ja, "Gun´s & Roses" mussten noch zweimal für eine Zugabe dran glauben. (Hh.)

* freundlich ausgedrückt!

Fünf Jahre O'Casey's

Allein schon 5 Jahre auf Hammer Boden erfolgreich als Kneipier durchzuhalten, ist in den letzten Jahren gar nicht so einfach gewesen. Man erinnere sich an das Hin und Her des Corner Inn, das sich wohl in der Zwischenzeit erholt hat. Aber auch andere Kneipen hatten es schwer. Tja, die Kombination Atmos-phäre, Inhaber/Pächter und Ort scheint in Hamm nach wie vor recht schwierig optimal herbeizuzaubern zu sein. Sicherlich wird auch mal im O'Casey's nicht ganz so viel Publikum gewesen sein. (Das soll jetzt auf gar keinen Fall irgendeine versteckte Anspielung sein, meine lieben Interpretationsbedürftigen!) Aber so sind die Menschen halt. Mal hierhin mal dorthin und sich dann erinnern, wo es denn am gemütlichsten war. Und das ist wohl nach wie vor das Geheimrezept. Man kann tatsächlich Monate oder auch Jahre später wieder den Irischen Pub aufsuchen und findet ihn so vor, wie man es erwartet. Grundsolide, höflich und unaufdringlich wird man von Personen bewirtet, die sich da mittlerweile nicht mehr wegdenken lassen. Und gemütlich ist es allemal! Jede Kneipe oder Diskothek in Hamm entwickelt so im Laufe der Jahre seinen Ruf. Der des O'Casey's ist halt der des gemütlichen Biertrinkens und der Unterhaltung. Ja - man kann sich immer noch unterhalten, selbst wenn eine Live-Band oder Solisten anwesend sind, man verläßt das Lokal auf jeden Fall tinnitusfrei. Am Jubiläumstag hatte Inhaber Rod auch einen akustischen Leckerbissen für die Fans der Folk-Musik engagiert. Mark Bennet (wenn man Folk mag, kennt man ihn!) brachte irische Musik auch durchaus denen näher, die sonst auf andere Musikstile zurückgreifen. Jubiläumsgemäß steht aber der Pub im Vordergrund, deshalb möchte ich auch darauf mein Augenmerk richten. Die Gäste waren äußerst gut gelaunt und auch nicht gerade rar, um nicht zu sagen: Das O'Casey's schien mir doch fast aus den Nähten zu platzen. Was ich immer wieder so schön finde, ist, dass wenn ich andernorts unterwegs bin, diese Kneipe auch über die Stadtgrenzen hinaus sehr beliebt und bekannt ist. Ist doch ein echtes Kompliment.

Selten genug, aber hier gibt es so etwas noch: Das Personal trägt tatsächlich auch einheitliche Kleidung - O'Casey's-like natürlich und so richtig irisch! Denn nur ein Ire versteht eine irische Kneipe auch authentisch zu führen. (Das war jetzt eine kleine Anspielung, meine lieben Interpretationsbedürftigen, denn es gab da doch so einige peinliche Versuche anderer Wirte in Hamm. Da ging auch leider keiner hin!) Was ich persönlich an diesem Dienstag sehr schade fand, war, dass ich leider noch einen anderen wichtigen Termin hatte und doch ärgerlicher Weise ziemlich früh wieder los musste. Von einem Buffet oder einer Jubiläumslokalrunde habe ich daher leider nichts mehr mitbekommen. Und dabei hätte ich ja noch zu gern mit Clive angestoßen, denn der schenkte mir ein ganz echtes irisches Lächeln. Na, das ist doch was... (wi)

Bombardiert Belgien und andere Vorschläge zur Weltverbesserung

An diesem Donnerstag dem 20. Januar ward es vollbracht. WIGLAF DROSTE schaffte es nach Hamm zu kommen. Musste der Schriftsteller und Gelegenheitssänger Ende letzten Jahres noch krankheitsbedingt passen, so hatte der vollbesetzte HoppeGarden nun die Ehre, den 1961 in Herford geborenen Droste mitsamt seinen Begleitern, dem SPARDOSEN -TERZETT zu beherbergen.

Doch noch einmal zurück zum ersten Versuch vor ein paar Monaten. Damals wollten wir es uns nicht nehmen lassen, diese Veranstaltung zu besuchen; die Lesung sollte in der VHS stattfinden, laut Tagespresse. Wenige Tage später las ich aber von einer Verlegung in die Stadtbücherei. So weit, so gut. Ein Telefonat mit einer freundlichen Mitarbeiterin der Bücherei am Veranstaltungstag, bot aber wieder eine unerwartete Wendung, die erneute Verlegung in den HoppeGarden war angesagt. Gut, dann halt da. Ist sowieso gemütlicher. Aufgrund meiner wunderbar flexiblen Arbeitszeit, (Willst wohl wieder beim Chef Punkte sammeln, für deinen letzten Ausfall? D. Red.) war uns die Ankunft erst recht spät möglich. Im HoppeGarden angekommen mussten wir aber dann mit Entsetzen feststellen, dass die Lesung doch in der Stadtbücherei stattfand. Wild fluchend schwangen wir uns wieder auf die Pferde und eilten zur eben erwähnten. Doch hier standen wir vor verschlossenen Türen. Wir trommelten gegen jede Tür, drückten auf jede Klingel, aber nichts tat sich. Es brannte Licht im obersten Geschoss. Wie sich Gehör verschaffen?Die Ideen jagten sich, eine glorreicher als die andere, bis wir den Entschluss fassten ein paar Bierdosen plattzutrampeln und diese gegen die runtergelassenen Rolladen zu katapultieren. Nach ungefähr 15 Minuten öffnete ein gar nicht erboster Mann uns die Pforten und auf dem Weg nach oben erfuhren wir, dass Wiglaf krank sein, aber die Spardosen auch recht witzig seien. Als wir den kleinen Saal betraten, schauten uns die Zuhörer komisch an, ich verstehe bis heute nicht warum. Leider war es mittlerweile so spät geworden, dass wir nur noch den Rest der letzten Darbietung erhaschen konnten. Tja, können ja nicht nur immer die anderen Pech haben.

Doch diesmal waren wir schlauer. Frühzeitig begaben wir uns den HoppeGarden, um eine geschlagene Stunde gelangweilt herumzusitzen. Ich schaute mich um und stelle fest, dass es für Mittzwanziger schwierig ist geeignete Veranstaltungen zu finden. Entweder ich finde mich im JZ unter lauter Jungspunden wieder oder ich sitze einen Tisch neben 50- jährigen Österreichern. Aber der Wiglaf, der wird helfen. Helfen zu vergessen, helfen über alles und jeden zu lachen, auch über sich selbst. Nun sitzt er da, in einem hellweißen Kellnerdreß, und er liest. Er ließt über Hannover, "der Stadt aus der Gerhard Schröder kroch", er liest über die Politik, er liest über Jürgen Drews. Er zieht alles und jeden in den Dreck, kennt keine Gürtellinie. Denn er ist kein Komödiant in einer RTL-Unterhaltungsshow. Er darf sagen was er will, er ist nicht an irgendwelche Grenzen gebunden. Er ist beneidenswert. Aber das wollen die Anwesenden. Sie wollen, dass er daherkommt und ihnen die "Wahrheit" sagt über Belgier und ihre Kinder, über die Regierung und über die Linken. Er selbst gibt sich als einer, ist sich jedoch nicht zu schade, Peinlichkeiten aufzudecken und zu verhohnepipeln.

Er kennt kein Pardon, ist für mich der Meister der geschriebenen Anschuldigung. Starr sitzt er da. Verzieht keine Miene. Er verhaspelt sich und es scheint ihn zu berühren. Er will das Beste für sich und seine Zuhörer. Kurze gesangliche Einlagen mit Adalbert Dziuk, Ekkehard Busch und Kai Struwe lockern den Abend auf. Ruhig spielen die Spardosen den Jazz. Wiglaf singt und verzieht wieder keine Falte seines kantigen Gesichtes. Nach einigen Zugaben, um die vehement gebeten wurde, verabschiedet sich Droste mit dem Satz: "Das hab ich noch nie in meinem Leben gesagt: Danke, Hamm!". Wir auch nicht Wiglaf, wir auch nicht. A.P.a.M.