Ganz der Papa:
Bernard Allison
Grandioses Konzert im "Anno 1888"
Eigentlich stand ein Termin mit Bernard Allison für ein Konzert in der Kulturwerkstatt schon vor zwei Jahren fest, aber leider sagte Allison seine Tour ab, weil er die Plattenfirma gewechselt hatte. Pech. Nun war der Veranstalter des "Anno 1888" in Soest schneller und konnte Bernard Allison für ein Konzert am 20. Januar verpflichten. Für mich natürlich ein absolutes Muss, dieses zu besuchen. Denn vor vielen Jahren schon hatte ich Bernard in der Band seines Vaters, des großen Luther Allison, in Frau Bioleks "Alter Wartesaal" in Köln gesehen, und war restlos begeistert. Nun also durften wir Bernard Allison mit seiner eigenen Band in Soest erleben. Das "Anno" war um 20.30 Uhr bereits gerammelt voll (250), an einem Donnerstagabend, und das bei einem Eintrittspreis von 38,- DM an der Abendkasse. (Ich stelle mir das gerade in Hamm vor . . .) Um 20.40 Uhr betrat ein kleiner Mann mit grauen Haaren und einem Glitzerjackett die Bühne und kündigte die Band im Stile eines öligen Conférenciers an. Und dann ging´s los. Die dreiköpfige Band begann allein, und bereitete dem Star mit einem gewaltigen Sound den Boden, und der kam, genau wie einst der "Alte", aus den weiten Kulissen des "Anno" auf die Bühne und bot uns ein Konzert der Extra-klasse. Bekleidet mit einer schwarzen Hose, einem weißen Satin-Hemd mit roter gemusteter Weste, Schlangenlederstiefeln (Oh, oh, die Tierschützer) und einem Cowboyhut, auf dessen Krempe die Köpfe der beiden Schlangen ruhten, die für die Stiefel ihr Leben lassen mußten. "Going Down" hieß der Song, den Bernard mit seiner Gibson-Gitarre meisterhaft interpretierte. und das Solo ließ uns erahnen, was wir an diesem Abend noch alles zu erwarten hatten. Der nächste Song hieß "Bad Love" und stammte vom Papa Luther Allison, ein Slowblues von seiner gleichnamigen CD. Bernard spielt die Bluesgitarre genau wie sein berühmter Vater, sehr gefühlvoll, manchmal gaaanz leise, dann wieder kraftvoll und gaaaanz wild und das stetige "Gute-Laune-Lächeln" macht den 33jährigen ebenso sympathisch wie den Daddy. "Life with the Bitch" war ein weiterer Song aus der Feder des großen Luther und "Midnight Creeper" war eine großartige Version des Originals von Robert Cray. Und als Bernard mit seiner hervorragenden Band dann auch noch Stevie Ray Vaughn auferstehen ließ, war es endgültig um das Publikum geschehen. Und hier hatte auch der Keyboarder seinen ersten großen Augenblick, denn das Piano-Solo von Mike Vlahakis (Ex-Luther-Allison-Band) hatte es in sich. Ein großartiger Musiker, der auch immer wieder die Hammond-Orgel gekonnt einsetzte. Ein weiterer Höhepunkt war sicherlich das Bass-Solo von Kim Wembrough, der fast zehn Minuten lang vergessen ließ, daß er "nur" einen Baß bediente. Auch Drummer Jerry Bouladoux ließ keine Wünsche offen und lieferte den perfekten Background für diese außergewöhnliche Band. Aber zurück zu Bernard, der für mich einer der besten Bluesgitarristen unserer Zeit ist. Doch der absolute Knüller kam, als er sich die Slide-Gitarre griff, und im Stile eines Johnny Winter, dessen Schüler er übrigens war, ein 15minütiges Slide-Solo hinlegte, das einem den Atem nahm. Er zog mit seiner Gitarre durch das Publikum, wanderte die Treppen des "Anno" hinauf, trank oben auf der Galerie ein Bier, ohne sein Solo zu unterbrechen, und kehrte nach seiner Expedition auf die Bühne zurück, um dann wieder mit seiner Band zu bestätigen, dass die Zuschauer ihre 38,- DM nicht in den Sand gesetzt haben. Fast drei Stunden dauerte das Konzert incl. Zugaben, und genau wie der Papa wanderte Bernard während des letzten Stückes in Richtung Garderobe und gönnte sich den verdienten Feierabend. Bernard Allison ist ein würdiger Nachfolger seines Vaters. (Hh.)