DAMENWAHL
von Elisabeth Evertz - Buchhandlung Akzente -
BUCHPREISBINDUNG BLEIBT!
Aus gegebenem Anlass wird heute ausnahmsweise kein Buch besprochen. Ich möchte meine Freude über die Entscheidung zum Erhalt der Ladenpreisbindung für Bücher und Zeitschriften durch die EU-Kommission in Brüssel kundtun. Nach knapp 7jährigem Kampf ist endlich eine Entscheidung gefallen - die BuchhändlerInnen, VertreterInnen und unabhängigen Verlage können endlich aufatmen!
Der Erhalt der Buchpreisbindung in Deutschland bedeutet für die Lesenden, daß jedes gewünschte Buch in allen Verkaufsstellen weiterhin zum gleichen Preis angeboten wird. Es ist egal, ob ich im Norden oder Süden des Landes wohne, ob ich in der Stadt oder auf dem Lande, in der kleinen Buchhandlung ums Eck oder im Buchkaufhaus, im Internet oder am Kiosk ein Buch kaufe - es hat immer und überall den gleichen Preis. Die Preise sind vom Verlag vorgegeben: das betrifft sowohl das Taschenbuch als auch die Zeitschrift, das Schulbuch als auch das Fachbuch. Es macht preislich keinen Unterschied, ob ich das gleiche Buch vom Stapel kaufe oder es bei meiner Buchhandlung zum nächsten Morgen bestelle.
Das Preisniveau der Bücher wird sich durch diese Entscheidung nicht verändern. Wir werden in der Buchhandlung oft mit der Auffassung konfrontiert, Bücher würden durch den Wegfall der Preisbindung billiger. Dies trifft nur bedingt zu und berücksichtigt auch nur einen Teil des Themas 'Preisbindung'. Sind Bücher nicht mehr preisgebunden, wird die Massenware billiger, das bestellte Buch jedoch wird teurer. Internationale Buchkonzerne, die amerikanische und deutsche Lizenzen eines Titels unter einem Dach verwalten, können den deutschen Markt mit billigen amerikanischen Taschenbüchern überziehen. "Billig" bezieht sich dann aber auch auf die Machart, das Papier und mitunter auch auf den Inhalt dieser pockets. Individuellerer Lesegeschmack, Literatur und im Grunde jedes Fachbuch - alles, was in kleineren Auflagen kalkuliert werden muß, würde durch den Wegfall der Preisbindung teurer.
Das System der Preisbindung in Deutschland bedeutet nämlich, daß die Konkurrenz der Verlage innerhalb der Preisgruppen und Themenbereiche stattfindet. Das zeigt sich in der Qualität der Verarbeitung und im Service, der den Lesenden geboten wird. In keinem andern Land gibt es in der Papierqualität und Gestaltung so hochwertige und in der Herstellung so sorgfältig verarbeitete Taschenbücher wie in Deutschland. In keinem anderen Land gibt es eine so ausgeklügelte Buchhandelslogistik und da-durch diesen außergewöhnlichen Service der Über-Nacht-Bestellung. Durch den Wegfall der Preisbindung würden diese Kosten für den Service auf die Endverbraucher abgewälzt oder im schlimmsten Fall würde dieser Service wegfallen (was in Amerika der Fall ist: eine Bestellung dauert in der Regel 6 Wochen; das erklärt dann allerdings auch die Notwendigkeit von Internet-Buchhandlungen).
In unserem Lande bleibt es aber glücklicherweise dabei: die lieferbaren deutschsprachigen Bücher kosten überall das gleiche; das Preis-Leistungs-Verhältnis ist ungewöhnlich gut und verbraucherInnenfreundlich und der Service des "Heute bestellt - Morgen abgeholt" bleibt ohne Mehrkosten erhalten. Somit haben eigentlich alle lesenden Menschen Grund, sich zu freuen, nicht nur die BuchhändlerInnen.