Meine Gattin ist Tierschützerin . . !
Eine psychologische Leserverbratung von Dipl.-Psychol. Dr. Sonja-Renate Rüpelhof-Lammkoether
Liebe Frau Soja-Renntante,
zunächst muss ich Ihnen versichern, dass ich nichts gegen Tiere habe, ich liebe sie sogar. Ich wette zum Beispiel beim Pferderennen, ich habe häufig mit Bullen zu tun und ich hatte sogar schon engen Kontakt mit diesen kleinen Krabbeltierchen, die sich vorzugsweise und besonders gern im behaarten Bereich gewisser Körperregionen aufzuhalten pflegen. Die Tierliebe meiner Gemahlin allerdings geht mir doch entschieden zu weit, denn sie versteht sich als militante Tierschützerin. Sie ist nicht etwa Mitglied eines Tierschutzvereines, diese Gruppierungen sind ihr zu gemäßigt, nein, sie "arbeitet" auf rein privater Ebene, und da liegt auch das Problem. Denn ihre Zentrale ist in unserer ehelichen Wohnung. Sehen Sie, liebe Frau Psychologin, ich hätte nichts dagegen, einen kleinen Hund als Schoßtierchen meiner Gattin in meinem Heim zu beherbergen, einen Yorkshire-Terrier, einen Mops oder gar einen Pitbull. Aber ich finde es doch etwas zu viel verlangt, wenn ich mein Zuhause mit 6 Hunden, 14 Katzen, sechs Ratten, einer Mäusekolonie, vier Papageien, einem Gürteltier, einem Wolpertinger und einer Tierschützerin teilen muss. Und zu allem Überfluß halten wir im Garten noch eine Giraffe. Alle diese Tiere hat meine Frau in Obhut genommen, von ehemaligen Besitzern, die Ehepartner wie mich hatten. Außer dem Wolpertinger, der ist uns zugelaufen, weil er sich bei einem Waldspaziergang mit Klaus, unserem Gürteltier in ihn verliebt hatte. Stellen Sie sich das vor, der Wolpertinger, ebenfalls ein männliches Tier, versucht nun seit Wochen, sich mit Klaus zu paaren, in unserem Schlafzimmer in einem Körbchen. Das klappt natürlich nicht, weil es ihm bisher noch immer nicht gelungen ist, unserem Klausi den Gürtel abzunehmen. Aber meine Nachtruhe ist seitdem empfindlich gestört. Kürzlich hörte ich in unserem Garten ein Gespräch zwischen der Giraffe und einer unserer Katzen, die das langhalsige Tier mit einem Baum verwechselt hatte, und ihm bis obenhin geklettert war. Die Katze fragte, ob so ein langer Hals nicht sehr lästig sei, worauf die Giraffe erwiderte: "Nein, überhaupt nicht. Wenn ich mal was ganz leckeres esse, ein Erdbeereis zum Beispiel, dann rutscht das ganz langsam meinen langen Hals entlang bis in den Magen. Da hab ich dann ganz lange was davon." Worauf die Katze fragte: "Und wenn du mal kotzen musst?" Stellen Sie sich vor, so etwas höre ich jetzt schon.
Letztens saß ich in unserem Bad auf dem Lokus, es war an der Zeit, meine morgendliche Notdurft zu verrichten. Ich hatte es mir also gemütlich gemacht, eine Zigarette angezündet, ein Kaffee stand auf dem Badewannenrand, ein Nutellabrötchen lag in Griffweite und die Zeitung sollte mir die Neuigkeiten der Welt vermitteln, als ich einen beißenden Schmerz in einem freihängenden Körperteil verspürte. Mir ist sofort der Appetit vergangen, die Tränen stiegen mir in die Augen und ich musste einen "geschäftlichen Interruptus" vornehmen. Ich schnelle in die Höhe, schaue in den Topf und sehe, unter anderem, eine unserer fetten Ratten, die von einem Ausflug in die Kanalisation zurückkehrte. Da hab ich mich aber geekelt, denn da bin ich fies für.
Abgesehen davon, dass mir die Köter die ganze Bude vollscheißen und die Katzentoiletten, da sie selten gereinigt werden, einen bestialischen Gestank verbreiten, quatschen mir die Papageien den ganzen Tag die Ohren voll. Einer rezitiert Rilke, einer rasselt die gesamten 0190er Nummern runter und einer betet. Da ist mir "Käpt´n Black" noch am liebsten, der erzählt ununterbrochen versaute Witze. Der war früher in Obhut meines Freundes Uwe...! (Alles klar? - d. Red.) Und nun werden Sie mich fragen wollen, was ich mich denn so aufrege, liebe Frau Psychologin, schließlich wird sich ja wohl meine Gattin um den ganzen Zoo kümmern. Weit gefehlt, ich hab die ganze Brut am Arsch, denn meine Frau Gemahlin wandert die Fußgängerzone auf und ab, um mit lautstarken Grölereien auf die bedrohte Tierwelt hinzuweisen. Mit einem riesigen Schild, auf dem steht: "Lieber Rinder statt Kinder!" Alles klar? Scheiß Tiere . . .
Ein verzweifelter Ehemann
(Name und Adresse unseres Schreibers ist der Redaktion bekannt, werden aber aus Gründen der Sicherheit nur auf Anfrage mitgeteilt.)
Lieber verzweifelter Ehemann,
sicherlich haben Sie es nicht leicht, ich kann Sie zum Teil sehr gut verstehen. Andererseits können Sie sich doch auch selbst helfen. Die Giraffe zum Beispiel könnte, mit der Katze als Partnerin, bei RTL in der "Wochenshow" als Komiker auftreten. Das Gürteltier könnten Sie von seinem Gürtel befreien, was es sicherlich nicht überleben wird, dann würde sich auch der Wolpertinger wieder verdrücken und wenn Sie die Katzentoiletten nicht bald reinigen, werden sich die Biester ganz von alleine verpissen, nachdem sie sich um die Mäuse gekümmert haben. Die Hunde müssten Sie an der Autobahn an die Leitplanken ketten und die Papageien würde ich an die Volkshochschule vermieten. Die könnten das Bildungsniveau beträchtlich steigern. Nur die Ratten, da weiß ich auch nichts. Am besten ist, Sie wechseln die Wohnung. Ihre Gattin wird nichts bemerken, wenn sie ja ohnehin auf der Fußgängerzone lebt . . !
Herzlichst, Ihre Reni.