Rückblick

"Ich hab‘ doch bezahlt, darf ich jetzt gehen?"

Der Hellweg rotiert und kein Schwein interessiert es. Mal wieder. Ich versteh das nicht. Da kommen vier Bands aus der Region ins Kulturrevier Radbod und es finden sich gerade einmal 50 Zuschauer ein und es wird genörgelt über eine Parallelveranstaltung im JZ Süd. Aber Leute, auch wenn der Open-Stage Abend dort nicht stattgefunden hätte, glaubt ihr echt es wären nur zehn Leute mehr dagewesen? Ich denke nicht. An den Bands konnte es auch nicht gelegen haben, jedenfalls nicht an allen.

Die leidige Aufgabe als Opener übernahmen die CAN BEER COWBOYS aus Ahlen. Bezirksliga-Punk zum Abgewöhnen, gepaart mit verhunzten Kelly Family Coverversionen. Und Ramones- Cover ebenfalls zum Abgewöhnen.

Zum Glück spielte das Wetter mit, da musste man das Ganze wenigstens nicht auch noch ansehen. Statt dessen durfte der geneigte Zuhörer sich lieber anschauen wie Dirk Potthoff (A.V.) seinen Verstärker auseinandernahm und mit einer Hand voll Sicherungen und sehr ratlosem Gesichtsausdruck, leicht angesäuert, versuchte ihn wieder in Gang zu kriegen. Das war wohl das letzte Mal, dass der Heissporn sein Equipment für die Vorband zur Verfügung gestellt hatte. Und wenn man sich fragt, wie CAN BEER COWBOYS das geschafft haben, brauchte man bloß mal kurz ins innere des Kulturreviers zu hören. Bei dieser Qualität konnte ich den Verstärker sehr gut verstehen. Und ich? Ich hab doch bezahlt, darf ich jetzt gehen? Lasst um Gottes Willen eine andere Band ran! Ich wurde erhört!

Nach kurzer Umbaupause betraten dann RAIN DOESN´T MATTER aus Soest die Bühne, und schon nach den ersten Tönen wurde klar, dass hier ein Quantensprung an musikalischer Ausdrucksweise und vor allem Qualität vollzogen wurde. Hochmelodiöse Instrumental-Variationen ge-paart mit eingängigen Mid-Tempo-Passagen, dann wieder Bombast-Rock vom Feinsten, und eine Stimme die ihresgleichen sucht. Ein ausgeflippter Gitarrero Daniel Heitkamm, eine wunderbar zusammen spielende Rhythmus Abteilung, Holger Limbrock (dr) und Christian Beckmann (bs), und natürlich eine nicht zu kopierende Aga Fuchs am Mikro und auch mal an der zweiten Gitarre. Wobei ich mir nicht einmal sicher wbin, ob diese Frau überhaupt eine Gesangsanlage benötigt, bei dem Volumen in ihrem Innerem. Der Auftritt von RAIN DOESN´T MATTER entschädigte mich jedenfalls und war absolut hörens- und wiederholenswert.

Es folgten COLOURS aus Unna mit einer Art Main-stream-Rock. Zu ausgefeilt für dieses Publikum, zu anspruchsvoll, zu viele Schnörkel. Die Besucher wandten sich lieber der Theke, oder dem milden Klima draußen zu. Obwohl die Mannen um Frontfrau Silja Braukhoff sicherlich etwas mehr Zuspruch verdient hätten. Sie ließen sich jedoch nichts anmerken und spielten ihr Set munter weiter.

Zum krönenden Abschluss durften dann unsere Lokalmatadoren von der Akuten Verseuchung ran, um noch ein bisschen Stimmung in die Hütte zu bringen. Leider war ich da schon tief eingeschlafen. Das macht aber überhaupt nix, da wir in dieser und sicherlich auch irgendwo in den folgenden Ausgaben noch einiges von den Jungs zu hören bekommen werden. Recht so. A.P.a.M.

WENN DIE LATERNEN ANGEHEN...

...müssen junge Menschen meist in der Obhut des Elternhauses sein. Gerade unter der Woche. In Hamm ist Punk zum Großteil eine Musik für junge Menschen. Wer diese drei Gesetze für eine Punk-Konzertveranstal-tung missachtet, darf sich nicht wundern, wenn sich an einem Montag gerade mal 12, oder waren es 13?, zahlende Gäste auf ein Konzert - ich wiederhole Montag - ins Corner Inn begeben.

RED LONDON, wie ich mir hab sagen lassen, eine DER Größen im Britannien was die dreckige Musik angeht, wusste wohl auch nicht so recht wie Ihnen geschah, als sie sich vor dieser Menschenmasse wiederfanden. Am 09/04 Berlin vor 400(!) Leuten in ausverkaufter Halle, am 10/04 Hamm vor einem unwesentlich kleineren Publikum, welches aber gern und auch wohlwollend applaudierte.

Ich bin froh, dass ich einer der wenigen Privilegierten war, die dieses Feuerwerk an englischem Ur-Punk verfolgen durften, eine dreiviertel Stunde lang. Schon beim Soundchek um viertel vor neun wurde ausgelassen applaudiert, und wenn die Band auch noch mal betonte, dass sie noch nicht angefangen habe, wir waren begeistert.

Zwischen Soundchek und eigentlichem Beginn wurde die Frage laut, bis wann die Band denn aufhören musste. Die Konzertsperrstunde im Corner Inn liegt seit dem letzten Konzert bei 22 Uhr. Wir wissen das und auch die Band war sichtlich erfreut. Mit einem Hals, der von hier bis Wakaluba reichte saßen sie jetzt da und warteten. Auf was? Auf mehr Besucher? Wohl kaum! Eigentlich taten sie mir sogar ein bisschen leid, aber ich hatte bezahlt, man ist ja halt auch Kunde. Gegen viertel nach neun brachen RED LONDON dann aber doch über uns herein, ich fühlte mich um zwanzig Jahre zurückversetzt, irgendwo in eine Londoner Spelunke. Spätestens jetzt war der Zeitpunkt gekommen zwei bis fünf Bier zu trinken, das Ganze sollte ja möglichst wirklichkeitsnah in meinem Gedächtnis verharren.

Völlig unbeeindruckt von dem Publikumszuspruch ballerten uns RED LONDON die Riffs um die Ohren, spielten unbeirrt auf, und ließen die Rolladen im Corner Inn vibrieren. Laut war es wahrlich, doch man bewegte sich ja im zeitlichem Rahmen, der wenige Wochen zuvor von den "Bad Mothers" gesteckt worden war, denken zumindest alle die, die der Tagespresse Glauben schenken. Aber ich weiß von einer anderen Begebenheit zu berichten. Nicht die laute Musik brachte die Anwohner auf die Palme, nein ein pöbelnder Suffkopp randalierte auf dem Parkplatz, so jedenfalls die inoffizielle Version. Ich hab ein Alibi für diesen Abend. (Wer hat das kontrolliert? D. Red.) Aber mal wieder toll, was ein Einzelner doch so alles bewirken kann. Danke. Die Saga ums Corner Inn geht in die nächste Etappe, hoffen wir, dass die Serie nicht so bald eingestellt wird, die Einschaltquoten lassen jedoch böses befürchten. Doch jetzt freue ich mich auf die Nacht der Clubs, wo Regatta de Blanc im Corner waren. Sie sollten eigentlich um 21.30 Uhr anfangen, das wurde natürlich verlegt auf 20.00 Uhr. Komisch, versteh ich gar nicht. Woran das wohl liegen mag? Doch dazu später mehr. A.P.a.M.

Livingroom Blues

Tales For Medicinemen

Kölner Duo überzeugte mit großem Können

Diesmal musste man wieder etwas mehr zuhören, beim "Livingroom Blues" auf der "Kleinen Bühne" in der Kulturwerkstatt. Denn es war kein uriger Kneipenblues wie beim letzten Mal, sondern eher konzertant gespielte Interpretationen bekannter Songs, neu arrangiert und in leicht veränderter Form. TALES FOR MEDICINEMEN hieß das Duo, das am 15. April zu Faßbier, Knabberzeugs und Kerzenlicht Songs von Billy Joel, Sting oder Stevie Ray Vaughan spielte. Leider waren diesmal nur wenige Zuschauer gekommen, um den beiden Musikern mit ihren sehr professionell vorgetragenen Songs, unter denen sich auch etliche eigene befanden, zuzuhören. Das aber tat der Stimmung keinen Abbruch, und Sänger Thomas Grube und Gitarrist Philipp Roemer ließen sich die Spielfreude nicht nehmen und interpretierten Jimi Hendrix (The Wind Cries Mary) ebenso gekonnt, wie Stevie Ray Vaughan, dessen Kompositionen man sich mit nur einer Gitarre und einer Stimme kaum vorzustellen vermag. Trotzdem überzeugten die beiden Kölner Musiker mit großem technischen Können und dem richtigen Feeling, um die Zuschauer neunzig Minuten lang exzellent zu unterhalten. Sie verzichteten auf eine Pause, was sicherlich eine richtige Entscheidung gewesen ist und wurden erst nach zwei Zugaben von der Bühne gelassen. Natürlich hätten die beiden mehr Zuschauer verdient, aber es gibt nun mal solche Tage, an denen sich das Hammer Publikum zu verabreden scheint, den Abend lieber zu Hause vor dem Fernseher zu verbringen oder sonstwas zu treiben. Damit muß ein Veranstalter leben. Der nächste "Livingroom Blues", der letzte vor der Sommerpause, ist am 27. Mai. Dann wieder mit rauhem, erdigen Kneipenblues und LARRY O. MOAN, dessen Stimme an die des großen Long John Baldry erinnern wird. Unbedingt vormerken. (Hh)

Sieben Konzerte - Einmal bezahlen

DIE NACHT DER CLUBS 2000

Über 1000 Hammer Musikfreunde auf den Beinen

Sie ist gelaufen, die dritte "Nacht der Clubs", und wieder war sie ein großer Erfolg. Laut Kartenverkauf hatten sich diesmal 1200 Zuschauer auf den Weg gemacht, um sich mit zwei eingesetzten Bussen, mit dem eigenen Wagen oder, bei dem herrliche Wetter, mit dem Fahrrad von Club zu Club zu befördern. Die perfekte Mischung war gegeben, Reggae, Irish Folk, Police- und Bon-Jovi-Cover, Jazz, Acoustic-Rock und Southern Rock direkt aus Nashville boten für fast jeden Musikgeschmack etwas. Radio Lippe Welle verloste 10 Freikarten und drei "Gold-Cards", und im Hoppe Garden kann man, wenn das Glück mitspielt, eine Reise nach Nashville gewinnen (Es gab Extra-Tickets, die Verlosung ist im August). Die Willi-Reporter sind ausgeschwärmt, um Kurzberichte aus den einzelnen Clubs zu liefern . . .

THESE DAYS

"Bon Jovi" auf Radbod

Pünktlich um 20.00 Uhr ging es los und ca. 300 Leutchen hatten sich bereits eingefunden, um den Bon-Jovi Klängen zu lauschen und begeistert z. B. bei "Always" oder "Keep The Faith" mitzugrölen. Souverän spielte "These Days" die Songs, konnte wie immer ihr Publikum begeistern. Auch die Stimmung konnte nicht besser sein und Marion Wehmeier freute sich, dass die Hütte wieder einmal so richtig voll war. (rb)

Jochen Schrumpf

Funk & Soul in Jazzverpackung

In diesem Jahr zum ersten Mal dabei: Gasthof Hagedorns "Haus an der Geinegge". Andreas Düdder vom Jazz-Club Hamm hatte für die Nacht der Clubs einen Jazz-Gitarristen der gehobenen Klasse verpflichten können. Jochen Schrumpf hatte ich zum letzten Mal im Fiffikus (jetzt Anno 1901) vor fünf Jahren gehört und war damals schon begeistert. Rund 50 Zuhörer konnten sich gemütlich zurücklehnen und Jochen Schrumpf‘s Electric Groove genießen, die eine jazzige Mischung aus Funk & Soul versprühten. (rb)

MEITEAL

Irish Folk der Superklasse

Den besten Platz hatten die Mädels und Jungs von der Band, denn die saßen schon ganz hinten. Und wer auch dahin wollte, um den Klängen der Musik zu lauschen oder ab und zu einen Blick erhaschen zu können, musste ganz schön kämpfen, um zur Band zu gelangen. Mir ging es leider auch nicht anders, denn ein Foto musste ja her. Wer es dann geschafft hatte, sich nach vorne durchzubeißen war allerdings begeistert. Über die Musik von Meiteal, braucht man eigentlich nicht viel Worte zu verlieren. Absolut professionell und mit einer Spielfreude, dass es einen riesigen Spaß macht, den Musikerinnen und Musikern zuzusehen.

(rb)

THE FAB GRIMS

Acoustic Rock’n Roll

Ich durfte unseren musikalischen Overkill dieses Jahr schön gemütlich in der Gastronomie des Maximilian- Parks angehen lassen. THE FAB GRIMS hatten vor unserer Ankunft gegen halb neun schon gut eingeheizt, einzelne fühlten sich zum Tanz oder zumindest zum mitwippen aufgefordert. "Acoustic Rock´n Roll" wurde fabriziert, Musik zum abschweifen, mal in sich gehen, genüsslich am Glas nuckeln, oder angeregte Gespräche zu führen. Aber so wie die Gastronomie umgebaut wurde, passte das prima hier herein. In irgendeiner Ecke des Raums spielt ´ne Band und die Gäste sind glücklich damit. Kurz vor unserer Weiterreise waren es dann auch so an die 60 Leute, die sich hier zum Beginn eines langen Abends eingefunden hatten. Mit Siebenmeilenstiefeln ging‘s weiter zum Corner. (A.P.a.M.)

REGATTA DE BLANC

Statt Polizei "Police" im Corner Inn

Nur schade, dass ich einer der wenigen war der zumindest die Tagespresse verfolgt und der somit wusste, dass im CORNER nach 22 Uhr nix mehr geht. Da kann das Konzert wohl schlecht um halb zehn anfangen. Aus diesem Grund konnte man wenigstens noch bis zur Theke kommen, und nicht draussen auf der Straße auf Einlass warten. Nachdem PETRA Trommler und Wellenbrecher vom Dienst "Ficken-Schmidt" den Saal betreten hatte, konnte ich mich endlich im Schutze seines Windschattens in die hinteren Gemächer wagen um wenigsten ein paar Blicke zu erhaschen. Frenetisch gefeiert und mit zunehmender Dauer nassgeschwitzter brannte REGATTA DE BLANC Ihr Feuerwerk ab. Ich hab es glaub ich ganze drei Minuten in der Menge ausgehalten, danach konnte ich sowieso keine Fotos mehr machen, die Luftfeuchtigkeit betrug nahezu 99%. Dass der Wirt nicht noch Saunazuschlag haben wollte war alles. Zum Abschluss ging‘s für mich, wie jedes Jahr in die ProMille. (A.P.a.M.)

NEGUS A NAGAST

Reggae Party in der PRO MILLE

Wer hier spielt ist wohl egal, gegen die Stimmung, die in dem Laden immer herrscht kann sich niemand wehren. brachten Good Vibrations non-stop, und an einigen Ecken roch es lecker (Man muss die Vorurteile aufrechterhalten). Erstaunlicherweise war es einigermaßen leer, man konnte ohne Probleme zur Toilette gelangen, unverständlich aber nicht ganz unvorteilhaft. Ich weiß auch gar nicht wann NEGUS A NAGAST aufgehört haben, aber als wir so gegen eins gegangen sind waren sie immer noch voll dabei, glaub ich jedenfalls. Vielleicht sollte mal jemand vorbeischauen, ob die nicht immer noch spielen, Gründe zum Aufhören gab‘s jedenfalls keine.

Zum Abschluss noch mal mein letztjähriger Appell an alle Veranstalter: BITTE MACHT WAS FÜR DIE JUGEND, wieso spielt nirgendwo eine Band für die etwas härter Gesottenen? Ich wird es nie verstehen, auch nächstes Jahr nicht. A.P.a.M.

THE STEVE SCHUFFERT BAND

Power aus Nashville

. . . und zum krönenden Abschluß ging es dann in den Hoppe Garden der Kulturwerkstatt, denn dort betrat um 22.00 Uhr die STEVE SCHUFFERT BAND aus Nashville/Tennessee die Bühne und zeigte den über 400 Besuchern, daß es in der "Music-City USA" nicht nur Country Music gibt, sondern auch eine geballte Ladung Southern Rock der allerersten Güte. Steve Schuffert, der kleine Gitarrist mit dem überragenden Können verwandelte den Hoppe Garden in

einen brodelnden Hexenkes-

sel und seine beiden Mit-streiter Matt Carmichael (Drums) und Pete Tomarakos (Bass) bewiesen, dass sie mit ihrem Boss zu Creme der Nashville-Szene gehören. Es war kaum zu glauben, was die Drei für ein Soundgewitter von der Bühne hallen ließen. Sicherlich war die Steve Schuffert Band der lauteste Act, der in der Oberonstraße je zu Gast gewesen ist, aber trotzdem unheimlich clean. Zweieinhalb Stunden begeisterte die Band das Publikum, um danach noch über eine Stunde lang im Hoppe Garden und in der Garderobe Autogramme zu geben. Ein großes Konzert. (Hh.)

Bis zur nächsten Nacht der Clubs am 14.04.2001