Unterwegs mit Willi

"Horse Of A Different Color"

WILLY DeVILLE

im PC 69 - Beeindruckendes Konzert vor fast 2000 Zuschauern

Ein langgehegter Wunsch von mir (und meiner "Chefin" Sabine) ging in Erfüllung; wir durften WILLY DeVILLE live erleben. Am Sonntag, den 2. April gastierte der charismatische Musiker aus New Orleans mit seiner Band im "PC 69" in Bielefeld. Nun wüsste ich wirklich nicht, was mich sonst noch nach Bielefeld locken sollte, außer das enorme kulturelle Angebot. Innerhalb von ein paar Tagen gibt es dort Konzerte mit Joe (Sloopy) Cocker, Chris Rea, Black Uhuru und eben WILLY DeVILLE. Das "PC 69" ist ein recht großer Laden, eher eine Halle mit einer riesigen Theke in der Mitte, einer sehr großen Bühne mit einer fantastischen Lichtanlage aber Getränkepreisen, die sich gewaschen haben. Ein Bier im Plastikbecher (0,3) 5,- DM, Cola/Wasser (0,2) 4,- DM. Also bitte nicht mehr meckern, liebes Hammer Publikum. Aber wir wurden reichlich entschädigt. Um punkt 20.00 Uhr betrat der Support-Act die noch spärlich erleuchtete Bühne, eine Rockabilly-Band aus Bremen, mit Namen JEZEBEL. Der Gitarrist spielte eine Gibson "Flying V", was sehr ungewöhnlich ist für eine solche Band. Aber ich muß sagen, die Jungs waren Klasse. Rockabilly mit Power und einem sehr guten Sänger.

Nach einer Stunde waren die Vier fertig und auf der Bühne wurden Roadies tätig, um den Boden für WILLY DeVILLE zu bereiten.

Um 21.15 Uhr betrat dann die Band die Bühne und der legendäre Leader WILLY DeVILLE erschien mit einem Wolfspelz über Kopf und Schultern, setzte sich mit dem Rücken zum Publikum auf seinen Barhocker und begann, von seinen Musikern und sich selbst auf einer Flöte begleitet, das durch den "Schattenmann" auch in Deutschland sehr populäre "Loop Garou" zu spielen. Unmittelbar fühlten wir uns in die Sümpfe Louisianas versetzt, die wir von unserer letztjährigen USA-Reise nur zu gut in Erinnerung hatten. WILLY hatte eine recht übersichtlichen Band um sich geschart, die allerdings aus der Creme der US-Szene stammte, denn ein jeder war ein Könner auf seinem Instument. Der Gitarrist, umzingelt von etlichen Gitarren, Dobro´s, Mandolinen, einer Geige, saß ebenso auf einem Hocker, wie der Bassmann, der einen Standbass spielte. Die beiden schwarzen Sängerinnen, Lisa und Sweety, waren gesanglich wahre Perlen und der Drummer einfach göttlich. Dabei sollte man ihn besser als einen Percussionisten bezeichnen, denn sein Drum-Kit bestand aus Bassdrum, Congas, Becken, Timbales, Glöckchen, Bongos und - Waschbrett! Nachdem WILLY sein Fell abgelegt hatte, zeigte er sich uns von vorn in einem schwarzen Samtanzug mit weißem Rüschenhemd, und er war, entgegen aller bisherigen Erfahrungen, sehr freundlich, redselig, witzig und sehr sympathisch. Er brachte uns Elvis mit "One Night With You" zu Gehör, in einer Art, wie man es sicher noch nie vernommen hatte. Rockig zwar, aber in der unnachahmlichen "DeVILLE-Art". Etwa die Hälfte seines Programmen stammte von der neuen CD "Horse Of A Different Color"; "Across The Boarderline" "Lay Me Down Easy" oder "18 Hammers". Aber auch ältere Songs begeisterten das fast 2000köpfige Publikum, wie "Cadillac Walk", "Bamboo Road" oder das fantastische "Welcome To The Jungle", bei dem der "Drummer" sein enormes Können beeindruckend unter Beweis stellte. WILLY wechselte unentwegt die Instrumente, E-Guitar, Acoustic-Guitar, Mandoline oder Harp. Sein alles überragendes Instrument aber ist seine unvergleichliche Stimme. Man bekommt eine Gänsehaut nach der nächsten. Als WILLY DeVILLE dann schließlich von einer seiner roten Rosen, die vor ihm auf der Bühne lagen, abbiß und genüßlich darauf kaute, war es um die Damen im Saale endgültig geschehen. Natürlich ließ man ihn nicht ohne Zugaben seinen Feierabend genießen. Er lieferte uns ein "Hey Joe" (von Jimi Hendrix) im mexikanischen Stil (genial) und zum Abschluß "The Last Dance For Me". Ehrlich, wer die Möglichkeit hat, WLLY DeVILLE mit seiner Band live auf der Bühne zu sehen, sollte das auf keinen Fall versäumen, man wird beeindruckt sein. (Hh.)

MUSIK GEGEN GEWALT UND RASSISMUS

Der Gedanke: Jugendliche sollen sich wissentlich und kritisch mit dem Thema Gewalt und Rassismus auseinandersetzen. Eben diese Jugendlichen erhalten dafür die Chance Ihren eigenen Hit zu produzieren und - meistens unter Halbplayback - im Jugendzentrum Rünthe zu, ja wie sagt man, äh... performen.

Die Realität: Die beginnt mit einem gechartertem Bus am Hammer Bahnhof.

Reiseleiter Dirk Potthoff hat die Fäden und unser Leben in seiner Hand und versucht die 35köpfige Truppe zusammenzuhalten. Als dann der Bus endlich an der Neuen Bahnhofstrasse ausfindig gemacht wird, beginnt die Odyssee durch alle für unmöglich gehaltenen Musik-richtungen. Nach ca. 20 Minuten sind wir schon im JZ Rünthe, es ist gerade mal halb 5. Ungefähr 15 Drei- bis Sechsjährige laufen zwischen unseren Füßen umher. Die anderen 30 Anwesenden sind entweder die Eltern oder die "Künstler". Wir betreten "mit alle Mann" die Halle und sehen OUR LEVEL, eine Girl- Group aus 15jährigen. Diese werden durch unsere Masse so verwirrt, dass wir kurzerhand vom Soundcheck ausgeschlossen werden.

Kann ja keiner ahnen, dass es noch nicht soweit ist, sorry Mädels.

Ca. 45 Minuten später, ich hatte mir als erster die CD dieses Abends für sagenhafte 7.99 DM ergattert, beginnt das "Festival". Ein junges Mädchen steht alleine auf der Bühne, versucht entspannt zu wirken. Sicherlich nicht einfach vor 30 meist langhaarigen Angetrunkenen. Der Reiseleiter hatte uns auf der Busfahrt noch nachdrücklich darauf verwiesen, die Veranstaltung nicht ins lächerliche zu ziehen. Wir versuchen uns noch zu zügeln. Aber die Musik beginnt, Erinnerungen an Westerhagens "Freiheit" kommen hoch, doch dann singt NADINE "Ich liebe dich". Feuerzeuge werden gezückt, die meisten können sich vor Lachen kaum halten. Ungläubige Blicke durchzucken den Raum, wo zum Henker sind wir hier gelandet? Aber egal, das Mädel muss gefeiert werden. Unter wilden Zugaberufen wird das Lied noch mal gespielt, denn ein anderes hat sie nicht.

Nach unzähligen weiteren Halbplayback-Künstlern wie TABU feat. Stina Werner kommt dann ein junger "Liedermacher" namens MARC MÜLLER auf die Bühne. Zwischendurch noch mit RIKE ein weiteres Halbplayback Girl, mit Händen in den Hosentaschen, aber keine Konkurrenz für NADINE.

Dann kommt mit AWFUL NOISE endlich die Zeit der handgemachten Musik ins Jugendzentrum. Es wird laut, und ich frage mich, wie lange die 3 bis 6jährigen noch in der ersten Reihe tanzen würden. Aber auch bei den noch folgenden SINCERITY sind sie noch da, nur dass sie jetzt langsam anfangen zu pogen und sich, rein spaßeshalber, mit Schlägen und Tritten bearbeiten. Wie gesagt, MUSIK GEGEN GEWALT.

Als auch bei der AKUTEN VERSEUCHUNG die Kinder nicht von sich ablassen können, greifen besorgte Jugendzentrum - Mitarbeiter ein und übergeben die Randalebrüder ihren Eltern. Mittlerweile ist es ja auch schon gegen halb zehn, aber die Band, mit uns um fünf schon angereist und seitdem auch trinkend gesehen, hatte noch Energie bis zum bitteren Ende. Ich weiß nicht, woher die das nehmen. Aber auch der subtilste Abend nimmt einmal ein Ende, und wenn ich jetzt mit ein bisschen Abstand noch mal die CD höre, kann ich mir immer noch ein Lachen nicht verkneifen.

Bis bald, Euer A.P.a.M.