Musikszene Hamm

THE HERETIC

Victor Smolski präsentierte seine neue CD

Ganz schön ungewöhnlich waren die Klänge, die Viktor Smolski am 12. Mai im "Matrix" (ehem. Rockpalast) in Bochum-Langendreer vorführte. Anlässlich der Präsentation seiner neuen CD "The Heretic" (Der Ketzer), die in ca. einem Monat auf den Markt kommt, hatte das russische Gitarrenwunder Presse und Schallplattenleute eingeladen. Viktor, gerade von seiner Russland-Tournee mit der Metal-Band "Rage" zurück, war noch etwas erschöpft, aber guter Dinge, obwohl die Truppe während ihrer Tournee in einen schweren Verkehrsunfall verwickelt wurde. Gott sei Dank wurde niemand verletzt, es entstand nur Blechschaden. Aber der Schock saß erstmal tief.

In der grottenähnlichen Location im Matrix hatte man den Gig mit viel Licht- und einigen Pyroeffekten sowie reichlich Nebel vorbereitet. Wie sich zeigte, absolut passend zur Musik. Packend und eindrucksvoll, schwer und ungewöhnlich drang die Musik unter die Haut. Man fühlte sich förmlich in die Zeit der Inquisition zurückversetzt, sah im Geiste die Folterkammern und es schauderte einen.

"The Heretic" lebt von seinen Reibungspunkten, dem Aufeinanderprallen zweier musikalischer Welten, die nur scheinbar nicht miteinander harmonieren können. Das große Orchester und die schreiende, klagende Gitarre im Wechsel erzeugen die Spannnung, die für dieses Werk wichtig ist. Smolskis Arrangement schafft es auf raffinierte Weise, die gegensätzlichen Musikrichtungen miteinander zu verbinden. "The Heretic" wurde komplett von Viktor Smolski komponiert, wobei ihm sein Vater Dmitri, einer der bekanntesten Komponisten Russlands und Professor der weißrussischen Musikakademie, mit Rat und Tat zur Seite stand.

Die sieben Stücke auf der CD werden zwischendurch drei Mal von Textpassagen unterbrochen, die vom Bassist und Sänger Peavy Wagner in deutscher Sprache, dem Schlagzeuger Mike Terrana in Englisch und von Viktor selbst in Russisch vorgetragen werden.

Der gleichnamige Titelsong der CD "The Heretic" geht gut ins Ohr und sorgt zum Schluss für den Wiedererkennungswert.

Alles in Allem ein recht ungewöhnliches Werk in der Art "Metal meets Classic", sehr eindrucksvoll und etwas für Musikgourmets.

"Man sollte das Album möglichst ohne Unterbrechungen hören, nur dann erkennt man den gesamten Aufbau, seine Höhen und Tiefen," empfiehlt der Maestro.

Vermisst habe bei der Präsentation allerdings das 70köpfige Staatsorchester aus Weißrussland. Wie mir Viktor jedoch sagte, wird es bei der Deutschlandtournee auf jeden Fall mit dabei sein. Obwohl..., vielleicht doch ganz gut, dass sie nicht da waren, sonst hätten die belegten Brötchen nicht gereicht. (rb)