Eine psychologische Leserberatung von Dipl. Psychol. Dr. Sonja Renate Rüpelhof-Lammkoether
Liebe Frau Sonja Renate,
von meiner Freundin habe ich den Tip bekommen, mich einmal an Sie zu wenden, denn ich habe ein Problem. Das heißt, eigentlich ist es nicht mein Problem, sondern das meines Gatten. Das Problem ist nur, dass er gar kein Problem damit hat, und somit wird es wieder zu meinem Problem. (Das ist ein Problem, d. Red.) Mein Mann ist zu dick! Er empfindet sich allerdings als stattlich, aber was meinen Sie, liebe Frau Doktor, ist man bei einer Größe von 164 cm stattlich, auch wenn man, wie mein Gemahl, 138 Kilo wiegt? Oder ist man einfach nur zu dick? Mir ist er manchmal richtig peinlich und ich werde nur ungern mit ihm zusammen in der Öffentlichkeit gesehen. Ich gehe auch immer ein paar Schritte vor ihm, allerdings auch, weil er mit mir nicht Schritt halten kann. Er fängt dann immer so an zu schnaufen und zu stöhnen, als wenn er auf der Toilette sitzt und schwer arbeiten muss. Das ist eklig. Kürzlich hat ihm ein namhaftes Bauunternehmen einen Job als Abrissbirne angeboten. Und was macht der Idiot? Er schreibt einen freundlichen Brief und lehnt dankend ab. Dabei wollten die ihn doch nur verarschen. Nun ja, er hat ja auch eine sichere Stelle, er ist im Maxipark angestellt. Dort muss er in der Saison die Maulwurfshügel platt walzen. Natürlich frisst er auch wie ein Scheunendrescher, denn von nix kommt nix. Und ihm beim Essen zuzuschauen, ist auch keine wahre Freude. In den "Wielandstuben" hat er bereits Lokalverbot, weil sich die anderen Gäste immer übergeben mussten. Oder hätten Sie noch Appetit, wenn sich am Nebentisch so ein fetter kleiner Wichtel das Hirschragout mit den Fingern in den Hals würfelt oder den halbtrockenen "Bubenhodener Freudentau" aus der Flasche säuft, nur weil er die filigranen Gläser mit seinen kurzen Wurstfingern nicht halten kann. Ich muss dann immer würgen. Allein an der Frittenbude können wir uns noch sehen lassen, oder bei "Mc Donalds", aber da passt mein Dickerchen, ich nenne ihn übrigens immer Antje*, nicht in die Stühle. Aber auch an die Frittenbude begleite ich ihn immer nur, wenn ich selbst bereits gegessen habe, denn seine Esskultur ist auf dem Niveau unterster Kreisklasse. Kürzlich waren wir auf einen Jazzfrühschoppen der Rotarier auf Schloss Oberwerries eingeladen. Alles erste Gesellschaft, Geschäftsleute, Ärzte, Rechtsanwälte, Adelige und mitten dazwischen der Maulwurfshügelplattwalzer Jürgen "Antje" Dickschäfer. Wie der zu dieser Einladung gekommen ist weiß ich bis heute nicht. Seis drum, er hat sich jedenfalls am Grill eine Curry-wurst reingezogen, was sag ich, viere waren es. Von der lecker aussehenden Soße hat er allerdings kaum etwas in sein fettes Maul bekommen, das Meiste davon ist ihm in den Kragen und in die Ärmel gelaufen. Und die Würste hat er sich natürlich per Hand eingeführt. Dem Freiherrn von Kohdze, der den Grill bediente, wurde unwohl und musste sich ablösen lassen.
Kürzlich mußte mein Gatte zum Ernährungsberater, die Krankenkasse machte ihm das zur Bedingung. Ich begleitete meinen Antje zur Sicherheit, damit er auch wirklich hingeht. Als wir in das Sprechzimmer kamen, begrüßte uns der Typ und sagte mit einem fiesen Grinsen zu meinem Mann: "Nehmen Sie sich ein paar Stühle und setzen Sie sich." Ist das nicht unverschämt? **
Und was glauben Sie, was wir ertragen müssen, wenn mein Liebster mal was Neues zum Anziehen braucht. Bei Grüter und Schimpff wollten wir einen Jogginganzug kaufen. Die Übergrößen passten meinem Mann nicht, obwohl die schon gewaltig sind. Und was sagt uns die freche Verkäuferin? Wir sollten zum Luftsportclub Münster fahren, die hätte noch ausrangierte Fallschirme. Richtig zurecht geschnitten und genäht würden die sehr schick aussehen und er könnte damit in jeder Muckibude die Weiber betören. Ich musste richtig lachen, aber dann tat er mir auch wieder leid.
Unser Sexualleben wird natürlich auch nicht unerheblich durch die Körperfülle, und nicht zuletzt durch die Körpermaße meines Gatten beeinträchtigt. Da ich nicht wie die Maulwurfshügel im Maxipark plattgemacht werden möchte, haben wir uns für die zweite Stellung entschieden. Das ist allerdings auch nur eine Notlösung, denn wenn ich auf meinem Mann auf seinem Männchen sitze, kann ich sein Gesicht nicht sehen, weil sein Bauch im Wege steht. Aber so zwei, dreimal im Jahr können wir uns schon auf dieses Spielchen einlassen. Natürlich hat er seinen Oschie schon seit Jahren nicht mehr gesehen und kennt ihn nur durch meine Beschreibungen. Das Schlüsselerlebnis aber, der Grund warum ich mich jetzt an Sie wende, ist folgendes: Wir waren kürzlich in einem Hammer Kaufhaus, dort stand eine Waage, die das Gewicht der Kunden auf einer Karte gedruckt auswirft, stets mit einem humorvollen Spruch versehen. Auf der Karte meines Gatten stand neben den 138 Kilo der Satz: Nur Elefanten dürfen wiegen, was sie wollen! Das fand ich etwas zu humorvoll. Was soll ich nur machen?
Hilde Dickschäfer, Hamm.
Liebe Hilde,
Abwarten, irgendwann wird er mit einem fiesen Geräusch platzen.
Herzlichst, Ihre Reni.
* Das Walroß vom NDR-Fernsehen
** Nein