PARTY PUNK VS. DEPRI POP
Ein wahnwitziges Angebot vom Jugendzentrum Südstraße lockte mich am 5. Mai in die heiligen Hallen. Nicht ein, nicht zwei, sondern ganze drei musikbegeisterte Gruppierungen wollten an diesem Freitag ganz groß aufspielen (zumindest versuchten sie es, aber man ist ja mit Anerkennung getauft worden).
PIVOT, QUE PASA?, und die Gewinner des Nachwuchswettbewerbes 97 AKOASMA gaben sich die Kante, nein die Klinke in die Hand.
Die erste Überraschung des Abends waren für mich aber PIVOT, da ich sie doch eher als die Headliner des Abends eingestuft hätte. Eigentlich waren sie schon vor Jahren in der Szene etabliert, ich hatte aber lange kein Konzert mehr von den Dreien besucht, und hatte ehrlich gesagt alles ganz anders in Erinnerung. Eigentlich hatte ich kaum noch eine Erinnerung, geschweige denn eine Ahnung was mich da runterziehen würde.
Ich möchte diesen Bericht einmal nutzen, um euch zu erklären, was ich an einem Freitagabend im JZ erwarte. Ich habe nämlich die ganze Woche geackert und muss es meistens auch noch Samstags, da habe ich sowas von überhaupt kein Interesse, mich von irgendwelchen Hallodries mit depressivem post-NIRVANA Geschrammel in eine Art Sinnkrise schleudern zu lassen. Zu meiner Erleichterung empfanden etliche ebenso und blieben deshalb gleich vor dem JZ in
der wohligen Abendsonne, um sich zu amüsieren. Technisch habe ich kein Problem, den Jungs alles einzugestehen, aber so eine Art von Pop, Rock oder was auch immer, löst bei mir eher Unbehagen aus. Ich weiß nicht, was eine Band zu so einer Stilrichtung bewegt, geschweige denn wie man Spaß haben kann so etwas selbst zu spielen. Aber das ist natürlich nur meine persönliche Meinung und wen interessiert das schon. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Zielgruppe durchaus nicht so klein ist? Ich weiß es nicht, und ich will es auch gar nicht wissen. Mögen sich das die Leute anhören, die so etwas toll finden, am besten doppelt und dreifach, dann muss ich das nicht.
Pause, Schnitt, Sonne Tanken , fröhlich sein.
Es kamen QUE PASA?. Noch niemals zuvor drang der Name durch meine so oft gebeutelten, aber noch mehr verwöhnten Ohren. Ich ließ mich überraschen.
Und es gelang QUE PASA? Auch mehrfach. Eine Rock-Punk Cover Band, dachte ich nach den ersten paar Stücken. Ich hasse zwar Cover - Bands aber ich liebte QUE PASA?.
Druckvoll, dynamisch, Spaß an der Musik, und die volle Akzeptanz des Publikums im mittlerweile mehr als gut gefülltem Raum, beschreiben die Band schon passend. Die würde ich sogar auf meiner Hochzeit auftreten lassen, wenn ich denn so wahnsinnig wie LABSKAOS - Shouter Torsten Michalski wäre. Alles Gute, wir sehen uns auf deiner Goldenen (Wieso war ich verdammt nochmal nicht eingeladen?).
Zurück zum Wesentlichen. Vielleicht haben sie auch nicht nur gecovert, es gab
etliche mir bis dato unbekannte Werke, aber das soll ja nichts heißen. Für mich eine Cover-Band,die ich gern noch mal sehen und hören möchte, und das verlange ich nicht von vielen Bands.
Von AKOASMA wollte ich z.B. nach dem NWW ´97 nie wieder was hören, aber mit so ein bisschen Abstand muss ich gestehen, dass sich auf kargem Boden auch ein Kleinod entwickelnkann. Poppiger Punk, oder punkiger Pop, ich war hin und her gerissen. Es machte zeitweise
richtig Spaß zuzuschauen, bzw. zuzuhören. Eingängige Melodien, harte Riffs und eine gehörige Portion Spielfreude zeichnen die Recken von AKOASMA aus. Beim Fußball möchte man doch auch lieber was atemberaubendes erleben, anstatt Larifari Meisterschaften aus Weißwurstien. Musikalisch war dieser Abend sicherlich keine Offenbarung, aber durchaus eine Bereicherung meine Kenntnisse über Bands aus unserer schönen Stadt im Herzen von Westfalen, am Busen der Lippe. A.P.a.M.
Hammer (Beckumer) Spitze:
BULHELMWISCH
Sechsköpfige Band bot gutes Konzert
Komischer Name, dachte ich, als ich das erste Mal BULHELMWISCH las. Natürlich legte ich die Betonung auf die mittlere Silbe, wie wir Deutschen das so zu tun pflegen. Wenn man aber die letzte Silbe betont, und das Plakat der Band sieht (mit dem Raben Hans Huckebein), dann weiß der belesene Bürger, daß der Name einfach nur ein Silbendreher ist, und Wilhelm Busch bedeutet. Wie auch immer, BULHELMWISCH spielte am 17. Mai in der Reihe "HAMMER-Spitze" im Hoppe Garden der Kulturwerkstatt. Auf Grund technischer Schwierigkeiten gestaltete sich der Soundcheck der Hamm/Beckumer Band als recht langwierig, was sich allerdings auszahlen sollte, denn der Sound war beim Konzert erstaunlich kraftvoll und wohlklingend. Um 21.30 Uhr legten die fünf Jungs und das Mädel los mit einem gewaltigen Tusch, der das Intro zu einem rundum guten Konzert sein sollte. Die Musik der Band zu beschreiben ist gar nicht so einfach, denn vielerlei Einflüsse der verschiedenen Musiker waren deutlich. Durch die langjährige Auseinandersetzung mit Rock, Jazz und Blues haben die Musiker ihren individuellen Stil entwickelt und perfektioniert. Allen voran die Sängerin Ulla Hengst, die mit Ihrer faszinierenden Stimme die ausschließlich eigenen Songs sehr professionell interpretierte, während Gitarrist Klaus Hengst seine Gitarren sparsam, aber virtuos einzusetzen vermochte. Er spielte nur wenige Soli, die aber waren, vor allem bedingt durch das Wah-Wah-Pedal, interessant und abwechslungsreich. Besonders zu erwähnen wäre noch Saxophonist Elmar Mörtenkötter, dessen Instrument den Sound der Band abrundete und durch häufige Solopassagen prägte. Er und Keyboarder Dieter Kozak sind übrigens 1998 zur Band gekommen, und seitdem fester Bestandteil der Musiklandschaft des Münsterlandes geworden. Bassist Ulli Happe und Drummer Rolf Hahn bildeten den Background von BULHELMWISCH, routiniert, solide und souverän. Mit "Sunday Morning" wurde die Jazzige Abteilung bedient und das Instrumental-Stück "Jau" erinnerte ein Wenig an Herbie Hancock. Mit zwei Zugaben "Try, Try, Try" und "All Right Now" (nicht der Song von The Free) beendeten BULHELM-WISCH ihr schönes Konzert. Unbegreiflich allerdings, daß wieder einmal nur sehr wenige Zuschauer den Weg in den Hoppe Garden gefunden hatten. Das passiert immer, wenn keine Band aus Hamm spielt, oder wenn kein großer Name auf der Bühne steht. Gruppen aus dem Umland, und sind sie noch so gut, bekommen in unserer Stadt keine Chance. Bedauerlich, aber leider nichts Neues.(Hh)
Englands Harper Nummer eins
PAUL LAMB & THE KING SNAKES
Auftakt zu Deutschland-Tour im Hoppe Garden
Vor zweieinhalb Jahren hatte der Londoner Harp-Virtuose Paul Lamb, der mehrfach zum besten Blues-Harpspieler Englands gewählt wurde, das Unnaer Blues-Festival aufgemischt und allen anderen Bands die Show gestohlen. Ob er auch in Hamm das Publikum begeistern würde, darauf waren die Veranstalter der Kulturwerkstatt sehr gespannt. Aber erst einmal musste gezittert werden, denn die Band kam nicht, wie angekündigt, um 17.00 Uhr im Hoppe Garden an, stattdessen erreichte Organisator Uli Holesch um 18.00 Uhr ein Anruf; die Fähre, direkt aus England kommend, legte erst einmal mit Verspätung in Hoek van Holland an. Und dann steckte die Band um 18.00 Uhr in einem 40-Km-Stau in der Nähe von Rotterdamm (!) fest. Eine Hiobsbotschaft. Aber nach einer dreistündigen Zitterpartie auf Seiten des Veranstalters traf Paul Lamb mit seiner Band um 21.25 Uhr in der Oberonstraße ein. Und wie das bei Profis so der Fall ist, stand fünfzehn Minuten später die komplette Anlage spielbereit auf der Bühne. Und dass die beschwerliche Anreise bei den sympathischen Engländern keine bemerkbaren Spuren hinterlassen hatten, bewiesen sie ab 22.05 Uhr eindrucksvoll.
Zu Viert betraten sie die Bühne und begannen ihre Show mit einem Instrumental-Song, bei dem Paul Lamb an der Harp und Johnny Whitehill an der Gibson-Guitar schon einmal zeigten, was sie draufhaben. Und das veranlaßte das Publikum immer wieder zum Szenenapplaus. Der wiederum spornte die Musiker an und so schraubte man sich gegenseitig in die Höhe. Gleich beim ersten Song war das Eis gebrochen und es konnte schon nichts mehr anbrennen. Der tosende Beifall war gleichermaßen der Auftrittsapplaus für Earl Green, dem farbigen Sänger der KING SNAKES, der mit wohlig-warmer, unheimlich eindrucksvoller Stimme einen Shuffle anstimmte, der die Zuschauer erneut zu Höchstleistungen antrieb.
Und dann bekam das Publikum alles, was der Blues zu bieten hatte: einen Texas-Blues aus der Feder von Johnny Whitehill, der dem kleinen Gitarristen ermöglichte, alle Register seines Könnens zu ziehen, einen Shuffle, bei dem die Zuhörer den grandiosen Paul Lamb dermaßen anfeuerten, dass ihm nichts übrig blieb, als sich total zu verausgaben und einen sehr langen Slow-Blues, der gaaanz langsam anfing, sich immer mehr steigerte um in einem musikalischen Donnerwetter dem Höhepunkt entgegen zu treiben. Ein Meisterwerk, immer wieder mit Szenenapplaus belohnt, der nicht zuletzt sicherlich auch den beiden Rhythmikern Sonny Below an den Drums und Rod Demick am Bass gewidmet war. Danach gab es erst einmal eine 20minütige Pause.
In der zweiten Hälfte ging dann aber erst richtig die Post ab. Eine Polka, atemberaubend schnell, die Paul Lamb alles abverlangte, ein Cajun-Song mit New Orleans-Flair, das herrliche "Willie and the Hand Jive", was in der KING SNAKES-Version allerdings "Crazy About Me" heißt und ein weiteres Solo-Stück von Gitarrist Johnny Whitehill "I´m A Bluesman", ebenfalls ein Highlight. Und immer mit dabei die unvergleichliche Harp von Paul Lamb. Nie wurde dieses Instrument aufdringlich, mal klang es wie eine Gitarre, mal wie ein Keyboard, sogar eine Hammond Orgel war zu vernehmen. Aber es war stets die Harp. Das Konzert von PAUL LAMB & THE KING SNAKES war der Auftakt zu ihrer Deutschland-Tournee und ein würdiger Abschluss der ersten "Top-Act-Saison" dieses Jahres in der Kulturwerkstatt. Aber warum nur 100 Zuschauer gekommen waren (darunter 60 % aus umliegenden Städten) weiß der Teufel. Aber wir sind nun mal in Hamm . . ! (Hh)