Die Hand am Ohr

Die großenTreppenhausgespräche

Von André Schörnig

Erschüttert musste ich erneut feststellen, wie ungenau und oberflächlich unser deutsches Schulsystem und unser deutsches Bildungssystem überhaupt ist. So stellte ich bei meinen Recherchen fest, dass nicht ein einziges geschichtliches Treppenhausgespräch in auch nur einem Schulbuch zu finden ist. Ein Skandal.

Um diesen Mißstand ein für allemal aus der Welt zu schaffen, nutze ich nun dieses Medium um dem Leser wenigstens einige Fakten der wichtigsten Treppenhausgespräche darzulegen. Viel Vergnügen.

17.04.1492

Christoph Kolumbus steht an diesem Nachmittag im Treppenhaus seines Schiffes Santa Maria und unterhält sich durch das Bullauge mit seinem Steuermann auf dem anderen Schiff, das auch noch dabei war. Der Steuermann sieht ebenfalls durch ein Bullauge, jedoch wird unter Historikern heftig diskutiert, ob er sich auch in einem Treppenhaus befand. Viele sind der Ansicht, es handelte sich damals um die Toilette, diese Ansicht vertrete ich jedoch nicht, da in den privaten Notizen des Steuermanns eindeutig davon die Rede ist, dass dieser während der Unterhaltung mehrfach von der Treppe (in manchen Übersetzungen heißt es auch Stufe oder Absatz) gefallen sei.

Äußerst kontrovers wird auch diskutiert, dass es sich bei diesem Gespräch, sollten beide nun im Treppenhaus gestanden haben, nicht um ein klassisches Treppenhausgespräch handeln könne, da es ja in zwei verschiedenen Treppenhäusern stattgefunden hat. - Dem interessierten Leser möchte ich hierzu die Abhandlung "Stufen den Glücks" von Hajo Weiss empfehlen, die eine wirklich ausführliche und erschöpfende Definition des Wortes und der Sache "Treppenhaus" bereithält.

17.7.1776

Über drei Tage und Nächte dauerte dieses legendäre Treppenhausgespräch zwischen George Washington und Benjamin Franklin im Treppenhaus von Franklins Schwiegermutter.

Beide Politiker arbeiteten zu dieser Zeit gerade an der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung und diskutierten zuvor das Recht auf Waffenbesitz, welches übrigens noch heute in den USA Gültigkeit hat. Washington war nach dem kurzen Gespräch gerade auf dem Weg nach Hause, als ihm auffiel, dass Franklin überall in seiner Abschrift der Unabhängigkeitserklärung das englische Wort Unabhängigkeit, also independence, indipendence schrieb. Franklin war sich jedoch sicher, dass seine Schreibweise richtig sei, wodurch sich Washingtons sonst eher ruhiger Gemütszustand aufs heftigste erregte. So stritten die beiden sich die nächsten drei Tage, bis sie schließlich vergessen hatten worum es eigentlich ging und Franklin Washington zu einer Suppe einlud die, so Washington in seinem Tagebuch "bereits kalt war".

12.12.1905

Ein unglaubliches Treppenhausgespräch. Einstein hatte den Schlüssel zu seiner Wohnung vergessen, als er an diesem Abend nach Hause kam. Er stand vor der geschlossenen Tür und wartete auf seine Frau Elsa, die drei Tage später nachkommen wollte. Als es heftig zu regnen begann, entschied sich Einstein dafür, irgendwo anzuklingeln um schon mal ins Treppenhaus zu gelangen. Da er äußerst schüchtern war, klingelte er jedoch nur in seiner eigenen Wohnung an, und als niemand öffnete schlug er heftigst auf die Tür ein, bis diese aus den Angeln brach und den Weg freimachte. Einstein sagte noch Tage später, dass es wohl an diesem körperlichen Kraftakt gelegen haben muß, dass ihm an diesem Abend noch seine legendäre Formel im Treppenhaus eingefallen war. Natürlich ist es bis hierhin noch kein Treppenhausgespräch, doch erachte ich es als wichtig die Vorgeschichte zu kennen.

Als nämlich Einsteins Frau nach drei Tagen die Treppe heraufkam, rief er ihr schon von oben entgegen: "Heureka, Elsi, heureka!!!", was sie mit den Worten: "Du könntest dich mal wieder rasieren!" quittierte.