Fest des Jahres in Hölzken
Normalerweise ist Schützenfest nicht mein Ding, ebensowenig wie Karneval. Einen großen Un-terschied gibt es sowieso nicht. (Au Backe - d. Red.) In beiden Fällen kleiden sich Personen in seltsame Gewänder, geben vor, jemand zu sein, der sie nicht sind und dürfen einmal im Jahr große Klappe haben. (Au Backe - d. Red.)
Trotzdem ist es mir zur lieben Tradition geworden, einmal im Jahr eines dieser Traditionsfeste zu besuchen. Ich rede natürlich von einem Schützenfest, zu einer Karnevalsveranstaltung würden mich keine zwanzig Pferde hinbewegen können, nie im Leben. Und wenn, dann nur im Rollstuhl und bei völliger geistiger Umnachtung. Da würd´ ich dann nicht einmal groß auffallen. (Au Backe - d. Red.) Aber ein Schützenfest einmal im Jahr lass´ ich mir gefallen.
Dann muss man natürlich auch noch genau abwägen, welches dieser Feste man, ohne größe-ren Schaden an Leib und Seele zu nehmen, besuchen kann, denn nicht jeder Schützenverein kann für die Sicherheit seiner Gäste garantieren. Es gibt da so einige Stadtteile in Hamm, da würde ich nur in Begleitung einer GSG-9-Abteilung ein Schützenfest besuchen. Ich werde natür-lich den Teufel tun und hier kundtun, welche ich meine. Was ich aber sagen kann ist, dass ich immer wieder gerne in den Ortsteil Lohau-serholz fahre (natürlich mit dem Taxi), denn hier kann man verhältnismäßig sicher sein, nach dem Feiern mit intaktem Gesicht und heilen Kno-chen ins Gasthaus wechseln zu können, um sich den Gnadendrink zu genehmigen. Oder, man bleibt einfach vor Ort und wechselt nicht.
Lange Rede, kurzer Sinn, wir waren also in diesem Jahr wieder in "Hölzken". Genau gesagt beim "Schützenverein Lohauserholz", der bereits seit 1938 besteht. Reges Treiben herrschte dort an diesem Freitagabend, genau gesagt waren der Platz und das Zelt gerammelt voll. Der Schüt-zenplatz dort ist noch nicht sehr alt, alle Gebäude sind fast neu, die "Avantgarden-Laube" ist noch nicht von den Spuren schützenbrüderlichem Erbrochenem als solche zu erkennen und der angrenzende "Hochzeitswald" wird, ist er erst mal erwachsen, dem gesamten Gelände die Ge-borgenheit vermitteln, die Schützenbrüder und -schwestern nun mal benötigen, um ihr "Fest des Jahres" in Besinnlichkeit und Einfalt (Das heißt "Eintracht" - d. Red.) zu feiern.
Und dafür benötigt man auch eine Kapelle! An diesem Freitag war das die Band "Valentino". Als wir das Gelände betraten, war gerade Pause. Gottseidank, dachte ich, denn die meisten "Tanzkapellen" sind nicht gerade eine Freude für mich. Natürlich gibt es Ausnahmen, und eine davon ist sicherlich "Valentino", denn als sie ihre Show fortsetzten, war ich doch recht erstaunt. Die vier männlichen Musiker beherrschten ihre Instrumente sehr routiniert, allen voran der Drummer, und die blonde Sängerin konnte sogar Songs von Cher überzeugend interpretieren. "Sexbomb" von Tom Jones war schon etwas gewagter, wegen der Stimme, aber das sang natür-lich ein männlicher Kollege. Dann war Wolfgang Petry an der Reihe, bei dem krieg´ ich zwar immer Stuhldrang, aber gut gespielt war´s trotzdem. Erst als "Der Anton aus Tirol" an der Reihe war, fragte ich mich, ob das denn wohl sein müsste, aber das Publikum meinte: "Ja!" Nun gut, auf jeden Fall war die Band Klasse.
Nun hatte der Willi-Fotograf den Einfall, wir sollten ein lustiges Foto machen; der Willi-Gesellschaftsreporter im Grünrock mit Hut, aber keiner der Schützenbrüder wollte seine Beklei-dung dafür hergeben. Hartmut Rothe, Beisitzer im Vorstand des Vereines auch nicht. Aber er stellte sich wenigstens für ein Gruppenfoto zur Verfügung. (Sie haben Mut, sich mit dem da in der Öffentlichkeit zu zeigen, Herr Rothe. Danke, d. Red.)
Nun waren wir bereits drei Stunden auf einem Schützenplatz, und das ist selbst für den Hart-gesottenen mit der Note "Respekt" zu bewerten. Also entschlossen wir uns, den Abend in unserem Stammlokal "Alt Hamm" sanft ausklingen zu lassen. Vielleicht werde ich noch ein zweites Schützenfest in diesem Jahr besuchen, schau´n wir mal . . . (Hh.)