Die Hand am Ohr
Die großen Sommer
Von André Schörnig


Vielerorts ist momentan der Unmut über unseren schlechten Sommer zu hören. Dem, lieber Leser, kann ich nur zustimmen. Ich blicke hinaus aus meinem Pent-housefenster und sehe ei-nen tief, mit grauen Wolken verschleierten, Unheil verkündenden, bösen Himmel. Immer tiefer grabe ich mich in mein Lammfell ein, doch es scheint, dass nicht einmal meine Hüttenschuhe der herein ziehenden Kälte die Stirn bieten können. Oft wundere ich mich, dass ich das Rauchen wieder angefangen habe, doch dann stelle ich plötzlich fest, dass es nur mein Atem ist, der sich in weißen tanzenden Wölkchen niederschlägt.
Niedergeschlagen, das bin auch ich. Wartend verharrte ich einen Winter lang in froher Erwar-tung. Frohe Erwartung für einen Sommer...ja, wie Rudi Carrell schon sang, ein Sommer wie er früher einmal war.
Wartend verharre ich jetzt in meiner Wohnung, doch kein Sonnenstrahl erbarmt sich meiner ausgekühlten Seele und küsst sie heiß und innig. Allenfalls ist manchmal ein Wangenkuss für mich dabei. Doch wo sind jetzt meine Tempos. Das Niesen kommt wieder...
So kann ich nur mit Goethe antworten, der das geflügelte Wort des "verschissenen Kack-Sommers" ersann, oder war es Lotto King Karl? Kann nicht mehr klar denken.
Jeder Mensch weiß, dass alles Gute auf der Welt nur bei Wärme, bei warmem Wetter entstehen kann, dass die Sonne benötigt wird, und nicht diese ewige Wölkerei am Himmel.
Jeder Mensch weiß, dass selbst die Erde aus Hitze entstand und alles Leben dort ist wo Wärme, wo Sonne ist. Das männliche Genital ist der wärmste Ort am Manne, dort wo das neue Leben steckt.
Die Glühbirne wurde an einem Tag erfunden, als es sechsunddreißig Grad im Schatten war. Berühmt ist Edisons Ausspruch: "Bei diesem Wetter transpiriert mein Körper zu 97%, mit mehr als drei Prozent Inspiration hätte ich gleich die Energiesparlampe erfunden."
"Heureka" schrie Albert Einstein aus seinem Zimmer, als es auf der Straße 32° im Schatten hatte, und Bach wurde bei schönstem Wetter taub, und schrieb wie wir alle wissen danach seine besten Stücke.
Beide großen Kriege wurden bei miesem Wetter begonnen, aber bei schönstem Sonnenschein beendet. Zufall? Wohl kaum...Jeder kennt Kennedys große Rede: "Ich bin ein Berliner!" - Ein sonniger Nachmittag! Helmut Kohls Antrittsrede als Bundeskanzler. - Drei Tage Regen.
Ich glaube ich werde verrückt. Ich habe noch mehr Beweise für meine Theorie, macht euch auf etwas gefasst.
Wann war hier der letzte gute Sommer? Der letzte richtig gute Sommer? Na? 1989, richtig. Und was passierte da? Es war das Jahr der Montagsdemonstrationen, des Mauerfalls. Seitdem haben die Ossis doch nichts mehr hin bekommen. Das liegt aber nicht an denen, das liegt am scheiß Wetter.
Überlegt doch mal, Leute. Früher war schönes Wetter, da gab es noch so geniale Leute wie Otto Waalkes, den Herzchirurgen Bernard, Liselotte Pulver, Helmut Schmidt. Hape Kerkeling war glaube ich der letzte. Der letzte Held, im letzten guten Sommer. Danach gab es nur noch Idioten und schlechte Nachrichten: Karsten Speck, Raider hieß plötzlich Twix, Hans Rosenthal ist ge-storben, Derick wurde abgesetzt und und und. Und es wird immer schlimmer. Allein in diesem Jahr bescherte uns das schlechte Wetter schon Erika Zindler, Zlatko und Jürgen und die ge-schminkte Angela Merkel in einer Führungsposition.
Das kann beim besten Willen kein Zufall sein, so viel steht fest.
Ich flehe Euch an, liebe Leser, kauft Euch Höhensonnen, geht ins Solarium, fahrt in den Süden, sonst kommen die Idioten und überrollen uns komplett. Petrus habe ein Einsehen...