Reisen mit Willi


WENNINGSTEDT / SYLT


Ein (leider viel zu kurzer) Bericht von Ulrich Holesch (Fotos: Arnd Caspary)
Wie man weiß, gilt Sylt als die Insel der Schönen und Reichen, wir sind aber trotzdem hingefah-ren, denn Vorurteile lassen wir nicht gelten. Am Samstagmorgen um 4.15 Uhr sind wir aus Hamm losgefahren und waren viereinhalb Stunden später in Niebüll, wo der Autozug am Hin-denburgdamm schon auf uns wartete. Eine Dreiviertelstunde später rollten wir in Westerland, dem größten und belebtesten Ort der Insel vom Zug und nach zehn Minuten standen wir vor unserem Haus in Wenningstedt. Das liegt genau zwischen Westerland und Kampen. Wir hatten großes Glück mit unserer Unterkunft; zwei Schlafzimmer, zwei Wohnzimmer, Bad, eine ?Ein-Personen-Küche?, Garage und ein riesiger Garten mit Grill und Gartenhäuschen für 220,- DM pro Tag, nicht schlecht. Das Wetter war super, wir waren überhaupt nicht müde von der Fahrt, der Urlaub konnte also beginnen.
Zuerst erkundeten wir die Gegend, der Bäcker lag drei Minuten entfernt, Restaurants an jeder Ecke und der Strand war in fünf Minuten zu erreichen. Heute gab es auch gleich ein großes Harley-Davidson-Treffen mit 300 Maschinen, mit Bierstand, Grill und Live-Musik. Übrigens sind allein auf Sylt 175 Harley´s zugelassen. Nachmittags ging´s dann in Richtung List, der nördlich-ste Ort der Insel. Dort war großes Hafenfest bei ?Gosch?, dem Fischimbiss-Lokal auf Sylt (neben Fisch Blum). Gosch ist überall! Und lecker.
Am ersten Tag haben wir dann gleich alle unsere Freunde angerufen, ihnen erzählt wie gut es uns geht und ihnen viel Spaß bei der Arbeit gewünscht, danach einen Spaziergang am Strand unternommen und abends gegrillt. Bei einem Kasten Flensburger-Pils wurden nun die ersten Pläne für die bevorstehenden zwei Wochen geschmiedet.
Am nächsten Morgen verließen wir bereits um 8.30 Uhr (!) die Federn und nach einem ausgiebi-gen Frühstück zogen wir los zum Hundestrand, denn unser vierter Mitreisender war ein haariger Geselle mit vier Beinen. Und gleich am zweiten Tag haben wir das Lokal gefunden, welches schnell zu unserem Lieblings- und Stammlokal werden sollte, ?Wonnemeyer?, am Strand Nr. 1 in Wenningstedt. Das Lokal, korrekt Strandkiosk, ist direkt am Strand an die Dünen gebaut, auf kräftigen hölzernen Säulen soll es den alljährlichen Sturmfluten trotzen. Dort setzten wir uns auf die riesige Terrasse, tranken Schampus, deutschen Wein, das herrliche Flensburger von Fass, aßen Hummer, gegrillten Rotbarsch, manchmal auch die leckersten Fritten oder kleine Rost-bratwürste. Wir waren sicherlich zehn mal bei ?Wonnemeyer? zu Gast. Ein unbedingtes Muss für jeden Sylt-Urlauber!
Ein weiterer gesellschaftlicher Höhepunkt in Wenningstedt ist ein Besuch im ?Kliffkieker?, einem sogenannten Prominentenlokal am Ende der Strandstraße, hinten rechts. Hinten links ist Gosch) Der ?Kliffkieker? liegt schon gefährlich nahe an der Abbruchkante, eine Superflut noch, und weg ist er, was außergewöhnlich schade wäre, denn man kann
dort auch sehr gut Essen. Da sind wir übrigens auch das erste Mal versackt ... !
Am nächsten Tag sind wir dann nach Westerland gefahren. Da herrscht die Fußgängerzone vor, mit unzähligen Restaurants, Kneipen, Boutiquen, Cafés, Galerien und Souvenirläden. Wir sind an diesem Tage sehr viel Geld losgeworden. Auf keinen Fall unerwähnt bleiben darf aber auch das Lokal ?Strand-Bodega? an der Berthin-Bleeg-Straße, ebenfalls am Strand von Wen-ningstedt gelegen. Hier gibt es gute alte Hausmannskost wie Schnitzel, Frikadellen mit Rotkohl, Rotbarschfilet mit Bratkartoffeln, göttliche frische Matjesheringe, Bratwurst und vieles mehr. Zum Abschluss kredenzte der Wirt immer noch einen ?Jubi?, was stets der Anfang von Ende war, denn auf einem Bein steht heutzutage niemand mehr.
Natürlich kommt der Sylturlauber auch an der ?Kupferkanne? nicht vorbei. In Kampen liegt das Cafe-Restaurant, halb unter der Erde gebaut, in einem ehemaligen Bunker und von einem be-kannten Sylter Künstler entworfen. Es zu beschreiben würde diesen Willi ausfüllen, also lassen wir es. Aber soviel muss sein, hier gibt es Kaffee´s, Tee´s und selbstgebackenen Kuchen der Superlative!!!
Dann ließ das Wetter nach... ! Die Strandparty zum längsten Tag des Jahres bei ?Wonnemeyer? viel ins Wasser, Badewetter gab es ab nun nicht mehr, trotzdem haben wir das Beste aus der Zeit gemacht, was sonst.
Mein Herausgeber droht schon wieder mit Entzug der Zuneigung, deshalb muß ich leider schlie-ßen, obwohl ich noch viel zu berichten hätte. Nur soviel noch; auf Sylt herrscht eine bittere Not und Armut, man wird quasi zum Helfen gezwungen. Wir taten das, indem wir viel Geld dort lie-ßen, damit die Kinder in Kampen nicht auf der Straße nach Joop-Pullovern oder Cartier-Uhren betteln müssen. Und schließlich müssen die Mercedes´, Porsche´s, Jaguar´s, BMW´s, Ferrari´s und Rolls Royce´ (Rangfolge) auch irgendwie finanziert werden. Und gerade deshalb fahr ich bestimmt wieder hin. (Hh.)