Die Welt stellt aus, und ich konsumiere -
Eine Anpreisung der Expo
Selten wurde über ein Event soviel Häme ausgeschüttet wie über die diesjährige Weltausstellung in Hannover. Warum? Weil Millionen an Steuergeldern aus unserer Tasche vielleicht zur Finanzierung genutzt werden müssten? Aber ich sage: Recht so!!!!. Denn ich war da, hab die unglaubliche Vielfältigkeit unseres Planeten genossen, die wahnsinnigen Facetten der Kulturen in mich eingesogen, und komme jetzt, ca. einen Monat später, immer noch nicht aus dem Staunen heraus. Und auch ihr habt noch bis zum 31. Oktober Zeit, die Welt zu erleben, in bhutanischen Tempeln zu wandern, koreanische Tänze zu sehen oder im deutschen Pavillon zu gähnen. Es ist schier unbeschreiblich, was dem geneigten Besucher auf dem riesigem Areal alles vor die Augen gesetzt wird. Die Bauten der einzelnen Pavillons sind jeder für sich architektonische Meisterwerke, Kunst fürs Auge und fürs Hirn, ein Disneyland für alte Kinder.
Aber alles von vorn. Als wir morgens um 9 Uhr das Gelände der EXPO erreichten, war es noch angenehm kühl, und wir hatten noch keine Ahnung, wo wir zuerst staunen sollten. Nachdem wir festgestellt hatten, dass alles sowieso nicht an einem Tag zu schaffen sei, fingen wir einfach mal bei Kanada an.
Professionelle Anpreisung, gepaart mit einer Spur Interaktivität wurde uns hier geboten. Eine schöne Show aus Licht und Wasser gab uns Lust auf mehr.
Danach ging es in die Karibik-Mittelamerika-Halle, wo es natürlich allerhand karibisches gab. Ob man nun in alten Ölfässern Reggae hören wollte, oder in den Vogelhütten der Eingeborenen den Lauten des Federviehs lauschen wollte, das war karibisches Feeling, durch und durch. Doch am eindrucksvollsten war für mich der Stand des Landes Honduras. Die ratzeputz leeren Regale, ließen den Gedanken an ein langweiliges Land aufkommen. Das nicht anwesende Personal tat Ihr übriges.
Ab nach Sri Lanka, schöne Statuen, kleidsame Laken, und ein kleiner Tempel luden zum Staunen ein. In Korea dann die schönste Darbietung: eine Mischung zwischen Kino und Kultur des Landes, gespickt mit der Aussage, dass alles vom TÜV abgenommen sei.
Der Japanische Pavillon bestach durch seine Papierkunst, der Beitrag aus Portugal durch seine Schlichtheit. Im indischen Teil wurde ich überredet eine Statue des mächtigen Elefantengottes Ganesh zu erwerben (wollte ich sowieso).
Überhaupt hätte ich so ca. 10000,- Mark benötigt, um mich mit allerlei Klunker einzudecken und wer hat schon Tücher aus dem Yemen? Im Wüstenschloss der Vereinigten Arabischen Emirate roch es süßlich, und man konnte sich Wasserpfeifen ausleihen, um unter Leinentüchern den lieben Gott einen guten Mann sein zu lassen.
China baute auf seinen Staudamm. Die Menschenrechte? Ja mein Gott, für alles ist halt kein Platz. In Rumänien waren Statuen von Eseln, die auf dem Kopf saßen, und Litauen bestach durch supersüße Reiseführerinnen und einem Flug über ihr traumhaftes Land, mit dem Hinweis auf Kotztüten an Bord. An Frankreich kann ich mich gar nicht mehr erinnern, aber dass Dänemark nicht auf die Wikinger und auf D-A-D eingegangen sind fand ich ganz schön bescheuert.
Italien bestach durch außerordentliche Bauweise und schicke Maseratis, Ungarn bot uns ein Meisterwerk aus Holz.
Ich könnte noch stundenlang schweifen, von holländischen Hochgärten von den umweltpolitischen Bauten des Dualen Systems, von Australischen Unterwasseransichten, und von alledem, was ich leider nicht sehen konnte, denn nach 14 Stunden rennt man einfach nur das Gelände ab, um wenigstens sagen zu können, dass man dort war. Aber trotzdem, es lohnt sich wirklich und wer nicht dort war, der tut mir leid und ist ein armer Irrer. In diesem Sinne, A.P.a.M.