Psycho-Test

Mein Gatte schlägt mich, soll ich ihn verlassen?

Eine psychologische Leserbegattung von Dr. Sonja-Renate Rüpelhof-Lammkoether

Liebe Frau Sonntags-Rennkante,

vor dreizehn Jahren habe ich, gerade von einem entfernten Verwandten schwanger geworden, meinen langjährigen Freund Detlef geheiratet. Es war eine echte Liebesheirat, denn schon im Sandkasten hatten wir damals immer Vatter und Mutta gespielt. Ich habe ihm immer einen Sandkuchen gebacken, den er essen musste um mich nicht zu kränken, und er hat mich dann immer verkloppt. Wir sind heute beide 32 Jahre alt und leben in einer kleinen Wohnung im Hammer Norden. Detlef ist von Beruf arbeitslos und er leidet sehr darunter, den halben Tag in der Kneipe auf Arbeit zu warten, die ja doch nie kommt. Trotzdem klagen wir nie, denn ich habe einen Job bei einem Gebäudereinigungsunternehmen und verdiene 13,- DM die Stunde. Detti ist ein liebevoller Ehemann und ein guter Vater gegen meinen Sohn Ritschi. Er kann gut kochen und holt auch immer die Kohlen aus dem Keller, repariert alles und isst immer seinen Teller auf. (Ich meine natürlich meinen Ritschi). Nun werden Sie, liebe Frau Pyschologin, mich fragen wollen, was belästigt mich die Alte, die ist doch glücklich. Stimmt, Frau Dingens, es gibt nur einen Haken an der Sache: Mein Detlef verkloppt mich immer. Das heißt, nicht immer, meistens ist er lieb. Nur, wenn er Mundspray gegen seine Schnapsfahne benutzt, dann wird er wild und verprügelt mich. Er kann gar nichts dafür, denn dieses Spray ergibt zusammen mit dem Schnaps eine bestimmte chemische Verbindung, die bewirkt, daß in Detlef´s Gehirn die graue Zelle verrückt spielt, sagt er. Dann kann er nicht anders und haut mir auch schon mal ein blaues Auge, oder zwei. Es tut ihm am nächsten Morgen auch sofort wieder leid und als Entschuldigung schläft er dann mit mir bevor er einschläft. Manchmal sogar sofort nach dem Verkloppen. Ich habe für sein Problem das allergrößte Verständnis, denn er ist nun mal das Opfer seines Gehirnes. Was kann er dafür, wenn sein Spray, das ihm ja der Arzt verschrieben hat, wie er sagt, in seinem Kopf so schlimme Dinge auslöst. Trotzdem ist es mir nicht recht, wenn er zuschlägt. Zu Hause habe ich ja nichts dagegen, da sieht es ja niemand. Aber wenn wir ausgehen, oder mal zum Einkaufen sind, da habe ich das nicht so gerne. Was sollen denn die Leute von Detti denken. Kürzlich waren wir in der Stadt, um für meinen Gemahl neue Unterbuxen zu kaufen. Er trägt immer diese weißen, mit dem Riffelmuster. Detlef mag die zwar nicht, weil man da drin immer alles sieht, aber ich finde sie halt chic. Also bin ich nach Ter Veen und hab´ meinen Gatten vorher im Kipp´n Inn abgeliefert, damit er mir beim Einkauf nicht immer dazwischenquatscht. Ich habe ihm dann eine neue Unterhose gekauft und mir ein neues Kleid, einen Wintermantel, zwei Paar Schuhe und ein neues Topfset für die Küche. Danach habe ich Detti aus der Kneipe abgeholt, das heißt, ich wollte. Er aber nicht. Ein Wort gab das andere, lange Rede, kurzer Sinn - er hat mir eine geschossen. Mitten auf die Nase. Am nächsten Tag wollten wir uns einmal das neue türkische Kaufhaus "Yimpas" anschauen. Die haben ja so schöne Möbel und wir brauchten sowieso eine neue Nagelschere für die Fußnägel. Beschneidungswerkzeuge soll es dort ja auch geben. Ich wollte ein bisschen bummeln, Detlef sich nur etwas auf einer Couch ausruhen, denn es war letzte Nacht wieder sehr spät geworden. Ein Wort gab das andere - Peng. Ein Schlag in die Magengrube, einen aufs Ohr und ein rechter Haken unter´s Kinn. Ich ging zu Boden und wachte erst zu Hause in unserem Bett unter meinem Mann wieder auf. Und das, liebe Frau Lammkoether, das ging mir doch etwas zu weit. Bei allem Verständnis für seine schwierige Situation. Mir war nämlich aufgefallen, dass er beide Male kein Mundspray benutzt hatte. Sollte das etwa nur eine blöde Ausrede gewesen sein? Er verprügelt mich nun seit dreizehn Jahren regelmäßig, ich habe ja im Grunde nichts dagegen. So ist nun mal die Ehe. Aber dass er mich all die Zeit ohne Grund verkloppt haben soll, dieser Gedanke lässt mich in letzter Zeit häufig an Trennung denken. Was soll ich tun?

Rita Salzig, Hamm

Liebe Frau Salzig,

"Die Ehe ist ein garstig´ Ding, das weiß ich zu berichten, wer einst als Jüngling Feuer fing, bereit sich zu verpflichten, ist oft im Alter klug geworden, beschloss die Gattin zu ermorden".

Schon der alte Geheimrat Goethe wußte, wovon er dichtete. Und bis heute hat sich nicht viel geändert. Die Frau ist nun mal dem Gatten untertan, das sollten Sie sich immer wieder vor Augen führen, wenn Ihr Gemahl seinem Trieb nachzugeben gezwungen wird. Er kann nichts dafür. Männer sind so, damit müssen Sie sich nun mal abfinden. Wenn Sie das nicht können, müssen Sie sich etwas ausdenken. Vielleicht, frei nach Wilhelm Busch: "Heißa, sprach Frau Sauerbrot, heißa, mein Gemahl ist tot . . !"

Herzlichst, Ihre Reni