Live im "Anno 1888"
THE LANCE KELTNER BAND
Bombastischer Sound aus Austin/Texas
Bestimmt schon zehn Mal bin ich ins Soester "Anno" gefahren, um mir die dort immer wieder auftretenden Top-Bands anzuhören, aber diesmal, am 6. September, haben wir uns das erste Mal nicht verfahren. Man lernt ja. Und auch diesmal hat sich die Fahrt nach Soest gelohnt, denn die LANCE KELTNER BAND aus Austin/Texas gab sich die Ehre. Lance Keltner, ein junger Gitarrist, Sänger und Songschreiber aus dem "Bayern" der USA bediente sein Publikum mit feinstem Southern-Rock, sehr druckvoll, sehr melodiös und - sehr laut!
Pünktlich um 20.30 Uhr betrat Lance Keltner mit seinen vier Musikern, Billy (Guit.), Michael (Bass), Phillip (Keyb.) und Brian (Drums) die Bühne des "Anno" und legte sich sofort in die Vollen. Mit seiner Gibson "Les Paul" holte er einen geilen Sound aus seiner Anlage, dem seine Mitmusiker mit ihren Instrumenten allerdings in nichts nachstanden, allen voran Billy, sein zweiter Gitarrist. Der hatte Foto: S. Tölle
drei Telecaster-Modelle hinter sich stehen, die alle unterschiedlich gestimmt waren. Er wechselte ständig, was den Sound natürlich entsprechend abwechslungsreich gestaltete. Der erste Song war ein typischer Southern-Rock, dem sich ein kraftvoller Power-Blues anschloss. Hier hatte der Keyboarder die erste Chance, sein Können mit einem herrlichen Orgelsolo im Sound einer "Hammond" unter Beweis zu stellen. Nicht das letzte Mal übrigens. Tragende Instrumente des Gesamtsounds waren natürlich, wie bei allen guten Bands, Bass und Schlagzeug, die die Kneipe erbeben ließen. Fast so laut wie Steve Schuffert im Hoppe Garden und fast so perfekt. Ein schneller Rock´n Roll schloss sich an und eine tolle Version von "Not Fade Away" ließ die Zuschauer endgültig aus dem Häuschen geraten. Lance Keltner, am Anfang des Sets scheinbar noch etwas gelangweilt, er war wohl mit dem Monitorsound nicht ganz zufrieden, taute zusehends auf und begeisterte sein Pub-likum nun mit seiner Slide-Guitar, die er ebenso perfekt beherrschte, wie seine "Normale". Doch immer wieder konnte auch sein Gitarren-Kollege den Zuschauern beweisen, dass er ebenso zu den Guten seiner Zunft gehört. Innerhalb seiner Soli ließ er kurz das Thema von "Pippi Langstrumpf" ertönen, um in einen Wahnsinns-Boogie einzusteigen, dann noch ein bisschen Southern Rock ("Pocket Full Money") und der Klassiker "Wild Thing", der in die 15-minütige Pause mündete.
Das zweite Set erwies sich als ebenso abwechslungsreich wie das erste. Rock´n Roll, Blues, sogar Country und einige sehr schöne Balladen zeichneten Lance Keltner, der in zwei herrlichen Schlangenlederstiefeln auf der Bühne stand, als hervorragenden Komponisten und Sänger aus. Übrigens trank er, wie seine Mitmusiker auch, den ganzen Abend nur Wasser. Sogar seine Slide-Guitar spielte er einmal mit einer Flasche "Clausthaler" anstelle eines Metallröhrchens . . ! Nette Episode am Rande: Der Drummer vergeigte bei einem Song den Schluss, so wie das Drummer nun mal zu tun pflegen. (Na na! d. Red.) Lance drehte sich zu ihm um und hielt ihm eine Strafpredigt, die er mit einem verlegenen Lächeln über sich ergehen ließ. Doch das tat der Stimmung keinen Abbruch - sechs (6) Zugaben sind der beste Beweis dafür. Leider haben nur etwa 100 Zuschauer dieses hervorragende Konzert miterleben wollen. Alle anderen haben etwas verpasst. (Hh.)