Dunkle Gestalten im Hoppe Garden
THE WITCHING HOUR
Vier Bands verhexten das Publikum
Die Bühne in rotes und blaues Licht getaucht, künstliche Spinnweben sorgsam verteilt, wofür Spinnen für gewöhnlich ein gerüttelt Maß an Lebenszeit aufwenden müssen, dichter Nebel, Herbstlaub auf Boxen und Bühnenboden und dunkel gekleidetes Publikum mit seltsamen Frisuren und blassem Teint. Das erwartete den Besucher zur "Witching Hour" am Samstag, den 21. Oktober im HoppeGarden der Kulturwerkstatt. Und vier Bands sollten hierzu die passende Musik liefern: SPARK ´N BOW, VIOLET, gleichzeitig Organisatoren des Abends, THE ESCAPE und THE HOUSE OF USHER.
Spark ´n Bow hatten die normalerweise undankbare Aufgabe den Abend um 21.00 Uhr zu eröffnen, aber da das Publikum bereits um 20.00 Uhr in den HoppeGarden strömte und zwar sehr zahlreich, hatte es die Band nicht sehr schwer, Gehör zu finden. Mit einem grollenden Intro, von Nebelschwaden umhüllt betraten die fünf Musiker/innen die Bühne und boten mit Gitarre, Bass, Drums, Violine und Stimmen einen Querschnitt durch schottisch/irisch/keltisch angehauchtes Liedgut. Die E-Gitarre klanglich weit hinter der Bühne, die Geige manchmal "sehr gewagt" und hart an der Grenze zum Nerven. Als dann die Akustik-Gitarre ins Spiel kam, wurde der Sound besser und man konnte sich auf das Wesentliche, die Musik, konzentrieren. Nach einer knappen Stunde war Schluss, der Umbau für die zweite Band des Abends erforderte etwa 20 Minuten. Violet sind in Hamm inzwischen keine Unbekannten mehr und mit ihrer mittelalterlich inspirierten Musik entführten sie das Publikum in frühere Zeiten, die mit Pest, Hexenverbrennung und Syphilis zu den sogenannten "guten, alten Zeiten" gehören. (Du verwechselst da etwas..., d. Red.) Die Musikrichtung der Hammer Band ist schwer einzuordnen, Minne-Rock, (nicht zu verwechseln mit Mini-Rock) oder Vogelweiden-Folk (nach dem gleichnamigen Walther)? Ich weiß nicht, jedenfalls dominierte nach Dudelsack und Hackbrett in erster Linie die klare Stimme von Sängerin Bianca. Durchaus beeindruckend. Auch dieser Auftritt musste nach einer knappen Stunde enden, denn der Abend war noch lang.
The Escape betraten um 23.25 die Bühne, in schwarzem Leder, der Sänger mit schwarzem Lederhut (in Filmen ist das immer der Böse) mit "Gibson Les-Paul" und zwei Keyboards. Der Sound war Klasse, die Performance sehr professionell. Schlagzeug und Bass kamen vom Sampler, das läßt natürlich vermuten, daß auch andere Töne nicht live waren, denn dass drei Musiker eine derartige Klangbreite hervorbringen können, ist zumindest erstaunlich...!
Gegen 1.00 Uhr schlichen sich schließlich, umhüllt von dichtem Nebel, begleitet von unheimlichen Klängen, nur sehr spärlich beleuchtet, The House Of Usher auf die Bühne. Unweigerlich sah ich vor meinem geistigen Auge den ollen Edgar Allen Poe auf der Box sitzen, der hatte sicherlich seine Freude an der morbiden Show der vier Musiker. Die Frisur des Sängers erinnerte ein Wenig an "Woody Woodpaker", was der Szene etwas an Düsternis nahm, die Musik allerdings hätte selbst dem unter schweren Depressionen leidenden und dem Irrsinn zugewandtem Verfasser der "Usher-Story" Poe den letzten Rest gegeben, was ich durchaus positiv meine. Die Stimme des Sängers gönne ich Charly Manson auf seiner Beerdigung. Ob aber, außer eben dieser Stimme, noch etwas von der Band live gespielt wurde, möchte ich hier nicht beurteilen müssen. Soll mir auch Wurscht sein, gut war es allemal.
Etwa hundertfünfundsiebzig Zuschauer haben die "Witching Hour" zu einem netten Erfolg gemacht, was die Veranstalter zu einer Wiederholung im nächsten Jahr animiert hat. Aber dann zu Halloween! (Hh.)