Lindenbrauerei in Unna:
MICK TAYLOR ALL STAR BAND
Ex-Rolling Stone wollte nicht so richtig rollen.
Schon als 17jähriger habe ich den, damals wie heute, gleichaltrigen Gitarristen Mick Taylor bewundert. Er spielte zu der Zeit in John Mayall´s Bluesbreakers eine wundervolle weiche und flüssige Gitarre. Und auch in den sechs Jahren seiner Tätigkeit bei den Rolling Stones wertete er die Musik der "härtesten Rock´n Roll-Band" der Welt durch sein unnachahmliches Gitarrenspiel ungemein auf. Ich erinnere nur an das Solo von "Sympathie For The Devil" oder "The Midnight Rambler". Und dieser Mann war nun zu Gast in der "Lindenbrauerei" in Unna, ein absolutes Muss für jeden Bluesfan.
Also nix wie hin. Das dachten an diesem Donnerstag noch weitere 500 Zuschauer und so war der Saal des Unnaer Veranstaltungshauses recht gut gefüllt. Um punkt 21.00 Uhr betrat der etwas füllig gewordene Musiker mit den "Waigel-Augenbrauen" und seinen "All-Stars" die Bühne und begann mit einem langsamen Song in schwebendem Moll sein Konzert. Sehr souverän, sehr sauber, mit einem glasklaren Sound bewies Mick Taylor, dass er, spielerisch gesehen, nichts verlernt hat in all den Jahren nach den Stones. Die Songs waren allesamt sehr lang, was natürlich ausgiebige Solo-Passagen des Frontmannes ermöglichte. Die Mit-Musiker wurden hierdurch allerdings äußerst unverdient zu reinen Statisten degradiert. Erst, als dem Meister eine Gitarrensaite riss, durfte Robert Ahwai, der zweite Gitarrist, ebenfalls ein Solo spielen. Und das war sehr beeindruckend, so dass es sicherlich für das Konzert eine Aufwertung bedeutet hätte, wäre Taylor öfters eine Saite gerissen. Max Middelton erhielt auch nochmal die Gelegenheit, durch eine längere Solopassage sein Können am Keyboard unter Beweis zu stellen, während Jeff Allen ein Drum-Solo lieferte, wie man es schon allzu oft hören konnte. Michael Bailey am Bass hielt sich meist im Hintergrund und trat nur hin und wieder ans Mikro, um Mick Taylor bei seinem Gesang zu unterstützen. Ich hatte echt den Eindruck, dass die Musiker, allen voran Mick Taylor, der manch-mal richtig ungehalten wirkte, einfach keinen Bock hatten, ein mitreißendes Konzert zu geben. Sicherlich, es war musikalisch fast tadellos, aber der letzte Kick, der mich veranlasst hätte den Bühnenrand nicht zu verlassen, der blieb aus. So hielt ich mich, übrigens mit vielen anderen Zuschauern auch, an der Theke fest und verfolgte das Spielchen von dort aus. Nur mit Mühe konnte das Publikum Mick Taylor schließlich zu einer Zugabe überreden, die er so lustlos gewährte, dass die Zuschauer eine zweite gar nicht mehr forderten. Trotzdem, diesen schönen warmen Ton hat er immer noch . . ! (Hh.)