Im Gespräch

 

"Gallien in Hamm" oder "Warum Asterix und Obelix gut nach Weetfeld passen würden"

Wer kennt es nicht, dieses kleine unbeugsame Dorf, das allen Eroberungbemühungen der Römer erfolgreich Widerstand leistete?

Weetfeld damit gleich zu setzen, wäre sicherlich mehr als übertrieben, auch wenn vorhistorische Funde von früher Besiedlung und offensichtlicher Attraktivität dieser Gegend zeugen, doch ist nicht einmal gesichert, dass jeder Hammer Einwohner auch weiß, wo Weetfeld überhaupt liegt. Aber gehört, ja gehört und vielleicht gelesen hat man in letzter Zeit von diesem Dorf am südlichen Stadtrand von Hamm, zwischen Wiescherhöfen und der A 2 gelegen. Soll dort nicht das bisher größte Industriegebiet auf Hammer Boden entstehen, und gibt es da nicht Leute, die sich dieser besonderen Form der Eroberung widersetzen?Nun haben sich, wie wir wissen, die Zeiten seit Asterix und Obelix gründlich geändert. Auch die Weetfelder Chronik enthält keine Rezepte mehr für Zaubertrank mit dem sich Eindringlinge auf höchst amüsante Weise vertreiben lassen. Fakt ist aber, dass wir es mit Weetfeld mit einem Ortsteil zu tun haben, der in seiner Existenz bedroht ist. Über die Hälfte der Fläche, das sind ca. 280 ha Land, sind als Planungsbereich für ein Gewerbe- und Industriegebiet mit uneingeschränkter Nutzung ausgewiesen. Erste Studien sind in Auftrag gegeben, der Entwurf des Landschaftsplanes Süd "opfert" das Gebiet anstatt sich, dem Gesetz entsprechend, für den Erhalt und Ausbau der Landschaft einzusetzen. In Ermangelung eines Zaubertrankes haben Bürgerinnen und Bürger ihre Kräfte in einem Verein, der "Bürgergemeinschaft gegen die Zerstörung der Weetfelder Landschaft e.V." zusammengefasst.

Die Auseinandersetzung mit dem Thema Industriegebiet hat nicht nur planungsrechtlich sehr bedenkliche Vorgehensweisen der Stadt Hamm erkennen lassen, sie hat auch die Gesamtbedeutung eines solchen Projektes auf bislang industriell unberührten Flächen mehr als fragwürdig erscheinen lassen. Natürlich müssen neue Arbeitsplätze geschaffen werden, nur ist es völlig irreführend zu behaupten, dass für Arbeitsplätze immer "unberührte" Natur geopfert werden muss. Eigentlich verbietet sich ein solcher Raubbau in Zeiten, in denen allerorten von Nachhaltigkeit gesprochen wird, von selbst. Seit über einem Jahr arbeiten wir daran, der Öffentlichkeit, der Verwaltung und den politisch Verantwortlichen unsere Positionen darzustellen. Oft begegnet uns das Wort vom Hobbypolitiker, der allein nicht mehr dazu in der Lage ist, die Komplexität aller zu treffenden Entscheidungen zu überschauen. Veranstaltungen, Begehungen, Einzelgespräche, Pressearbeit, Kontakte mit überörtlichen Behörden und Ministerien, eigene Kar-tierungen durch die Bürger-gemeinschaft und vieles mehr sind die Mittel, mit denen wir zum Umdenken beitragen und Weetfeld erhalten wollen.

So entstand auch der Gedanke, den Bundestagsabgeordneten Dieter Wiefelspütz nach Weetfeld einzuladen. Anlässlich des Kunstprojektes "Der Bevölkerung" im Reichstagsgebäude nahm er Erde aus Weetfeld mit nach Berlin. So wie die Erde in diesem Projekt aus ganz Deutschland kommt, so wollten wir verdeutlichen, dass gerade auch solche Initiativen wie die Bürgergemeinschaft unverzichtbarer Bestandteil unserer Demokratie sind und zum Gesamtbild gehören.

Wer nun neugierig geworden ist und etwas mehr über das "unbeugsame" Dorf im Süden der Stadt erfahren möchte, kann sich unter folgenden Telefonnummern informieren lassen: 02383/58257 oder 02383/4941 o. 02381/400074

Bürgergemeinschaft gegen die Zerstörung der Weetfelder Landschaft e.V. Weetfelderstr. 210, 59077 Hamm