Krimi

Wohl bekommt’s, Parker

von André Schörnig

"...und da sagt die Nonne noch zum Kellner:" Hab ich doch gesagt, ein Schweinepriester!!" Hören Sie, A., ein Schweinepriester, ich kann nicht mehr." Parker klopfte heftig auf Dr. Wunders Schenkel, weil er es bei sich selber nicht haben konnte. Dr. Wunder kreischte vor Lachen:" Ich halt’s nicht mehr aus, ich glaub ich STERBE!"

Detektive Parker wurde bleich, seine Mine verfinsterte sich, ein Gewitter brach herein. "Wie unbesonnen müssen Sie sein, A., wenn Sie so etwas sagen. Und das gerade kurz nachdem Lord Hasscess gestorben ist." Beschwichtigend blickte der Detektive nun zu der Dame in Schwarz, die auch die ganze Zeit am Tisch gesessen hatte und herzzerreißend weinte, er tätschelte sie sanft am Knie und legte dann seine Hand dort ab.

"Entschuldigen Sie Lady, der Doktor ist manchmal so taktlos...aber ich finde es sehr nett, dass Sie uns zum Weihnachtsdinner eingeladen haben!" Parker griff sich eine Schüssel und nahm sich weitere fünfzehn Kartoffeln. "Die Soße ist alle..."

"Aber ich habe Sie doch gar nicht eingeladen..." Die junge Dame brachte die Worte nur schwierig heraus, wie eine Frau eben, die heult.

"Die Schnitzel sind erstklassig, Lady!" Dr. Wunder griff sich drei weitere ohne die Fleischgabel zu bemühen. "Zugegeben, Ihr Mann hat uns eingeladen, aber es konnte ja keiner ahnen, dass er gerade heute das Zeitliche segnet. Und ich verspreche ihnen, ich werde ihn heute noch obduzieren, um herauszufinden woran er gestorben ist. So als kleines Weihnachtsgeschenk sozusagen. Wo ist denn der Gute?" Dr. Wunder drehte seinen Kopf in alle Richtungen. "Ah, da vorne am Kamin, ja, da hat er’s schön warm." Er prostete mit seinem Weinglas in des Lords Richtung.

Parker kam gerade aus der Küche zurück getorkelt, aus der er noch etwas Soße geholt hatte.

"Woran ist der alte Schlawiner eigentlich gestorben? Er legte seinen Arm um die Witwe. Schließlich schaffte sie es wieder zu reden: "Ich habe es jetzt doch schon tausend mal gesagt, er ist ermordet worden..." Parker und Dr. Wunder sprangen sofort auf und schrien so gleichzeitig, dass es für einen Synchronschwimmrichter eine glatte 10 gewesen wäre: "Er-mordet, ich habe immer erlordet verstanden und mich schon die ganze Zeit gewundert, was das wohl heißen mag. Dann heißt es handeln...he, Eile ist geboten!" Dr. Wunder sprang auf, griff sich das Hummermesser und ging zur Autopsie. Detektive Parker verhörte die jammernde Witwe: "So, Baby, dann pack mal aus was Du weißt..." "Er hatte sich gerade seine Socken ausgezogen, um sie an den Kamin zu hängen. Bisher hatte ich es nicht übers Herz gebracht Ihm zu erzählen, dass es gar keinen echten Santa Claus gibt. Er war sehr guter Dinge und sang den ganzen Tag, doch dann fand ich ihn plötzlich hier." Sie brach wieder in Tränen aus, und sich noch einen Flügel vom Gänsebraten ab.

"Sehr interessant..." Parker drehte sich zum Dr. um. "Können Sie ungefähr feststellen wann er gestorben ist?"

"Es muß um 5.53 am Nachmittag gewesen sein, zumindest sind alle 12 Uhren in diesem Haus zu dieser Uhrzeit stehen geblieben. Außerdem liegt hier die Weihnachtsbroschüre von Harrods mit dem Titel: "Bei uns wohnt der Weihnachtsmann! Sogar mit Bild."

Die Witwe sprang auf und schrie:" Ja ich gebe es zu, aber ihr kriegt mich nie, NIEMALS!!!" Sie rannte aus dem Zimmer, kam aber sofort wieder, als sie festgestellte, dass sie ja überhaupt keiner beschuldigt hatte.

"Ich weiß genau was passiert ist, der Fall ist gelöst!!!"

Wie kann der Detektive eine so unglaubliche Behauptung äußern?

Antwort:

Der Lord glaubte noch an den Weihnachtsmann, doch dann fand er die Harrodswerbung, in der der angeblich echte Weihnachtsmann abgebildet war, darüber war er so erschrocken, dass er einen Herzinfarkt bekam. Vorher stoppte er noch alle Uhren. Dass sich die Witwe am Schluss selbst beschuldigt hatte, hatte der Detektive nicht mitbekommen, da er gerade die Finger im Ohr hatte. Dr. Wunder vergaß später, jemals etwas gehört zu haben und besuchte die Witwe von nun an jeden Donnerstag.