Psycho-Beratung

Mein Mann ist Angler

Eine psychologische Leserattenbebratung von Dipl.-Psychol. Dr. Sonja - Renate Rüpelhof-Lammkoether

Liebe Frau Ronja-Serenade,

fast jede Ehefrau ist froh, wenn ihr Ehegatte ein Hobby hat. Dann ist der Störenfried aus dem Haus, wenn er gern Spaziergänge macht, kegelt, bergsteigt oder segelt. Oder er ist wenigstens im Keller, falls er eine elektrische Eisenbahn, Reptilien oder Pornohefte bevorzugt. Dann kann die Dame des Hauses in Ruhe ihrem Tagwerk nachgehen und die Wohnung in Ordnung halten, fernsehen oder dem Hausfreund zu Willen sein. Das wäre also durchaus von Vorteil für das geruhsame Zusammenleben zweier Menschen. Aber wenn der Gemahl sich ausgerechnet das Angeln zum Hobby erwählt hat, so wie meiner, dann sieht die Sache schon wieder ganz anders aus. Waren Sie schon mal mit einem leidenschaftlichen Angler verheiratet, liebe Frau? Sicher nicht, dann wären Sie nämlich bereits dort, wo mein Mann eigentlich hingehört: in der Klapsmühle. Nun würde ich mich gar nicht beschweren, wenn mein Dietmar hin und wieder in den Ebert-Park gehen würde um die Fische mit Brot oder Fliegen zu füttern. Wenn dann ein im Leben noch unerfahrener kalter Geselle mal aus Versehen an den Haken geht, kann ich das noch ertragen. Wenn sich mein Gemahl allerdings morgens um 4.00 Uhr lautstark aus dem Bett rollt, um sich bei jedem Wetter an die Lippe zu setzen, bekleidet mit hüftlangen Stiefeln, einer zeltähnlichen Jacke, einem riesigen Südwester, alles in Nato-oliv, und die Nachbarn, die des morgens brav zur Arbeit gehen (Dietmar ist Frührentner), glauben, er geht jetzt auf Große Fahrt, um den Lebensunterhalt für das nächste Halbjahr zu verdienen, dann ist das schon sehr peinlich. Für mich, versteht sich, nicht für meinen Gatten. Der setzt sich auf sein vollbepacktes Fahrrad und radelt, stets ein fröhliches "Petri Heil" auf den Lippen, zum Fluss. Das Dumme ist dazu auch noch, er ist sehr erfolgreich bei seinen Hobby. Fast jeden Tag kommt er mit unzähligen Brassen, Rotaugen, Zander und Aalen nach Hause. Gerade immer dann, wenn ich mit seinem Freund die Tätigkeit ausübe, die er mir seit Jahren schuldig bleibt, weil er immer so früh aufstehen muss. Aber macht er mir dann eine Szene??? Nein, er zeigt seinem Freund ganz stolz seinen Fang und dann fachsimpeln die beiden. Aus lauter Frust hab ich meinem Dietmar kürzlich eine Suppe mit besonderer Einlage vorgesetzt. Sie müssen wissen, er bewahrt seine Köder, meist sind es Maden, stets im Kühlschrank in der Küche auf, in einer großen Schüssel. Ich finde das eklig, habe mich aber überwunden und zwei große Schöpfkellen in die Krabbensuppe getan, die es sonntags schon mal gibt. Er hat sich mit meiner Erklärung, dass es sich um Baby-Krabben handelt, zufrieden gegeben und es sich hörbar schmecken lassen. Ich hab auf der Toilette gekotzt und ihm gesagt, ich hätte meine Tage. Vor ein paar Tagen hat er mich auf die Weihnachtsfeier seines Anglervereines mitgenommen, fand ich ja irgendwie nett. Aber stellen Sie sich vor, da sind nur solche Spinner. In Massen. Wenn sich normale Männer über die Größe ihres Piep-hahnes* unterhalten und das durch entsprechende Handzeichen verdeutlichen, geht es bei den Anglern nur um die Größe ihrer gefangenen Fische. Allerdings wird bei diesem Thema ebenfalls nur gelogen. Seit dieser Weihnachtsfeier habe ich ein nervöses Zucken im Gesicht, das ich nicht mehr loswerde. Was soll ich nur tun?

Hildegunde Fischer, Hamm

 

Liebe Hildegunde,

mir fällt nur eine Lösung ein: Gehen Sie mit Ihrem Gemahl zum Hochseeangeln und verwenden Sie ihn als Hai-Köder.

Herzlichst, Ihre Reni.

 

*Geschlechtsteil - d. Red.