Rückblick
Theater im Ghetto
Die Akteure boten eine beeindruckende Leistung
Das litauische Ghetto Wilna um ca. 1942/43 - Mittelpunkt des Geschehens - ist das Theater, mit deren Hilfe sich der Tod verdrängen aber auch herauszögern lässt. Der SS-Offizier Kittel ist amüsiert über die Theaterleidenschaft der dort noch überlebenden Juden und greift sogar zuweilen selbst zum Saxophon, um die jüdische Sängerin Chaja zu begleiten. Wiederum andere Bewohner Wilnas sehen nur ihren persönlichen Vorteil, der sich, wie sich dann später herausstellen soll, der Willkür und Laune der SS ohnehin beugen wird. Aber auch das Theaterensemble muss eines Tages erkennen, wie das eitle Machtdenken der SS ihnen zum Verhängnis wird. Ein nahezu aussichtsloser Kampf um ein Stück Leben...
Keine leichte Kost für einen verregneten Novemberabend... nichts desto trotz aber mit einem enormen Fingerspitzengefühl im Beisenkampgymnasium inszeniert. Den Akteuren ist sicherlich das gelungen, was Joshgua Sobol mit "Ghetto" verdeutlichen wollte. Als Zuschauer machte man da richtig gehend "etwas durch". Eben noch konnte man lachen, dann musste man doch genau zuhören und dann bekam man diesen beklemmenden "Kloß im Hals". Man war sehr gefordert aber es blieb auch "hängen", und man konnte nicht einmal einen Hauch von Lampenfieber spüren die Darsteller waren stark in ihre Rollen vertieft. Dazu sollte man vielleicht erwähnen, dass es auf gar keinen Fall leicht ist, zum einen den jiddischen Akzent so hervorragend zu meistern, die jiddischen Lieder so gekonnt zu interpretieren, den harten SS-Militärston hinzubekommen und die Emotionen derart "rüberzubringen". Dieses Stück aufzuführen ist weiss Gott nicht einfach - es gehört schon sehr viel Feingefühl und viel, viel Arbeit dazu. Bisher hat das Beisenkampgymnasium doch stets beweisen können, dass junge Menschen nicht zwingend kaugummikatschend niveaulosem Quark nacheifern. Mir ging das Thema erneut zum wievielten Male auch immer noch lange durch den Kopf...
Sehr schade ist, dass ich kein Foto machen konnte. Man hatte darum gebeten, während der Aufführung weder zu applaudieren noch zu fotografieren. Verständlich, denn damit hätte ich auch sicher nur die Atmosphäre gesprengt. (wi)
Irish Independent Speedfolk
FIDDLER´s GREEN
Hundertfünfzig Zuschauer im Hoppe Garden
Um 18.30 Uhr steckten die Musiker von FIDDLER´s GREEN noch bei Dortmund im Stau und die Veranstalter machten sich Sorgen. Das ist Freitags leider oft so, trotzdem atmet man erst wieder auf, wenn die Kapelle endlich vor Ort ist. Gegen 19.00 Uhr trafen die sechs Musiker ein, gestresst, aber immerhin. Leider zog sich der Soundcheck dann noch eine Weile hin, aber das ist nun mal höhere Gewalt. Um 22.00 Uhr kündigte ein bedeutungsschwangeres Intro, das lautstark aus den Boxen tönte den Auftritt der "Musikalischen Meisterköche" an. Sie sprangen wie Derwische auf die Bühne, legten los mit "No Buts About It" und standen von nun an keine Sekunde mehr ruhig vor ihren Mikros. Es war ganz schön anstrengend, ihnen zuzuhören, denn die Band gönnte dem Publikum keine Verschnaufpause. Mit Geige, Gitarren, Bass, Schlagzeug, Mandoline, Bouzouki und Akkordeon boten FIDDLER´s GREEN eine atemberaubende Mischung aus irish-schottischer Folklore, düsteren Schlachtengesängen, spaßig-makaberen Balladen und humorvollen Tanzliedern, bei denen natürlich der Hit "Now Or Never", besser bekannt als "An der Nordseeküste", nicht fehlen durfte.
Zwei sich abwechselnde Leadsänger, die es beide perfekt verstanden, den direkten Draht zum Publikum zu suchen, und ein sehr guter Chorgesang bewiesen einmal mehr, daß FIDDLER´s GREEN zu den Guten ihrer Musikrichtung gehören. Waren auch die Soli, die Gitarre und Geige gemeinsam spielten, manchmal sehr gewagt und ganz nah´ an der Schmerzgrenze, so konnten doch die musikalischen Fähigkeiten der einzelnen Musiker mehr als überzeugen. Besonders bei den schnellen "Jigs" im Speed-Tempo mit akrobatischen Sprüngen und Bewegungen erschien die Bühne im Hoppe Garden manchmal zu klein. Ein Wunder, daß die Musiker nicht gelegentlich mit ihren Köpfen aneinandergeprallt sind, oder, noch schlimmer, mit ihren Instrumenten. Ohne Pause zogen FIDDLER´s GREEN alle Register ihres Könnens, auch gegen Ende des Konzertes ließen sie keine Ermüdungserscheinungen erkennen. Vielleicht aber war das alles doch etwas zu viel des Guten, denn der Funke zum Publikum wollte einfach nicht überspringen. Sicher, es gab nach jedem Song netten, freundlichen Applaus. Aber eben nicht mehr. Von Begeisterung, die man im Hoppe Garden bei anderen Top-Acts aus England, Deutschland oder USA sehr häufig erleben kann, war nichts zu spüren. Ich weiß auch nicht, woran es gelegen hat, ich kann nur sagen, was ich empfunden habe: Die erste halbe Stunde war Klasse, danach hätte ich gern mal etwas anderes gehört und am Schluß wollte ich einfach nur weg . . ! Allerdings wollte ich nicht unhöflich sein, also bin ich geblieben, habe mich aber nur noch mäßig für die Musik interessiert. Vielleicht ist es dem restlichen Publikum, das zu 40% aus den umliegenden Städten gekommen war, ähnlich ergangen. Trotzdemhaben wir an diesem Abend eine gute Band gehört (Hh.)
Ein Dienstagabend im "O´Casey´s"
Stefan Lubs
The North Sea Chinaman
Nach den verschiedensten Hiobsbotschaften der letzten Zeit: "O´Casey´s" hat dicht usw., konnte ich mich am Dienstag, den 21. November davon überzeugen, dass das gemütliche Irish-Pub in der Ritterstraße nicht geschlossen hat. Und gut besucht war das Lokal auch. Und wie immer gab es auch an diesem Dienstag ein Gratis-Konzert, diesmal mit Stefan Lubs, dem "North Sea Chinaman" wie er sich nennt. Einen Typ aus Höxter, der irische Musik macht und sich so einen Künstlernamen aussucht, den wollte ich mir unbedingt anhören.
Als wir gegen 21.30 Uhr das Lokal betraten, war der Musiker schon zugange, denn im "O´Casey´s" beginnen die Konzerte pünktlich. Vorn an der Theke war die Lautstärke sehr dezent, man konnte aber vernehmen, daß der Ire, der hinten im Saal seine Musik machte, eine sehr gute, typisch irische Stimme hat. (Dass er aus Höxter kommt, wusste ich zu der Zeit noch nicht). Und mit Songs wie "Dirty Old Town" hatte er auch ein typisch irisches Repertoire drauf. Bis dann der "Prodical-Song" der Rolling Stones kam. Na gut, warum nicht. England ist nicht so weit von Irland entfernt. Nun machte der "North Sea Chinaman" eine Pause. Wie gesagt, wir kamen etwas zu spät. Das immer noch überaus laute Stimmengemurmel ließ vermuten, dass das Publikum das Aussetzen der Musik gar nicht zu bemerken schien. Nach fünfzehn Minuten begann der zweite Teil des Vortrages und wir bewegten unsere Hintern nun direkt vor die "Bühne", denn wir wollten natürlich auch sehen, was wir hörten. Da saß der "Chinamann" ganz in die Ecke gedrängt auf einem Barhocker, von Mikrophonen umgeben mit seiner "Takamine"-Gitarre auf den Knien und spielte "In The Ghetto" von Elvis, ebenfalls ein typisch irisches Lied . . . Er sang eine Moritat vom Leben eines Verbrechers, ein irisches Liebeslied, mit Gitarre, Stimme und Harp und verknüpfte seine Songs mit kleinen Geschichtchen. Sehr unterhaltsam, wie ich fand. Seine wesentlichen Liedinhalte sind Liebe, Trinkfreude, Abenteuerreisen, kriminelle Handlungen, Tiergeschichten und bemerkenswerte Geschichten aus dem Krankenversicherungswesen. Musikalisch interessant unterstützt durch Gitarre, Knopfakkordeon, Anglo-Concertina und Bluesharp. Auf der Concertina, eine Art Bandoneon, spielte Lubs zwei schnelle irische Jigs, ohne Text, dafür aber mit Fuß(Drums). Ein ungewöhnliches Medley aus zig bekannten Hits, jeweils nur in wenigen Takten angespielt, aber perfekt miteinander ver-bunden ließ die Vielseitigkeit des Musikers erkennen, was dem Publikum allerdings lei-der verborgen blieb. Die angeregten Gespräche wollten nicht verstummen, besonders störend waren die Bewohner des Tisches, mit dem Stefan Lubs die "Bühne" teilen musste. Applaus kam zwar nach fast jedem Song, aber nur von denen, die sich wirklich für die Musik interessierten. Nun, ich kenne das, es ist nichts Ungewöhnliches, leider. Aber wer Musik in einer Kneipe macht, noch dazu alleine, der muss mit so etwas rechnen, es sogar einplanen. Wie auch immer, die Dienstagabende im "O´Casey´s" werden wohl auch weiterhin von Live-Musik geprägt sein, und das ist gut so. (Hh.)
Übrigens ist das O’Casey’s, wie uns der "neue" Chef Clive telefonisch mitteilte vom 7.Jan. bis zum 12. Jan. 2001 wegen Renovierungsarbeiten leider geschlosssen.
Troubadour und VHS präsentierten Folks:
Allan Taylor
Ein Songpoet in der Friedensschule
Rund 100 Zuschauer fanden sich am einem Donnerstagabend in der Friedensschule ein, um den melancholischen Klängen des Sängers mit der Akustikgitarre beizuwohnen. Der Raum recht romantisch hergerichtet (auf den Tischen fand man eine gelbe Rose...), die Musik des Briten - da fehlte bestenfalls noch der Kamin - so dachte ich zunächst. In seinen Kompositionen erzählt Taylor von tiefsinnigen Begebenheiten auf seiner Reise durch Amerika. Im Mittelpunkt stehen Einzelschicksale, die aus dem geschichtlichen Background der USA entstanden oder aber einsame dunkle Momente auf langen einsamen Wegen. Viel Vergangenes wird betont und mit Wehmut besungen. Musikalisch auf jeden Fall sehr angenehm zu hören, gute Gitarre, solide Stimme und das Hauptaugenmerk auf die Aussage. Nach meinem Geschmack hätten allerdings auch ein paar fetzigere Stücke das Programm bereichern können, aber dem Publikum, das zum Teil von weit her angereist war, hat es gut gefallen, und das ist ja schließlich die Hauptsache.