Mein Mann führt Krieg gegen den Nachbarn
Eine psychologische Leserberattung von Dipl.-Psychol. Dr. Sonja-Renate Rüpelhof-Lammkoether
Liebe Frau Lammhof-Rülpsköter,
ich heiße Heidemarie und bin unglücklich. Eigentlich könnte ich mit meinem Mann, mit unseren drei Kindern (alles Jungs, außer Karin und Detlef, das sind Mädchen) und mit unserem Berner Sennedackel Heino sehr glücklich sein, denn wir haben ein nettes Haus in einem Vorort von Hamm. Mein Mann Knut, 43, ist Frühpensionär mit einer guten Rente und ich verdiene auch noch dazu. Also geht es uns sehr gut. Aber das Problem, welches ich hier nun schildern will, macht mir das Leben zur Hölle. Denn wir haben einen Nachbarn, den Emil Bautz, dessen Grundstück mit seinem Haus direkt an unser Grundstück anschließt. Nur durch einen Maschendrahtzaun getrennt, liegen die beiden großen Rasenflächen, auf denen wir unsere Freizeit verbringen, nebeneinander. An sich kein Problem, wenn man sich gut versteht. Und das ist der Punkt. Mein Knut ist Schalke-Fan, Emil grölt für Dortmund, daher sind sich die beiden spinnefeind, was sich leider nicht nur auf ihre unterschiedlichen Vereinsneigungen bezieht. Vor ein paar Jahren fing die ganze Misere an, als der BVB die Schalker Mannschaft haushoch besiegte. Mein Knut war so sauer, dass er die gelb-schwarze Vereinsflagge un-seres Nachbarn genau um den Teil kürzte, der bei ungünstigem Wind über die Grenze der Grundstücke flatterte. Und da der sechs Meter hohe Flaggenmast direkt am Zaun steht, blieb dem Nachbarn nur noch ein Reststück von acht Zentimetern von seiner Fahne übrig. Der nahm das natürlich übel und kappte die unterirdischen Wurzeln unserer Birke, die ebenfalls am Zaun stand um exakt den Teil, der in sein Grundstück hinein reichte. Dass er dafür einen riesigen Krater in seine Wiese graben musste, hielt ihn nicht von dieser Strafaktion ab. Natürlich überlebte der Baum das nicht und verendete. Mein Gatte dachte tagelang über geeignete Sanktionen nach, denn er hat ja unglücklicherweise sehr viel Zeit. Und er wurde auch fündig. Er öffnete an einer schlecht einzusehenden Stelle den Gartenzaun und schickte unseren Hund regelmäßig zum Kacken in den Nachbargarten, nachts natürlich, vom Herrn Bautz unbemerkt. Zunächst jedenfalls. Erst als der nach ein paar Tagen in so einen riesigen Haufen hineintrat, zu Boden ging und beim Abfangen des Sturzes mit seinen beiden Händen in weitere Reste der warmen, weichen Masse geriet, wurde er aufmerksam und entdeckte bei Erkundung seines Geländes weitere 46 dieser braunen Gesellen. Um weiteres Hineingleiten in diese Tretminen zu vermeiden kam er auf die Idee, diese durch gelb-schwarze Papierfähnchen kenntlich zu machen, was meinen Gemahl dazu zu veranlasste, unseren Hund bei seinen Stuhlgängen in blau-weißer Vereinskleidung seine Notdurft verrichten zu lassen, bis unser Nachbar das Loch entdeckte und schloss.
Im letzten Winter bekam unser Nachbar ein nagelneues Auto, einen Mercedes der Elchklasse, metallic-grün. Sehr zum Missfallen meines Gatten, denn auch er nennt so ein Fahrzeug sein Eigen. Nur nicht in metallic. Und was macht der Arsch? Er schleicht sich in den Keller, schließt einen Wasserschlauch an und nässt die Zufahrt zur Garage unseres Nachbarn, die in einem Neigungswinkel von 10 Prozent von der Straße in den Keller seines Hauses führt, ein und verursacht so bei den derzeit herrschenden Minuswerten von acht Grad unter Null einen Eisteppich, der dem abends heimkehrenden Herrn Bautz, der vorsichtig sein Auto in die Garage setzen wollte, die Rutschpartie seines Lebens bescherte. Er öffnete auf äußerst unsanfte Methode seine Garagentür, und zwar ohne auszusteigen gleich mit seinem Fahrzeug, welches diese Behandlung mit einem kostspieligen Blechschaden übelnahm. Natürlich wusste Herr Bautz sofort, wem er diesen Streich zu verdanken hatte und ließ mit einer Maßnahme, die seinem Unmut Ausdruck verleihen sollte, nicht allzu lange auf sich warten.
Dazu muss ich bemerken, das Emil ein gutaussehender Mann in den besten Jahren ist, und sehr charmant dazu. Daher nahm ich seine Einladung, mit ihm Essen zu gehen auch unbekümmert und sehr geschmeichelt an. Mein Gatte war gerade zu einem Heimspiel seiner Mannschaft nach Gelsenkirchen gereist, drum musste ich ihm auch keine unnützen Erklärungen liefern. Ich war dann mit Emil in den "Wielandstuben" schick speisen, danach in "Harvey´s Bar", um den ein oder anderen Cocktail zu genießen, bevor wir in ein nobles Hotel gelangten, um dem Abend, beziehungsweise der Nacht in würdigem Rahmen die Krone aufzusetzen. Mit einfachen Worten ausgedrückt, wir haben zusammen gepimpert. Und das war nicht das letzte Mal, denn Emil ist auch ein guter Liebhaber. Sehen Sie, Frau Lammhof- Rülpsköter, und das ist der Grund, warum ich Sie jetzt um Rat fragen muss. Ist das fair von ihm, meinen Mann so zu hintergehen? Bäume umnieten und eine feindliche Fußballmannschaft zu verehren sind eine Sache, eine unschuldige Ehefrau zu schänden die andere. Das kann ich nicht akzeptieren. Was soll ich tun, um meinen Mann zu schonen?
Herzlichst, Ihre Heidemarie Bradasch, Rhynern.
Liebe Heidemarie,
wenn Sie Ihren Gemahl schonen wollen, gibt es nur zwei Möglichkeiten: 1. Beenden Sie Ihr Bummsverhältnis. 2., und das ist sicher die angenehmere Lösung, schenken Sie Ihrem Knut eine Dauerkarte für Schalke 04 und erzählen Sie ihm einfach nix.
Schöne Grüße, Ihre Reni