Unterwegs mit Willi

"Anno 1888" - Soest:

BERNARD ALLISON BAND

250 Zuschauer erlebten großes Konzert

Vielleicht erinnert Ihr Euch, liebe Leser, Willi hat vor fast genau einem Jahr schon einmal über ein Konzert mit BERNARD ALLISON, dem Sohn des großen Luther Allison, berichtet. Aber wer schon mal das Glück hatte, den begnadeteten jungen Musiker live zu erleben, wird wissen, dass man ihn nicht oft genug sehen und hören kann. Und wer noch nicht das Vergnügen hatte, wird vielleicht diesen Bericht zum Anlass nehmen, das nächste Konzert zu besuchen. Auch an diesem 23. Januar gastierte der US-Musiker im "Anno 1888" in Soest, der gemütlichen alten Kneipe in unserer Nachbarstadt. 250 Zuschauer waren an einem Dienstag für 35,- DM Eintritt (!!!) gekommen, um einen unvergesslichen Blues-Abend zu erleben. Im "Anno" beginnen die Konzerte bereits um 20.30 Uhr, daher sollte man pünktlich erscheinen. Wer nicht, hätte nämlich die junge Gitarristin Ana Popovic verpasst, die diesen Konzertabend eröffnete. Mit einer roten Fender-Stratocaster setzte sie sich auf einen Barhocker auf die Bühne und slidete, was das Metallröhrchen hergab. Dabei sang sie mit einer eindrucksvollen Stimme ihren Blues, dass einem warm ums Herze wurde. Eine Bluesballade folgte und ein Klassiker vom legendären Elmore James beendete bereits den ersten Akt. Ana Popovic ist zweifelsohne eine gute Gitarristin, aber wenn sie von der Rhythmusspiel zum Solo wechselte, fehlte einem doch etwas. Es ist sehr schwierig, ein gutes Solo ohne jegliche Begleitung zu spielen, erst recht, wenn die nötige Lautstärke fehlt. Aber ihr Kurzauftritt war ja erst der Anfang.

Ja, und dann kam Bernard Allison mit seiner Band auf die Bühne. Wie schon im letzten Jahr trug er seine Schlangenlederstiefel und als Hutkrempenschmuck lauerten die beiden Klapperschlangenköpfe mit aufgerissenem Maul auf seinem Stetson. Und auch wir standen mit vor Erstaunen geöffnetem Mund vor der Bühne und lauschten gespannt den Tönen, die dieser Musiker aus seiner Fender herausholte. Bernard Allison war diesmal noch weitaus besser, als im letzten Jahr und auch der Sound ließ keine Wünsche offen. Allison hat ein reichhaltiges und abwechsungsreiches Programm, natürlich steht der Blues an erster Stelle ("Bad Love" oder "Live with the Bitch", beides Songs von Luther), aber auch knallharter Rock oder gar gefühlvoller Soul ("Midnight Creeper") veredeln die Musik des Gitarristen, der auch eine fantastische Stimme hat. Auch seine Mitmusiker, allen voran der grandiose Keyboarder, der fast vergessen ließ, dass er keine echte "Hammond", sondern "nur" ein Keyboard spielte, waren große Könner. Dann schließlich kam einer der Höhepunkte des Abends. Mit einer Gibson bewaffnet, zündete Allison ein Slide-Solo-Feuerwerk ab, das den Zuschauern den Atem nahm. Er zog mit seinem Instrument durch die überfüllte Kneipe bis in die letzte Ecke, balancierte auf der Theke herum und begeisterte jeden Einzelnen mit seinem unnachahmlichen Charme, den er sicherlich vom Papa hat.

Nun verstärkte Ana Popovic die Band und bewies, dass ich mich nicht irrte, als ich mich entschloss, sie gut zu finden. Mit Hendrix´ "Voodoo Chile" beendeten Bernard Allison und seine Band diesen wunderbaren Konzertabend. Er kam dann später noch an unseren Tisch, wir plauderten kurz über seinen Vater, der vor Jahren schon mal bei uns im HoppeGarden zu Gast war und wir vereinbarten, dass er auf seiner Tour 2002 in Hamm Station machen wird. Daumen drücken. (Hh.)