Unterwegs mit Willi

Lindenbrauerei Unna:

EPITAPH

Die alten Haudegen begeisterten 600 Zuschauer

In den siebziger Jahren gab es in Hamm (und nicht nur in Hamm) zwei Sorten Fans. Entweder liebte man "Abacus" (erinnert Ihr Euch noch?) oder man war begeistert von EPITAPH. Erstere überzeugten durch komplizierte Kompositionen und eigenwillige Sounds, während EPITAPH echte Rock´n Roller waren, die jeden Saal zum Kochen brachten. Ich erinnere mich an ein zweitägiges Festival in den Zentralhallen mit der "Edgar Broughton Band" als Top-Act. Das Publikum, welches mit Schlafsäcken in der Halle übernachten durfte, war gegen vier Uhr morgens schon sanft entschlummert, bis EPITAPH mit ihrem Auftritt an der Reihe waren. Es dauerte keine zehn Sekunden, bis auch der letzte Schläfer hellwach in seinem Schlafsack vor der Bühne stand und dem donnernden Sound der deutsch-englischen Band begeistert lauschte. Damals noch in der Originalbesetzung mit Bernd Kolbe, Klaus Walz, Jim McGillvary und natürlich Cliff Jackson, dem begnadeten Frontmann und Gitarristen. Und nun, nach neun LP´s und etlichen Tourneen durch Deutschland, Spanien, Andorra, England und den USA sowie Auftritten mit Rory Gallagher, Status Quo, Chuck Berry, Golden Earring und Emerson, Lake and Palmer hat sich EPITAPH nach langjähriger Pause wieder neu formiert. Willi hat das Konzert am 10. Februar in der Lindenbrauerei in Unna besucht und bemerkte als erstes das Schild am Eingang, auf dem zu lesen war: AUSVERKAUFT ! Aber Willi-Perso-nal hat natürlich Pressekarten, da-her schlüpften wir noch mit hinein. Und wer nun glauben möchte, dass die Band in den langen Jahren der Ruhe einiges verlernt haben könnte, der täuscht sich gewaltig. Erstens haben sich die einzelnen Musiker natürlich nicht auf ihren Lorbeeren ausgeruht, sondern stets weiter musikalisch gearbeitet, und zweitens haben sie kein bisschen verlernt, im Gegenteil. In der derzeitigen Besetzung Cliff Jackson (Gitarre, Gesang), Bernd Kolbe (Bass, Gesang), Heinz Glass (Gitarre, Gesang) und Achim Wielert-Poret (Drums) hat EPITAPH nicht nur die alten Songs neu aufpoliert, sondern auch umfangreiches neues Song-Material geschaffen und mit einer Dynamik und Power ins Publikum geschleudert, dass die etwa sechshundert Zuschauer vor der Bühne wilde Freudentänze aufführten. Bemerkenswert war übrigens auch, dass keineswegs nur Veteranen aus der grauen Vorzeit das Konzert besuchten, sondern ebenso viel junges Volk den älteren Herren auf der Bühne zujubelte.

Was Cliff Jackson und Heinz Glass aber auch auf ihren Gitarren leisteten, war schon erstaunlich. Die zweistimmig gespielten Solopassagen, oft minutenlang und nie langweilig, hat man in dieser Virtuosität zuvor lediglich bei "Wishbone Ash" gehört. Exzellent auch der mehrstimmige Gesang, jeder Musiker hatte schließlich ein Mikro vor sich stehen, welches auch Bassist Bernd Kolbe dann und wann als Leadsänger in den Mund nahm. Drummer Achim Wielert-Poret lieferte den beiden Solisten souverän den richtigen Beat und Bernd Kolbe am Bass überzeugte durch sein sicheres und solides Spiel. Lediglich Volker Sassenberg am Keyboard, der als Gastmusiker mitwirkte, kann ich nicht einschätzen, weil ich ihn nicht gehört habe. Aber vielleicht lag das daran, dass ich direkt vor der Bühne stand und nur den Bühnensound, der schon gewaltig genug war, mitbekam, und nicht den Sound aus der PA. Wie auch immer, das Konzert von EPITAPH war ein echtes Erlebnis, was auch die Zuschauer in der "Lindenbrauerei" meinten, denn ohne etliche Zugaben kam die Band natürlich nicht von der Bühne. Wer das Konzert verpasst hat, kann sich trösten. Denn zur diesjährigen "Nacht der Clubs" am 14. April wird EPITAPH ab ca. 22 Uhr im HoppeGarden in Hamm auftreten. (Hh.)