Gesellschaftsreporter

Boxen in Hamm:

MBR gegen BAC

Kein Sportbericht - von Ulrich Holesch

"Boxen? Ich und Boxen, ich bin doch nicht bescheuert." Das war meine erste Reaktion, als mich eine Freundin fragte, ob ich am 7. April mit in die Sporthalle der Friedensschule kommen würde. Denn dort sollte der "Märkische Box-Ring" aus Hamm gegen den "Box Athletik Club" aus Wolfenbüttel, beide in der Box-Oberliga, antreten. Und nach Möglichkeit sollte natürlich der Hammer Verein siegreich aus dem Ring getragen werden. In jungen Jahren bin ich zwar immer um vier Uhr morgens aus dem Bett gekrochen, wenn Muhammed Ali seine Gegner verhaute, aber das war ja wohl etwas anderes. Trotzdem ließ ich mich breitschlagen und ging mit, und bereut habe ich es eigentlich nicht. Nun bin ich alles andere als ein Sportberichterstatter, da-her kann ich natürlich wenig Fachliches absondern, aber dass "wir" gewonnen haben, hab ich schon mitgekriegt.

Zunächst haben wir uns im Foyer allerdings erst mal ein Bierchen gegönnt, erstaunlich preiswert für eine Boxveranstaltung, 2,- DM die Flasche. Die Frikadelle 2.50 DM. Ich dachte eigentlich, dass die Promis, die bei solchen Veranstaltungen die Ringplätze für sich reserviert haben, im Smoking erscheinen, und nur Champagner trinken würden, aber das ist wahrscheinlich nur bei Kämpfen üblich, bei denen zum Beispiel Axel Schulz wieder mal eins auf die Fresse kriegt, oder Henry Maske sich über die Runden langweilt. In der Friedensschule kosteten diese Plätze dafür auch nur 25,- DM, also kein Smoking und kein Schampus. Einige Hammer Box-Legenden waren natürlich auch zugegen, darunter Horst, Karl-Heinz und Erwin Johannpeter. Weitere "Promis" wie Frank Bierkämper (SPD-Ratsherr), Frau Helm (Stadtwerke Hamm) oder Egon Kaderka (Diverses) saßen ebenfalls in der sogenannten ersten Reihe. Und wir! Dann wurden die Boxer vorgestellt. Pech für den "Märkischen" - Andreas Möller (nicht der Kicker) hatte auf der Autobahn einen Unfall erlitten und war nicht erschienen. Nach den Regeln bedeutet das zwei Punkte für den Gegner, kampflos. Dann die ersten Kämpfe, oder wie man das nennen will. Auf der Bühne (Ring, Uli - Riiing!! d. Red.) begann eine wilde Klopperei, aus dem Zuschauerraum ertönten immer wieder gute Ratschläge der fachkundigen Zuschauer wie "Leber suchen", oder "Spiel lieber Tischtennis, du Pfeife", aber die Akteure ließen sich nicht beirren und verprügelten sich. Der Sekundant (Ringrichter!!! d. Red.) unterbrach mehrfach den Kampf und sprach den Boxern Lob und Tadel aus, glaub ich. Mehrere Verwarnungen wurden ausgesprochen, mit dem das fachkundige Publikum überhaupt nicht einverstanden war, jedenfalls dann nicht, wenn diese gegen unsere Boxer gerichtet waren. Punktmäßig lagen die beiden Boxvereine jeweils dicht beieinander, die Kämpfer wurden schwerer und die Kämpfe immer besser. Kurz vor dem letzten Kampf, bei dem der Hammer Schwergewichtler Vitali Boot gegen den Wolfenbütteler Murat Kaptan boxen sollte, stand es noch 9:10 für die Gäste. Mit einem KO-Sieg hätte Vitali Boot den Sieg holen können. Das wusste auch der "BAC" und der Boxheld aus Wolfenbüttel warf direkt nach dem Gong das Handtuch. Doch eine Aufgabe ohne Kampfhandlung gilt nach einer neuen Regelung als unsportlich und wird mit 2:0 Punkten "geahndet". Das hatten die Wolfenbütteler Trainer nicht bedacht, aber Rainer Kaderka, der Hammer Boxpapst, wusste das und warnte Vitali Boot, seinen Gegner bloß nicht zu berühren. Somit haben sich die Gäste durch ihre bewusste Unsportlichkeit gewaltig ins eigene Knie gefickt (Strenger Verweis, Uli. d.Red.) und der "Märkische Boxring" gewann das Turnier mit 11:10 Punkten! Und wenn das nächste Mal auch noch ein kompetenter Ringsprecher gewonnen werden kann, bin ich wieder mit dabei. (Hh.)