Wären Sie ein guter Kellner?
Ein psychologischer Eignungstest von Dipl.-Psychol. Dr. Sonja-Renate Rüpelhof-Lammkoether
Hatten Sie schon mal mit einem Kellner zu tun? (Oder mit einer Kellnerin?) Ich meine, richtig hautnah, von Angesicht zu Angesicht. Wahrscheinlich ja, wer nicht. Dann wissen Sie wohl auch, von was ich rede, denn wer schon einmal mit einem dieser Spezies zusammengetroffen ist, wird sicher auch schon mal mit ihm zusammengetroffen sein. Wenn man endlos warten muss, bevor man überhaupt bemerkt wird, heißt das noch lange nicht, dass der Dienstleister auch sofort zu Ihnen kommt, wenn, oder falls er Sie bemerkt hat. Im allergünstigsten Fall wird er Ihnen ein Zeichen geben, um Ihnen das Gefühl zu vermitteln, nicht so ganz unsichtbar zu sein. Im ungünstigsten Fall rennt er ein paar mal an Ihnen vorbei, um sich dann in seine verdiente Pause oder in den Feierabend zu begeben. Dann bleibt Ihnen nur weiteres Warten auf den Kollegen oder in ein anderes Lokal zu wechseln, wo Ihnen die gleiche Prozedur kaum erspart bleiben wird. Zum Kellner muss man geboren werden, den Beruf kann man eigentlich nicht erlernen. Man kann höchstens seine angeborenen Defizite erweitern, um dann einst in diesen Beruf berufen zu werden. Wie ist es mit Ihnen, wären Sie ein guter Kellner?
1) Sehen Sie sich das Foto genau an, das scheint ein ordentlicher Kellner zu sein. Wir wissen nicht genau, ob er Sie schon bemerkt hat. Was sagt Ihnen sein Gesichtsausdruck, was denkt er?

a) Einen Augenblick, meine Herrschaften. Ich bediene nur eben nebenan und komme dann sofort zu Ihnen. (1)
b) Verdammt! Im zweiten Rennen kam "Wirbelwind" schon wieder nicht unter die letzten Vier. Ich werde den Gaul irgendwann schlachten lassen. Dann setze ich ihn auf die Speisenkarte. Diese Idioten hier werden ihn schon fressen. (5)
c) Mein Gott, ist das langweilig hier. Vielleicht sollte ich mal wieder über mich hinauswachsen, und jemanden bedienen. Oder? Na ja, mal sehen. (3)
2) Wir möchten Sie nun bitten, das Bild unten zu betrachten. Was denken Sie über diesen Kollegen der Zunft?

a) Er muss entweder gar kei-ne, oder eine sehr unaufmerksame Ehefrau haben. Er sieht aus, als wenn er gerade aus dem Bett oder aus der Kneipe zum Dienst erscheinen würde. In jedem Fall ist er als Kellner unakzeptabel. (1)
b) Er ist ein origineller Typ, der durch seine legere Kleidung Individualität auszudrücken vermag. Er vermittelt eine gewisse Lockerheit, die gerade in den derzeit sehr populären Erlebnisgaststätten gern gesehen und praktiziert wird. Ich würde mich in seiner Obhut wohl fühlen. (5)
c) Der Mann hat eine harte Nacht hinter sich und sieht seinem bevorstehenden und verdienten Feierabend mit Vorfreude entgegen, während er gerade noch den Beischlaf mit seiner Kollegin zu verkraften versucht. (3)
3) Das Foto zeigt eine Szene, in der ein sehr kleiner Kellner an einem Stehtisch zu bedienen versucht. In einigen Szenelokalen sind die kleineren Kollegen gehalten, nur an Sitztischen zu bedienen. Was halten Sie von dieser Regelung?

a) Ich finde das völlig in Ordnung. Ein Kellner muss eine gewisse Autorität ausstrahlen, um den Gast , wenn nötig, in angemessener Form maßregeln zu können. Wenn er dann zu Ihm hoch schauen muss, verpufft diese Wirkung. (5)
b) Wenn ich so etwas schon höre, möchte mir gleich der Kragen platzen. Auch kleine Menschen haben das Recht, ihren Arbeitsplatz frei zu wählen. Wenn ein Zwerg nun mal an einem Stehtisch bedienen möchte, soll er das auch tun dürfen. "Freiheit für alle Tische!" (1)
c) Nun, ich finde diese Regelung sehr dumm und sogar schädlich für den Betreiber. Ein kleiner Kellner, der, wenn er eine gerade Haltung einnimmt, flach über den Tisch schauen kann, hat einen wesentlich besseren Überblick und kann Krümel mühelos vom Tisch pusten. Außerdem kann er dem Gast viel unauffälliger das Geld aus der Tasche klauen. (3)
4) Stellen Sie sich vor, sie sind Kellner in einem Szenelokal an der Hammer Fußgängerzone. Sie bemerken, wie an einem Stehtisch am Fenster ein äußerst gutaussehendes Paar in mittleren Jahren unentwegt versucht, Blickkontakt mit Ihnen zu bekommen. Was denken Sie, wie reagieren Sie?
a) Ich denke mir, die wollen doch wohl nicht etwa etwas bestellen. Das wäre aber ungewöhnlich in so einem Lokal. Ich werde sie gleich einmal bemerken, vielleicht bediene ich sie sogar. (3)
b) Ich versuche, ihren Blicken auszuweichen. Man kann ja nie wissen, was die von mir wollen. Wohlmöglich möchten die sogar etwas bestellen, wer weiß? (5)
c) Was schauen die immer so blöde zu mir herüber, sehen die denn nicht, dass ich viel zu klein für einen so hohen Tisch bin? (1)
5) Ein Gast möchte bei Ihnen eine Bestellung aufgeben. Sie haben aber im Augenblick überhaupt keine Lust dazu. Wie ziehen Sie sich als erfahrener Kellner aus der Affäre?
a) Ich schaue zum Tisch herüber, schüttle den Kopf und weise mit meinem Finger zur Uhr, was soviel heißen soll, wie: Es ist schon spät, bin seit Stunden auf den Beinen und sehr abgespannt. Ein Kollege wird einst bei Ihnen vorsprechen und nach Ihren Wünschen fragen. (5)
b) Ich sage, dass gerade in diesem Moment meine Frau gestorben sei. Und überhaupt, ich müsse jetzt zum Stammtisch. (3)
c) Ich sage: "Ich nickse verrstenne . . !" (1)
Auflösung
5 - 11 Punkte: Nein, mein Freund. Sie wären als Kellner völlig ungeeignet, denn Ihnen fehlt das rechte Verhältnis zur Arbeit und zum Gast. Wären Sie Ihr eigener Chef und müssten von Ihren Gästen leben, ja dann . . .
12 - 19 Punkte: Nun ja, bei Ihnen ist noch nicht Hopfen und Malz verloren. Wenn Sie noch etwas an sich arbeiten, könnte es klappen. Bisher sind Sie noch etwas zu eifrig, das halten Sie nicht lange durch.
20 - 25 Punkte: Ja, Sie sind für diesen Job geeignet. Sie kennen genau die Schranken, in die man die Gäste zu weisen hat und Sie schonen Ihre Kräfte für das nächste harte Wochenende auf Ihrer Segel-yacht. Sie verschwenden keine übermäßige Kollegialität und können sich auch gegen den hartnäckigsten Gast durchsetzen. Glückwunsch - Sie Arschloch!