Bördetag in Soest:
Genialer Chapman im "Altstadtfieber"
Fünftausend auf dem Petrikirchhof
Soest stand Kopf, an diesem Wochenende vom 11.-13. Mai, denn es war wieder "Bördetag". (Bei uns in Hamm nennen wir das "City-Fest".) Der Petrikirchhof war Austragungsort dieses kulturellen Highlights unserer freundlichen Nachbarstadt und etwa 5000 Zuschauer verfolgten das Programm im Schatten der altehrwürdigen Petrikirche. Wir hatten uns den Samstag zu unserem Besuch auserwählt, denn kein geringerer als ROGER CHAPMAN, der legendäre britische Sänger mit der unvergleichlichen Stimme, war mit seiner Band "The Shortlist" angereist, um die Menge in Begeisterung zu versetzen. Das war für Willi natürlich Grund genug, den beschwerlichen Weg nach Soest auf sich zu nehmen. Sogar der ehrenwerte Herausgeber war mit seiner Gattin direkt vor der Bühne zu entdecken.
Doch zuerst schlenderten wir die überfüllten Gassen und Straßen entlang, um ein Gasthaus zu finden, in dem man, ohne zerdrückt zu werden, in Ruhe ein Bierchen trinken konnte. In einer weniger belebten Seitengasse wurden wir fündig. Schließlich mussten wir etwas vorarbeiten, denn auf dem Platz des Geschehens hatten die Veranstalter gerade man zwei Bierstände aufgebaut, für etwa 5000 Gäste...! Man musste eine beschwerliche Expedition hinter sich bringen, um einen dieser Stände überhaupt zu erreichen, geschweige denn ein Bier zu erhalten. Das war ganz schlecht, liebe Organisatoren!!! Aber im Vorprogramm spielte gerade die Band "Nameless" Cover-Versio-nen der letzten Jahrzehnte, quer durch den Garten der Pop-Musik. Sie erreichten das eigentlich schier unmögliche, sogar Songs wie "Sweet Home Alabama" wie Pop-Songs klingen zu lassen. Also konnten wir beruhigt den Petri-Platz wieder verlassen, um uns den sehr interessanten mittelalterlichen Markt anzusehen, der in den Seitengassen aufgebaut war, und die aufgereihten "Harley´s" ließen unser Herz höherschlagen. Die Bratwürstchen am Grillstand waren kalt, weil das Personal mit dem Grillen nicht nachkam, aber was soll´s, wir waren wegen Roger Chapman gekommen, und der hat uns dann auch nicht enttäuscht. Aber erst war mal Geduld angesagt, denn die Technik kam mit dem Soundcheck nicht klar. Ein ekeliges Krachen und Brummen kam aus den Boxen, so dass die Musiker schon immer nervöser auf der Bühne herumstanden und darauf warteten, dass die Crew endlich den Fehler in den Griff bekam. Schließlich, um 21.45 Uhr, mit dreiviertelstündiger Verspätung, ging die Show los. Und da war er, der gnadenlose Sänger des vereinigten Königreiches, ROGER CHAPMAN. Mit einer völlig neuen Band zwar,
aber nicht weniger virtuos wie die "alten" SHORTLIST. Der Gitarrist spielte neben seiner Stratocaster so ganz nebenbei auch noch Violine, Mandoline, Acoustic-Guitar und sang hervorragend. Bassmann und Drummer nahmen einem mit ihrer Perfektion schier den Atem und der Keyboarder legte einen Funky-Sound auf die Bretter, dass sogar der Schreiberling seinen Fuß beim Wippen ertappte. (Boaah ey! d. Red.) Und Chappo übertraf sich wieder einmal selbst. Etwas rundlicher geworden, die Haare zu einer modischen Kurzhaarfrisur auf natürlichem Wege reduziert, gebärdete er sich auf der Bühne wie ein Tier. Und von seiner Stimme hat der fast Sechzigjährige nichts eingebüßt. "Kiss My Soul", das legendäre "Shadow On The Wall" und mein Lieblingssong "18 Wheels & A Crowbar" ließen neben dem weiteren 90minütigem Programm vermuten, dass man auch in Zukunft noch mit Roger Chapman rechnen kann. (So einen Top-Act wünsche ich mir beim Hammer City-Fest auch mal wieder . . ! (Hh.)