Reisen mit Willi

Das Heidelberger Schloss

Hoch über den engen Gassen und dem malerischen Dächergewirr der Altstadt erhebt sich majestätisch die Ruine des Heidelberger Schlosses. Fünf Jahrhunderte lang haben dort die Kurfürsten von der Pfalz aus dem Geschlecht der Wittelsbacher residiert. Herrscher mit großem politischem Einfluss und kleinen menschlichen Schwä-chen. Ruprecht I. gründete im Jahre 1386 zu seinem Ruhm die Heidelberger Universität, die älteste Universität Deutschlands. Ruprecht II. wurde1400 zum deutschen König gewählt. Ottheinrich führte die Reformation ein und sorgte damit für einen Jahrhunderte währenden Streit, der seinen Höhepunkt unter Friedrich V., dem glücklosen "Winterkönig" erreichte. Friedrich V., Gemahl der englischen Königs-tochter Elisabeth Stuart, ließ das Schloss mit dem Hortus Palatinus und dem Englischen Bau prachtvoll erweitern. Als er auszog, um die böhmische Königskrone zu erlangen, wurde er in der Schlacht am Weißenberg bei Prag vernichtend geschlagen. Der verheerende Dreißigjährige Krieg war damit ausgelöst, 1622 wurden Schloss und Stadt Heidelberg durch die Truppen Tillys erstmals zerstört. Friedrichs Sohn, Karl-Ludwig baute Schloss und Stadt wieder auf und erweckte die Universität zu neuem Leben. Seine Tochter, die Lieselotte von der Pfalz, gab er dem Herzog von Orleans, dem Bruder des Sonnenkönigs, zur Frau. Diese Heirat sollte den Frieden mit dem benachbarten Frankreich sichern, führte aber statt dessen zum orleans'schen Erbfolgekrieg, bei dem 1693 das Schloss endgültig zerstört und die Stadt Heidelberg völlig verwüstet wurde. Die Absicht Karl-Theodors - dem die Heidelberger die Alte Brücke und das Karlstor verdanken - das Schloss aus den Ruinen wieder auferstehen zu lassen, wurde nicht verwirklicht. 1777 ging Karl-Theodor als Kurfürst von Bayern nach München. Seine Initialen CT schmücken jedoch noch das größte Weinfass der Welt im Keller des Heidelberger Schlosses. Ein Franzose, Baron Charles de Graimberg, bewahrte die Schlossrulne vor der völligen Zerstörung. Er setzte durch, dass die alten Gemäuer nicht mehr länger als Steinbruch dienen durften. Das Heidelberger Schloss wurde zum Symbol der deutschen Romantik. Der Besucher erlebt die abwechslungsreiche Geschichte des Schlosses auf Schritt und Tritt. Befestigungswerke, Wirtschaftsgebäude und Paläste in allen Stilarten von der Gotik bis zur Hochrenaissance umschließen den Innenhof und bilden die malerische Kulisse für die jährlich im Juli und August stattfindenden Schloss-Spiele. Unterhaltsam und lehrreich ist es, den Erzählungen der Schlossführer zu folgen beim Gang durch die Frledrichsbaukapelle, in der schon viele Paare einen Heidelberg-Besuch mit dem Ja-Wort für ihr gemeinsames Leben krönten, durch den Königssaal, der auch heute noch Tagungen und große Festlichkeiten erlebt, durch den Kaisersaal mit seinen wechselnden Kunstausstellungen und durch das einzigartige Deutsche Apothekenmuseum in den Kellergewölben des Ottheinrichbaus. Man fühlt sich in die Zeit des höfischen Lebens zurückversetzt, wenn an einem festlichen Abend der Zwerg Perkeo, Hofnarr und Hüter des Großen Fasses, die Gäste im Schlosshof humorvoll begrüßt, und wenn bei Fanfarenklängen und Jagdmusik ein prächtiges Feuerwerk die prunkvollen Fassaden des alten Mauerwerks erhellt.(TK)