Zur 775-Jahr-Feier:
CITY FEST HAMM
Rundum gelungen - für jeden etwas
Da sitzt der Willi-Schreiber-ling nun ganz ratlos vor seinem Computer und überlegt, über was er denn bezüglich des diesjährigen City-Festes meckern könnte. In den letzten (wieviel?) Jahren hatte er keine Schwierigkeiten dabei, denn mit dem Programmangebot der Vergangenheit hatte man wahrlich keinen Hering vom Teller ziehen, und nur wenig Gäste aus den umliegenden Städten nach Hamm locken können. Sicherlich hatte auch häufig das Wetter seinen Anteil daran. In diesem Jahr allerdings, passend zum 775jährigen Stadt-Geburtstag, zeigte Petrus sich von seiner besseren Seite und unterstützte die Herren Klaus Ernst und Ralf Hohoff vom neugegründeten Stadtmarketing mit ihrem Team, indem er am Wochenende Regen vermied und die Sonne bevorzugte. Und so ist den Veranstaltern diesmal ein City-Fest gelungen, was durchaus mit denen anderer Städte vergleichbar war. Vom Bahnhof, über die gesamte Fußgängerzone bis hin zu Pauluskirche, überall war etwas los.
Erstmals wurden am Freitag auf dem Bahnhofsvorplatz die jüngeren Bürger unserer Stadt bedacht, denn die stehen nun mal nicht immer auf Jazz, Big-Band-Musik oder Cover-Bands. Und so wurden keine Mühen und vor allen Dingen Kosten gescheut und das "Titus Skates Show Team" eingeladen, das von 13 - 18.30 Uhr eine atemberaubende Skate-Show lieferte. Im Show-Block ab 20.30 Uhr traten dann DJ Son-E und DJ Bjonite auf und begeisterten die jungen Zuschauer. An der Pauluskirche lief das Programm für die etwas gesetzteren Zuschauer mit "Böttchers Büro" und den "Take Five".
Doch mein Tag war der Samstag. Das Wetter war noch besser und der Platz vor der Pauluskirche zum Bersten gefüllt. Eine sehr gute Lösung war, dass man dem Platz durch die ringsherum aufgebauten Bewirtungszelte eine gemütliche Atmosphäre verlieh. Man fühlte sich einfach wohl, wie in einem großen Wohnzimmer. Nun hat nicht jeder in seinem Wohnzimmer einen Bierwagen stehen, geschweige denn so viele, aber wer hat auch schon häufig 2500 Gäste zu Hause. Trotzdem klappte die Bewirtung reibungslos, was nicht zuletzt Bierkontor-Chef Frank Gräve´s Organisation zu verdanken war.
Nachdem Harald Sumik mit seinen Knallköppen (Knallfrösche, Uli !!! d. Red.) am Nachmittag die etwas kleineren Gäste unterhalten hatte, boten die Jungs von PETRA eine originelle und kurzweilige Rock-Show mit kabarettistischen Einlagen und witzigen Texten. Das war Klasse, Jungs. Pünktlich um 20.00 Uhr standen die DIRTY WHEELS auf der Bühne und ließen Southside Johnny, Dr. Feelgood, Spencer Davis und natürlich Joe Cocker Revue passieren. Nach einer weiteren Umbaupause, die diesmal etwas üppiger ausfiel, begab sich der Top-Act des Abends, die CULTURED PEARLS auf die Bühne und bemühte sich, das angeheizte Publikum mit ihren Hits zu unterhalten, was ihnen nur bedingt gelang. Dass die Menge nicht "restlos begeistert" war, blieb auch der (sehr guten) Sängerin nicht verborgen, was sie veranlasste, sich zu dem Spruch "sorry, aber schließlich habt ihr ja auch keinen Eintritt bezahlt" zu versteigen ...! Ab etwa 1.00 Uhr coverten GROOVE YARDS wieder was das Zeug hielt und versöhnten die Zuschauer damit.
Super Fest vor dem Bahnhof:
HAMM, SWEET HAMM
Wenn die Maus mit dem Obel . . .
Da habe ich doch kürzlich in einem Leserbrief einer Hammer Tageszeitung wieder einmal lesen müssen, dass in Hamm nix los ist. Sagt mal, liebe Leute, die Ihr solche Absonderheiten ablasst, pennt Ihr eigentlich das ganze Jahr über? Zumindest habt Ihr aber das große Bahnhofsfest auf dem Willy-Brandt-Platz nicht besucht (Oder das City-Fest)! Denn dort war am 16. Juni die Hölle los. Tausende von Leuten haben sich durch das neunstündige abwechslungsreiche Programm führen lassen, und für jeden war etwas dabei. Gegen 14.00 Uhr sollte es losgehen, durch den einsetzenden Platzregen jedoch habe ich mich etwas verspätet und bekam gegen 15.00 Uhr lediglich noch einen Song der WA-BAND mit, die die undankbare Aufgabe hatte, die Pausen zwischen den verschiedenen Programmpunkten mit Musik zu füllen. Das ist für eine Band immer eine dumme Sache, denn man kann in so einem Fall keine, in sich geschlossene, gute Show abliefern. Trotzdem kamen die zeitlosen Hits wie "All right now" oder "Honky Tonk Woman" beim Publikum bestens an und die neun Akteure fühlten sich auf der riesigen Bühne sichtlich wohl.
Dann war ein Quiz an der Reihe, bei dem einige Zuschauer ihr Wissen über unsere Stadt unter Beweis stellen konnten. Ich habe zum Beispiel erfahren, dass sich die höchste Stelle Hamm´s in Bockum Hövel befindet. Das wusste ich noch nicht. Dass der selbe Hammer Ortsteil auch die tiefste Stelle beherbergt, war mir dagegen schon bewusst. Ich hörte kürzlich noch die Bemerkung eines Mitbürgers: "Wenn du in Bockum-Hövel leben musst, erlebst du die Hölle!" (Strenger Verweis, d. Red.) Alles andere hätte ich jedenfalls gewusst, bin ich doch ein echter Hammer. (Au weia, d. Red.) Der Sieger wurde dann später in einer zweiten Runde ermittelt. Nachdem die WDR-Maus die Kinder mit ihrem Augengeklimper und mit ihrer Hopserei begeistert hatte, wurden auf der Bühne drei "Stars" der Endlos-Soap "Verbotene Liebe" vorgeführt und interviewt, die verblüffende Weisheiten über Ihre Schauspielkunst und über Inzest verbreiteten. Armin Mueller Stahl oder Klaus Maria Brandauer müssen sich schon anstrengen, wenn sie gegen diese begnadeten Schauspieler anstinken wollen. (Erneuter strenger Verweis! d. Red.)
Doch um 17.30 Uhr endlich ein neuer Lichtblick am Musikerhimmel über dem Bahnhofsplatz. SPOP, im Moment noch Hamm´s beste Band, übernahm den Part der WA-BAND und bot einige Ausschnitte aus ihrem Programm. In einer ekeligen Glitzerjacke, deren Geschmacklosigkeit allenfalls noch durch die Bühnenkleidung eines Mike Degenhart übertroffen werden kann, bewies Frontmann Patrick Pelzer, dass er zu den besten Sängern und Unterhaltern unserer Stadt gehört. Die Musik von SPOP ist zwar sehr kompliziert, aber die Musiker boten dem Publikum souverän und mit viel Spielfreude ihre besten Songs. Warum sie aber bei der Kürze ihres Programmes einige Nummern zweimal spielten, anstatt mehr Abwechslung zu bieten, blieb mir verborgen. Oder hören sich die Stücke nur alle ähnlich an? (Letztmaliger strenger Verweis! d. Red.) Am frühen Abend schließlich bot DER OBEL den inzwischen sicherlich 8000 Zuschauern Vergnügen pur!
Zlatko und Angela Merkel hätten Andreas Obering und Volker Wendtland sicherlich die rote Karte gezeigt, wären sie vor Ort gewesen, und hätten sie die Späße der beiden verstanden. So wurden die Jungs lediglich vom Publikum gefeiert.
"Hamm, sweet Hamm" war schließlich einer der Höhepunkte des Tages. Der brandneue Song wurde erstmalig live vorgestellt. Auf der Bühne stand eine illustre Gesellschaft, bestehend aus den besten Sängern und Sängerinnen unserer Stadt, mitten unter ihnen auch der Oberbürgermeister, der den Gesangspart des verhinderten Uwe Kröger souverän oberbürgermeisterte! Eine originelle Idee und ein guter Song obendrein.
Und nun endlich das High-light, der Top-Act des Tages, NENA und Band. Nach einem etwas nervendem Soundcheck sprang die quirlige Sängerin gegen 21.15 Uhr auf die Bühne und brachte mit ihrer fantastischen Band zunächst einige neue Songs, die mir alle besser gefielen, als ihre damaligen Hits. Das Publikum empfand wohl das genaue Gegenteil und flippte erst aus, als "99 Luftballons" vorbeizogen, "Nur geträumt" wurde und ich schon im "Bierkontor" beim Bier und Ramazotti (brrrrr) saß. Über die gesanglichen Qualitäten der NENA möchte ich hier im Hinblick auf den bereits erteilten "letzten strengen Verweis" nix schreiben, außer, dass das dünne, brüchige Stimmchen der Sängerin bis heute das Publikum zu beeindrucken scheint. (Hh)
"Get Down to Business"
ALEX PARCHE BAND im HoppeGarden
Zeltinger-Gitarrist bot "Fat City Blues"
Nachmittags, am Wochenende oder vor einem Feiertag aus Richtung Köln nach Hamm zu fahren, muss die Hölle sein, denn die Musiker der ALEX PARCHE BAND waren viereinhalb Stunden unterwegs, bis sie endlich den HoppeGarden erreichten. Und dementsprechend genervt waren sie verständlicherweise auch. Zudem war noch ihr Transporter in die Knie gegangen, so dass sie mit dem PKW anreisen mussten, ohne Bass- und Gitarrenboxen. Aber der Service in der Kulturwerkstatt ist Gott sei Dank perfekt und so bedanken sich die Veranstalter auf diesem Wege bei Jacky Biermann und Uwe Fechner für die Bereitstellung der benötigten Beschallungsorgane!
Und da die Kölner Musiker allesamt sehr nette Jungs sind, lief der Aufbau und Check der technischen Anlage relativ entspannt ab, denn Profis sind sie obendrein noch. Leider war das Wetter etwas zu schön für ein Konzert in einem geschlossenem Raum (Wir freuen uns über jeden Sonnentag!!!! d. Red.), daher musste die ALEX PARCHE BAND vor nur etwa 70 Zuschauern auftreten, was sie aber nicht hinderte, ihre neue CD "Get Down to Business" mit voller Wucht zu präsentieren. Um 22.00 Uhr ging´s los mit dem "Nightmare", ein kräftiger, stampfender Bluesrock aus der Feder von Alex Parche (Gitarre) und
Bill Parks (Harp). Ein weiterer Höhepunkt war für mich "Cool Running Man", ein Song im Stile von ZZ Top, der ebenfalls der Feder der beiden Musiker entsprang. Sänger Mike Feyer hätte ich bei Robert Lembke´s "Was bin ich?" als Rechtspfleger oder Bankkaufmann, niemals je-doch als Sänger oder Musiker entlarvt. Seine Stimme allerdings bewies, dass er eine gute Wahl getroffen hatte, denn hinter einem Bankschalter ist lautes Singen nur in Einzelfällen gestattet beziehungsweise erwünscht. Einen ganz große Glücksgriff hat Alex Parche allerdings mit seiner Rhythmusgruppe getan, denn Robbie Vondenhoff am Schlagzeug und T.S. Crusoe am Bass (beide, wie Alex auch, in der "Zeltingerband" tätig) ließen keine Wünsche offen. Sie waren das perfekte Gespann und boten ihrem "Boss" die richtige musikalische Unterlage für seine ausgedehnten Gitarren-Spaziergänge, oder sollte man besser sagen, Dauerläufe? Auf jeden Fall ist Alex Parche ein Gitarrist, der in der internationalen Szene durchaus bestehen könnte. Trotzdem wollte der Funke erst fast zum Ende des Konzertes das Publikum erreichen, dann aber ging es noch mal richtig ab und nach mehreren Zugaben durfte die Band in die Garderobe. Übrigens, mit Bassist T.S. Crusoe sind wir dann in "Harvey´s Bar" noch so richtig versackt. So, dass er uns fragen musste, "Sagt mal, wo wohne ich eigentlich ...?" (Hh)
An einem Dienstag im "O´Casey´s"
DONNA DEAN & TWO SIDES
Wenn eine neuseeländische Sängerin, Gitarristin und Songschreiberin in London lebt und in Deutschland Konzerte gibt, was kommt dann dabei heraus? Nein, kein biertrinkender Kiwi mit schlechten Essgewohnheiten, sondern, jedenfalls in diesem Fall, gute Musik! Davon konnte man sich am Dienstag, den 19. Juni im O´Casey´s persönlich überzeugen, denn an diesem Tag gab die Musikerin Donna Dean mit ihren beiden Mitstreitern Reinhard Potschinski (Gitarre) und Thorsten Stracke (Akkordeon) in der gemütlichen Kneipe an der Ritterstraße ein Konzert. Mit ihrer klaren, ausdrucksstarken Stimme begeisterte die sympathische Sängerin das Publikum nicht zuletzt durch ihre natürliche Ausstrahlung. Neben eigenen, sehr melodiösen Balladen überzeugte Donna Dean mich persönlich besonders mit ihren Countrysongs von unter anderem Merle Haggard, Willie Nelson oder, wenns denn schon sein muss, auch von John Denver. Sich selbst auf einer Mini-Ausgabe einer akustischen Gitarre mit herrlichem Klang begleitend, wurde Donna Dean von Reinhard Potschinski auf seiner beeindruckend gespielten Acoustic-Gitarre unterstützt. Und Thorsten Stracke setzte dem Sound ein Sahnehäubchen auf, mit seinem Akkordeon oder manchmal mit Bongos. Das Publikum belohnte die drei Musiker mit begeistertem Applaus. (Hh)