Psycho-Beratung

Meine Frau ist Talkshowsüchtig!

Eine psychologische Leserverrohung von Dipl.-Psychol. Dr. Sonja-Renate Rüpelhof-Lammkoether

Liebe Frau Rülpshaus La hmköter,

ich bin seit Jahren ein eifriger Leser Ihrer Kolumne und weiß daher, dass es eher die Ausnahme ist, wenn Sie einen Hilferuf eines Mannes erhalten. Das liegt sicher daran, dass wir Männer nun mal souveräner und nüchterner mit Problemen umzugehen verstehen, als unsere weiblichen Mitbürgerinnen. Trotzdem gebe ich unumwunden zu, dass ich mit meinem Problem nun nicht mehr fertig werde, daher wende ich mich vertrauensvoll an Sie.

Ich heiße Hans-Jochen Vögeli, bin 46 Jahre alt, keine Kinder, habe einen stattlichen Stallhasen als Haustier, und eine Frau. Bärbel heißt sie vorne, und hinten Vögeli, wie ich. Sie ist 44 Jahre alt und dick, sehr dick sogar. Und das kommt vom Fernsehen. Der spinnt, werden Sie nun sagen, aber lassen Sie mich erklären.

Meine Gattin liebt Talkshows über alles. Schon mittags hängt sie vor dem Fernseher, isst und zieht sich die dicke "Vera am Mittag" rein, ab 13.00 Uhr ist Oliver Geissen fällig, während ab 14.00 Uhr zwischen Bärbel Schäfer und Peter Imhof gezappt wird. Um 15.00 Uhr steht Andreas Türck vor der Tür und ab 16.00 Uhr nervt Nicole mit ihrer Sendung die Zuschauer und meine Frau. Um 17.00 Uhr ist dann eigentlich Schluss mit den Talkshows, aber meine Bärbel legt dann erst so richtig los, denn sie ist immer sehr betroffen von den Schicksalen der Talkgäste und lebt die Themen förmlich nach. Kürzlich kam ich nach Feierabend nach Hause und hatte eigentlich mein Essen auf dem Tisch erwartet (Das klappt schon noch meistens, denn wir haben auch einen Fernseher in der Küche). Aber diesmal war es nix mit Essen. Meine Gattin hatte bei Bärbel Schäfer eine werdende Mutter erlebt, die ihre Schwangerschaft nicht akzeptieren wollte. Also hatte sich meine Gemahlin ein Sofakissen unter den Kittel geschoben, fraß ununterbrochen Gurken mit Erdbeeren und Sahne, simulierte auf dem Wohnzimmertisch Press-wehen und lehnte jegliche Hausarbeit entschieden ab. Na ja, was sollte ich machen, ich ging ins Gasthaus zum Essen. Dass es dann abends etwas später wurde, weil ich an der Theke noch einige Freunde getroffen hatte, ist doch verständlich, oder? So sind wir Männer nun mal. Außerdem hatte ich Angst, dass ich wieder mit Schokoladenpudding gefüllte Windeln zum Mülleimer tragen sollte. Das war nämlich schon einmal passiert, als meine Bärbel bei Analbella Kiesewetter einen vierzehnjährigen Buben erleben musste, der wegen traumatischer Erlebnisse im Mutterleib auch mit vierzehn Jahren seinen Stuhl nicht halten konnte und nicht mal in der Lage war, seine gefüllten Windeln selbstständig in den Garten des Nachbarn zu tragen. Können Sie sich vorstellen, was ich da mitmachen musste?

Aber das ist noch lange nicht alles. Bei "Vera am Mittag" saß neulich eine unbefriedigte, unausgelastete Hausfrau mit einem überdurchschnittlich hohem Lebendgewicht (welches etwa dem meiner Gemahlin entsprach), die sich in den Mittagsstunden regelmäßig als Domina betätigte, und gutsituierten, seriösen Herren in gehobener Stellung den Popo verhaute. Meine Gemahlin rief mich also eines Mittags auf meiner Arbeitsstelle an und ließ mir ausrichten, ich möge bitte unbedingt sofort nach Hause kommen, es handele sich um einen Nottfall. Als ich zu Hause an kam, stand sie vor mir, ihre gewaltigen Massen (1,62 m / 103 Kilo) in meinen (1,78 m / 68 Kilo) Surf-Anzug gepresst, auf dem Kopf eine Bommelmütze, bis ans Kinn heruntergezogen und mit Sehschlitzen versehen, an den Füßen hochhackige, rote Pumps von unserer Nachbarin und eine Nudelrolle in der Hand. Sie hat mich dann durchs ganze Haus verfolgt, weil ich mich nicht verhauen lassen wollte und weil ich nicht dem Idealbild eines gutsituierten, seriösen Herrn entsprach. Aber schließlich hatte ich auch meine Arbeitsbekleidung an, die nun mal nicht einem Generaldirektor, wohl aber einem Müllkutscher, der ich bin, entspricht. Natürlich hat sie mich erwischt.

Doch der Hammer kommt jetzt. Vor ein paar Tagen war mir während der Arbeit schlecht geworden, weil ich am Vorabend meine Mahlzeit wieder im Gasthaus einnehmen musste und es wieder spät geworden war. Als ich zu Hause ankam, war Bärbel nicht da, und ich dachte mir, ich sollte mir auch mal eine Talkshow ansehen, um mitreden zu können. Ich knipste Bärbel Schäfer an und erstarrte; in der Reihe der Talkgäste saß meine Gattin im Outfit eines "Bunny" (Playboy-Häschen) und gestand einem Millionen-Publikum, dass sie seit Jahren die Geliebte eines stattlichen Stallhasen von zwölf Kilo sei, und dass ihr das Übergewicht ihres heimlichen Lebenspartners nicht das Geringste ausmacht. Lediglich seine beiden Vorderzähne störten beim Küssen und dass sie deshalb schon einen Psychoanalytiker aufsuche, der ihr aber bisher nicht habe helfen können. Seitdem leide sie unter Appetitlosigkeit.

Sagen Sie, liebe Frau Doktor, was soll ich tun? Ich bin ganz ratlos.

Hans-Jochen Vögeli, Hamm-Drechen.

Lieber Hans-Jochen,

Sie können den Appetit Ihrer Gemahlin wieder ankurbeln, indem Sie am nächste Sonntag einen stattlichen Hasenbraten servieren . . !

Herzlichst, Ihre Reni