Unterwegs mit Willi

"Arena" Oberhausen:

NEIL YOUNG & CRAZY HORSE

Eine Reise in die Rock-Geschichte

"The Black Crowes" im Vorprogramm, das allein war schon der Hammer, denn die Band, die letztens erst mit Jimmy Page auf der Bühne stand, ist schon eine Reise nach Oberhausen wert. Die "Arena" war am 23. Juni mit ca 10.000 Besuchern fast ausverkauft, als die Band unter eigenartigem Intro-Getöse aus den Lautsprechern unter der Hallendecke die Bühne betrat und einen manchmal indianisch beeinflussten Rock´n Roll hinlegten, der schon gewaltig war. Erfreulich, dass diese Vorband vom Publikum wirklich gewollt und begeistert gefeiert wurde. Im Gegensatz zu "Southside Johnny" zwei Tage zuvor beim Bon-Jovi-Konzert in Köln, wo der hervorragende Support-Act lediglich geduldet wurde. Das Oberhausener Publikum wur-de dafür mit einem Super-Konzert belohnt, auch wenn es lediglich 45 Minuten dauerte.

Der Umbau danach dauerte schließlich ebenfalls 45 Minuten, denn der legendäre NEIL YOUNG und seine CRAZY HORSE lieben es gemütlich. Indianische Teppiche, eine überlebensgroße Figur des Häuptlings "Crazy Horse" neben dem Harmonium auf der linken Bühnenseite, Kerzen überall auf der in violettes Licht getauchten Bühne und das Piano auf der rechten Bühnenseite gaben dem Podium eine anheimelnde Wohnzimmeratmosphäre. Und dann betrat um 21.30 Uhr der große (alte?) Mann der amerikanischen Rock-Geschichte die Bühne. In einem karrierten Baumwollhemd, verwaschenen Jeans, einen Cowboyhut auf das lange, graue Haar gedrückt und begleitet von seiner langlangjährigen Band "Crazy Horse", immer noch in Original-Besetzung. Noch nie habe ich das Publikum in einer so großen Halle derart brüllen gehört, wie bei dem Auftritt dieser Rocklegende. Die ersten Songs des Abends waren mir nicht bekannt, "Don´t Cry" oder "We Want Rock" zum Beispiel. Oder der, bei dem Neil Young sich ans Klavier setzte und eine ganz langsame Ballade spielte, zu der er ein wunderschönes, melodiöses (!) Solo auf seiner uralten Gibson-Gitarre spielte. Dann aber, nach etwa 40 Minuten, kamen all die alten Songs, die wir alle kennen und lieben. Zuerst Neil Young allein, nur mit seiner Gitarre, seiner Harp und seiner Stimme. Dann wieder mit den "Crazy Horse": "Like A Hurrican" (mit brachialer Gewalt), "Powderfinger" (ein Countrysong), "After The Goldrush" (wieder allein, nur mit Harmoniumbegleitung) und das gewaltige "Hey,Hey, My,My" (Rock´n Roll Will Never Die"). Beeindruckend immer wieder, wie Neil Young sich auf der Bühne verausgabt, seine Gitarre quält oder streichelt, der mehrstimmige Gesang seiner Band, der manchmal an die großen Zeiten von "Crosby, Stills, Nash and Young" erinnert. Das Publikum, gemischt von einem halben Jahr (!) bis sicherlich siebzig Jahren, feierte mit seinem alten Freund Neil Young eine grandiose Wiedersehensfeier, von der er sich mit dem "Cinnamon-Girl" als Zugabe unter frenetischem Applaus verabschiedete. Ein Erlebnis! (Hh)