Liebe Kinder, liebe Mütter, liebe Christiane Prinz!
Vorsicht vor überindividuellen Namengebungsextravaganzen! Man soll sich nach Möglichkeit nicht hämisch über andere Leute lustig machen. Aber man will ja immer das machen, was man nicht soll. Und weil sie wissen, wie schlecht die Welt ist, werden sich wohl auch die meisten angehenden Eltern zusammenreißen können, und ihren Sprössling nicht mit Vornamen wie Pumuckl oder Satan oder Schindluder verunzieren. Auch wenn sie Pumuckl oder Satan oder Schindluder noch so schön finden! Denn der Spross wird, das ist gewiss, im Zuge seines Heranwachsens mit solch einem Namen nur Verunglimpfungen, Gespött und Gehänsel einheimsen. Diese Tatsachen offenbar bedenkenlos in den Wind schießend, äußerte neulich im Fernsehen irgendeine prominente Person anlässlich ihrer drohenden Niederkunft das Bestreben, den armen Wurm (welches Geschlecht jener haben sollte, ist mir entfallen) Das Teil zu nennen, bloß hätten leider die Behörden was dagegen gehabt. Wenn ich die Behörden wäre, hätte ich auch was dagegen gehabt! Nun muss die Dame sich wohl was anderes ausdenken. Sie soll aber bloß nicht auf die Idee verfallen, das Würmchen gar Adolf nennen zu wollen. Das kann ja nur schlimme Konsequenzen nach sich ziehen. Ich kenne übrigens jemanden, der mit Vornamen tatsächlich Adolf heißt (eventuell aber auch Alfons oder Adolph), allerdings kenne ich den Herrn nicht so intim, dass ich ihn zu dieser Problematik mal hätte befragen können. Vielleicht ist er ja ganz zufrieden. Ich möchte wirklich niemandem Probleme unterstellen, die er gar nicht hat. Aber so ein hilfloser unschuldiger Wurm! Kann man den Adolf nennen? Hm! Also, ich weiß ja nicht. Ich würde sagen: eher nein. Man muss sich das mal ausmalen, da kommt der Wurm der Mutter z.B. im Allee-Center vorübergehend abhanden und plötzlich trompetet es durch den ganzen Komplex: "Der kleine Adolf sucht seine Mutter! Er kann an der Information abgeholt werden!" oder sowas. Und alle schütteln entrüstet die Köpfe und dann will wieder keiner die Mutter sein. Aus Scham. Und der kleine Adolf? Er ist wie ein aus dem Nest gefallener Vo-gel. So ein Kind will keiner mehr haben. Da hilft auch kein
Ommawörterbuch Teil 10
stibitzen - stehlen, unaufgefordert entwenden
das ist ja zum Piepen / ich lach mich schimmelich - starken Lachreiz durchleben
verdorrichtnochma, ver-dammichnocheins - ärgerlicher Ausruf
Ganz anders hingegen der Lebensweg der Menschen mit anständigen, vernünftigen, bodenständigen Vornamen. Ein gutes Beispiel hierfür gibt Christiane Prinz, die ich sofort zur Ehrenanachronistin des Monats küren möchte. Sie ist die Urheberin eines aufwendigen Leserbriefes, gespickt mit fantastischen Ommawörterbuchergänzungen. Ich bin immer noch ganz gerührt! Schon Ihnen zuliebe, Frau Prinz, werde ich mich bemühen, das Ommawörterbuch weiterzuführen bis zum St. Nimmerleinstag. Mindestens! Hätte Frau Prinz nicht Christiane sondern etwa Brünhild-Mercedes geheißen, ja, wer weiß, ob sie sich überhaupt getraut hätte, zu schreiben.
Hasta la vista Eure Bianca