Die Hand am Ohr

Skatkurs für Aufsteiger

Von André Schörnig

Bei meinen Kneipensauftouren muss ich in letzter Zeit beängstigt feststellen, dass die Skatkultur in unserem Lande immer mehr durch moderne Zerstreuungen wie Dart, Billard oder Kneipenalkoholmessgerät abgelöst wird. Zu einer ordentlichen Partie Skat scheint keiner mehr in der Lage zu sein. Aus diesem Grunde habe ich mich hingesetzt und diesen Skatkurs entwickelt, der Anfängern aber auch Skatprofis mehr Freude, Sicherheit und Erfolg beim Skat bescheren soll. Über Leser-Reaktionen freue ich mich natürlich wie immer, bleibt nur zu sagen, dass ich es leider nie gelernt habe Skat zu spielen, ich messe lieber meinen Alkohol-Blutwert.

Allgemeine Regeln:

Grand zählt immer 24, Hand-Spiele die verloren sind, zählen nicht doppelt, auch wenn der Wirt vom Kloster-Drubbel was anderes behauptet. Bei 31 Augen ist man aus dem Schneider, auch wenn man dazu mindestens 16 Mitspieler braucht, und mit 61 darf man sich verwerfen, aber bitte nicht zu laut, und nicht unter den Nachbartisch! In diesem Alter sollte man sowieso lieber zu Hause sitzen und Malefitz spielen!

Am besten Sie nehmen sich gleich mal ihr Sparkassen-Standardspiel zur Hand, und probieren das mal aus.

Das Reizen:

Merke: "Geben - Hören -Sagen", also "Sagen" gleich "Reizen". Im Uhrzeigersinn: Hinterhand, Vorhand, Mittelhand = H,V,M. Ich brauche nicht zu erwähnen, dass es gut ist immer etwas in der Hinterhand zu haben ohne es jedem auszuplaudern!

Beim Reizen sollte man besonnen vorgehen und nicht mit Gewalt ein Spiel machen wollen. Wer glaubt, dass beim hoch-Reizen nur Null-Spiele rauskommen, ist ein Narr und sollte lieber Dart spielen!

Beispiel.: Hier mal ein Pik-Hand-Spiel mit Veren Schneider angesagt: Mit Vieren, Spiel 5, Hand 6, Schneider 7, angesagt 8, mal Pik = 8 x 11 = 88. Wie jeder sieht ist hier Zurückhaltung geboten, beim Überreizen wäre selbst ein gewonnenes Spiel verloren.

Wer das stärkste Blatt hat darf also spielen; d.h. er muss vorweg "drücken", sofern nicht "Hand" gespielt wird, aber wie soll das in unserem Beispiel schon passieren?

Na, alles nachgespielt? Dann geht es jetzt weiter zum "Drücken"

Drücken:

"Drücken" darf nur wer das "Reizen" gewonnen hat und mindestens "achtzehn" gesagt hat, "siebzehneinhalb" reicht nicht aus, und wenn sie sich auf dem Kopf stellen oder ihr Spiel verwerfen! Wer "Drückt" darf den Skat aufnehmen wenn kein Hand-Spiel gemacht wird, und zwei Karten drücken, entweder auf den Tisch, oder dem Gegner in die Augen.

Man sollte erstmal eine Farbe "blank"-drücken und bei zwei besetzten Zehnen natürlich diese beiden drücken.

Beim Grand ist es wichtig,

Augen zu drücken, das geht dann im Uhrzeigersinn, außer beim "Hand-Spiel", da drückt jeder jedem die Augen aus. Merke: Beim 100%-Grand sind jeweils (!) vier Volle nach Hause zu bringen. Ihre Frau wird sich freuen wenn sie Ihre drei besoffenen Kumpels noch mitbringen!

Meistens können Sie dem entgehen, wenn sie eine Karte aus den Blinden nehmen und eine nicht, das ist zwar ganz schön fies, weil sie einem Gegner eine Karte klauen müssen, dessen Augen schon mehrfach gedrückt wurden, und der jetzt nichts mehr sehen kann, aber wir wollen schließlich den Skat nach Hause holen!

Null-Spiele:

Null-Spiele sind deshalb uninteressant, weil ja keine Karten mehr im Spiel sind, und alle Augen gedrückt sind. Meist ist nicht mal eine blanke 8 in der Vorhand, und es wurde nicht mit Null oder Null- ouvert eröffnet. Dieser Fall ist ziemlich langweilig, und ich schlage in diesem Fall immer eine Partie Billard oder Dart vor.

Mit freundlichem Gruß,

André Schörnig (nach Diktat verworfen)