Meine Frau hat mich verlassen!
Eine püschologische Lederbereifung von Dipl.-Psychol. Dr. Sonja-Renate Rüpelhof-Lammkoether.
Liebe Frau Sülzhoff-Lammkotelett,
ich bin ganz unglücklich, denn meine Frau hat mich und die Kinder verlassen. Warum ist er dann unglücklich, werden Sie sich fragen, das ist doch schön. Im ersten Moment könnte man das annehmen, aber ich habe ein Problem; ich weiß gar nicht warum sie ihren langjährig angetrauten Ehemann im Stich gelassen hat.
Trude und ich haben am 1. April 1985 im gesegneten Alter von 41 Jahren im Dorfstandesamt von Freiske geheiratet. Unsere Kinder, Knut und Heidi, alles Mädchen, außer Knut, waren hocherfreut, dass ihre Eltern endlich den Weg zum Traualtar, nach langer Suche, gefunden hatten. Auch meine damalige Freundin Jutta war mit der Hochzeit einverstanden, da sie großes Interesse an meiner finanziellen Unabhängigkeit hatte, denn meine Gattin ist wohlhabend. Nach der Hochzeitsfeier, die ich im Kreise meiner alten Freunde und ihren Freundinnen nach der Trauung in der Gaststätte "Zum Gallberger" veranstaltet habe - meine frische angetraute Gattin war unpässlich - unternahm ich eine vierwöchige Hochzeitsreise nach Bangkok. Als ich nach Hause zurückkam, empfing mich meine Trude mit offenen Armen und ebensolchem Nachtgewand. Ich erfüllte meine angeheirateten ehelichen Pflichten ebenso, wie die Aufgaben, die ein Ehemann nun mal mit in die Ehe zu bringen hat. Mindestens einmal im Monat brachte ich den Müll in den Keller, wo meine liebe Gemahlin ihn dann nur noch in Tüten zu verpacken und in die Mülltonnen zu verbringen hatte, und jeden Freitag, wenn großer Hausputz angesagt war, wich ich in meine Stammkneipe aus, um meiner Frau nicht im Wege zu stehen, denn ich bin bei des Heimes Pflege recht ungeschickt. Unsere Kinder sind eigentlich auch wohlgeraten, na ja unsere gemeinsamen Kinder sind es nicht. Sie entstammen schon eher dem Schoß meiner damaligen Freundin Jutta, aber wir meinten, dass sie in unserem Haushalt besser aufgehoben wären, denn Jutta weilte für ein paar Jahre in der JVA Werl. Trotzdem versuchte meine Frau, die beiden kleinen Lieblinge wie ihre eigenen Kinder aufzuziehen und zu mögen, was zugegebenermaßen in Anbetracht ihrer beginnenden und vielversprechenden Karriere in der Automaten- und Fahrradbranche nicht immer ganz leicht war. Sie haben uns dann auch immer wieder mal für ein paar Wochen, dann für ein paar Monate alleinlassen müssen, was meine Gemahlin und ich stets zum Anlass genommen haben, unsere Ungebundenheit zu genießen und unsere Freizeit viel intensiver zu gestalten. Nun kränkelt mein Trudchen seit Jahren etwas, was sie leider daran hindert, meine Vorlieben mit mir gemeinsam auszuleben. Daher war ich gezwungen, ohne sie meine Reisen zu unternehmen, denn Wasserski, Segeln, Bergsteigen, Skifahren oder Drachenfliegen war ihr aufgrund ihrer angegriffenen Gesundheit, sie leidet unter Sommersprossen, nicht möglich. Sie meinte aber fürsorglich, ich könne doch nicht allein in die Welt hinausziehen und all diese Dinge tun. Natürlich konnte ich sie beruhigen, denn Carmen, eine befreundete Bekannte würde mich begleiten, keine Sorge also. Meine Frau allerdings zeigte sich uneinsichtig, und damit begann unsere, beziehungsweise ihre, kleine Ehekrise. Als Carmen und ich dann nach ein paar Wochen wieder in unser kleines Haus zurückkehrten, war meine Gattin gerade dabei, das Gästezimmer für sich vorzubereiten, denn ich hatte unsere Rückkehr natürlich angekündigt. Die Kinder waren noch für ein paar Wochen in Gewahrsam, daher hatte mein Trudchen noch viel Zeit, ihre neue Haushaltshilfe kennen und schätzen zu lernen, denn ich hatte Carmen natürlich lediglich zu ihrer Entlastung mit nach Hause gebracht. Natürlich hält niemand das Haus so perfekt in Ordnung, wie meine Frau, aber solche Dinge wie Parties feiern, Kinogehen, Beischlaf, Extrembeischlaf oder Einkaufsbummel sind Trude nun mal zuwider, Carmen dagegen ist ganz wild auf solche Dinge. Alles ging auch etliche Monate ganz gut so, die Kinder waren inzwischen wieder zu Hause in der Obhut und unter der Fuchtel meiner Gemahlin, und unser Eheleben war recht harmonisch, auch, wenn ich nur recht selten das Gästezimmer betreten habe. Aber als dann schließlich unser drittes Kind geboren wurde, Carmen war etwas involviert, begann meine Frau etwas nickelig zu werden. Das ging dann soweit, dass Carmen und ich vor ein paar Tagen voneinem Kurzurlaub auf den Malediven zurückkehrten und die Schlösser an unserem Haus ausge wechselt waren, unsere persönlichen Sachen waren in einem Schließfach am Bahnhof deponiert und meine Gemahlin Trude weilte mit ihrem Freund auf den Niederländischen Antillen. Liebe Frau Doktor, können Sie mir sagen, was ich davon nun halten soll? Was soll ich tun?
Mit freundliche Grüßen
Hans-Ludger Große-Wittmeier, Freiske, z.Zt. Perthes-Haus.
Lieber Hans-Ludger,
mieten Sie sich fünf weitere Schließfächer im Bahnhof und ziehen Sie dort ein.
Herzlichst, Ihre Reni