Rückblick

"Herbstlich Willkommen"

THE BLUEBYRDS

Duo überzeugte im Hoppe Garden

Zum Auftakt der Veranstaltungswoche "Herbstlich Willkommen" gastierte am Freitag, den 21. September das Recklinghausener Bluesduo "The Bluebyrds" im Hoppe Garden der Kulturwerkstatt. Schon am 1. September dieses Jahres gaben sie eine Probe ihrer Kunst auf dem Isenbeck-Country-Fest auf dem Willy-Brandt-Platz, wo "Crazy" Chris Kramer (Harp, Guitarre, Gesang) und "Slidin´ John, (Electric- und Acoustic-Gitarre, Dobro und Gesang) allerdings mit Songs aus ihrer "Country-Abteilung" das Publikum beeindruckten. Im HoppeGarden gab es nun den Blues, und zwar in allen erdenklichen Variationen. Das Konzert begann um 21.30 Uhr mit Robert Johnsons "Crossroads", einem Klassiker, der aus keinem Bluesprogramm wegzudenken ist. Während "Slidin´ John die Dobro "slidete", benutzte Chris Kramer abwechselnd zwei verschiedene Harps und zeigte gleich zu Anfang, wo es bei diesem Konzert langgehen sollte. Immer wieder sollte er an diesem Abend an den vorderen Bühnenrand treten, um das Publikum mit seinem exzellentem und virtuosem Harmonika-Spiel zu begeistern, wobei ich den höchsten Ton vernahm, den ich je auf einer Harp gehört hatte. Dann begann Gitarrist Slidin´ John mit einem tollen Intro auf der Slide-Gitarre um in den "Ghost Blues" des großen Rory Gallagher zu münden, das von einem fantastischen Slideguitar-Solo gekrönt wurde. Im Anschluss daran brachten die beiden Musiker eine sehr interessante Version von Bob Dylan´s "All along the Watchtower", so ungewöhnlich, dass ich es zunächst gar nicht erkannt habe. Dass "The Bluebyrds" nicht nur hervorragende Musiker, sondern auch gute Songschreiber sind, bewiesen sie im Laufe des Abends gleich mehrfach, denn die eigenen Songs fügten sich harmonisch in das Programm ein, welches sich in erster Linie natürlich aus Coverversionen der großen Kollegen zusammensetzte. Mehrfach wechselte Slidin´ John an diesem Abend seine Gitarren, und immer dann, wenn er eine uralte Halbresonanz-Gitarre zur Hand nahm, durfte man sich auf fantastische Slide-Soli freuen, die der Gitarrist perfekt beherrschte, und die einen nicht selten an Ry Cooder erinnerten. Ein Zitat von Jimi Hendrix´ "Voodoo Chile", mit Wah Wah gespielt, leitete in einen rasanten Rock´n Roll über, den die beiden Musiker ebenso perfekt beherrschten, wie den langsamen, etwas bedrohlich klingenden "Louisiana Swamp Night Mare". Immer wieder ging Chris Kramer mit seiner Harp durch das Publikum und bewies eindrucksvoll, dass er zu den führenden Harpern Deutschlands gezählt werden darf und Slidin´ John müsste bei seinem fantastischen Gitarrenspiel eigentlich viel höher auf der Hitliste der deutschen Gitarristen stehen. Aber vielleicht kommt das noch. (Hh)

Qualität aus Holland:

The JULIAN SAS BAND

Top-Bluesband begeisterte Publikum

Nachdem die "Bluebyrds" am Freitag schon richtig eingeheizt hatten, sollte die "JULIAN SAS BAND" am Samstag ein richtiges Donnerwetter heraufbeschwören. Und weiß Gott, es wurde eines. Als ich nachmittags beim Aufbauen der Anlage sah, was die drei Musiker aus Holland dort auf die Bühne schleppten, dachte ich mir, oh oh, das wird aber laut. Zwei komplette Marschall-Anlagen allein für den Gitarristen. Aber dann beim Soundcheck erwies sich, dass es zwar kein Kammerkonzert werden würde, niemand aber Angst um seine Ohren haben musste. Der Sound war glasklar, sehr warm und angenehm, obwohl noch kein Publikum im Raum war. Die Band war bereits am Mittag in Hamm eingetroffen und hatte im City Hotel eingecheckt, bevor sie einen Stadtbummel unternommen hatte. Wie ich vom Tourbegleiter erfuhr, steht Julian Sas auf "Saturn" und war hocherfreut, dass es auch in Hamm so einen Laden gibt, denn er pflegt dort immer seine CD´s zu kaufen. Das brachte mit sich, dass die drei Holländer sehr entspannt und gut gelaunt zum Soundcheck erschienen und genügend Zeit hatten. Der HoppeGarden füllte sich nach und nach und um 22.00 Uhr betrat die JULIAN SAS BAND unter Beifall der Zuschauer die Bühne und legte sich gleich in die Vollen. Mit einem gewaltigen Bluesrock begannen die drei Musiker ihr Konzert, um dann in einen gaanz langsamen Slow-Blues zu gleiten, der sich steigerte um mit einem beeindruckenden Soundgewitter zu enden. Natürlich wurde die neueste CD "Spirits On The Rise" vorgestellt, "I Believe To My Soul", das langsame "A Light In The Dark" oder der fetzige Blues "Right Thing", um nur einige zu nennen. Richtig ging die Post ab bei einem Boogie in echter John-Lee-Hooker-Manier, denn Julian Sas ist ein großer Fan des erst kürzlich verstorbenen Bluesgiganten. Nun holte Julian Sas eine alte Gibson-Firebird hervor und betrat die Johnny-Winter-Abteilung. Mit seinem Slideröhrchen zauberte er Töne aus der alten Gitarre, dass einem Hören und Sehen verging. Johnny Winter würde vor Freude im Grabe rotieren, läge er schon darin. Aber Gott sei Dank weilt er noch unter uns und kann hoffentlich noch viele Gitarristen mit seinem Stil inspirieren, wie eben auch Julian Sas. Aber auch Rory Gallagher gehört zu Julians Favouriten und daher stammte das letzte Stück vor der Pause auch aus dessen Feder. Fünfundsiebzig Minuten dauerte der erste Set und viele Leute glaubten, jetzt ist Schluss. Aber es war nur eine zwanzigminütige Pause, dann ging es noch mal so richtig zur Sache und die JULIAN SAS BAND lief erneut zur Höchsform auf. Der freundliche, hochgewachsene Holländer beeindruckte das begeisterte Publikum mit seinem unglaublichen Gitarrespiel und mit seiner beeindruckenden Bühnenpräsenz und Pierre "Boogiemachine" de Haard an den Drums sowie Phil Poffe am Bass überzeugten durch ihre Perfektion und Spielfreude. Die JULIAN SAS BAND ist in Holland bereits seit langem kein Geheimtip mehr, sondern der absolute Top-Act im Bluesbereich. Es wird Zeit, daß auch die deutschen Bluesfans das erkennen. (Hh)