Ansichten einer Anachronistin

Liebe Schlaumeier und -berger!

Jetzt kann man im Fernsehen ja den kleinen Hunger als Steifftier gewinnen. Ich glaube, diese Werbung spricht mich nicht an. Ich will auf keinen Fall den kleinen Hunger gewinnen. Und als Steifftier schon mal gar nicht. Und sollte ich jemals den kleinen Hunger als Steifftier gewinnen wollen, dann möchte ich, dass mir jemand diesen Scheiß schnell wieder aus dem Kopf schlägt. Ja, richtig, schlägt, sofern es nötig ist. Ich weiß nicht, wo das noch alles hinführen soll. Diese Leute, die sich das ausgedacht haben, glauben doch nicht allen Ernstes, dass das zeitgemäße Kind von Heute auf seinen Wunschzettel nicht mehr schreibt: ich möchte gern zu Weihnachten die neue Playstation, einen neuen Computer (mit DVD), die No-Angels-Barbie oder eventuell das niedliche Plüschhäschen von Kaps, das so echt aussieht sondern den kleinen Hunger?! Sowas Beknacktes kann doch niemand glauben! Das ist ja an den Haaren herbeigezogen. Viel schöner war meine Lieblingswerbung im September: der September war nämlich der Monat der Mundgesundheit. Das nenne ich originell. Das hat Pep. Den Monat der Mundgesundheit hat eine berühmte Zahnpastafirma ersonnen und wenn ich mich jetzt daran zurückerinnere, keimt sofort wieder der Drang zur Zahnreinigung in mir auf. Und noch etwas keimt auf. Nämlich das

Ommawörterbuch Teil 12

Flümmerkes - winzige Partikel, z.B. in Orangensaft mit Fruchtfleisch

Ippse - kleinwüchsige Person (fem.)

piesacken - jmd. ärgern

Zahnpastafirmen nennen übrigens ihre Zahnpasta komischerweise nie Zahnpasta sondern immer Zahncreme. Versähe man das erste e in Creme auch noch mit einem in anderen Sprachen gebräuchlichen Flümmerken, dann käme Zahncréme heraus und das hätte gleich so etwas gourmetmäßiges. Die Zahncréme sollte dann aber mindestens Hähnchenbrustfilet - in - Kräuter- sahnemarinade-Geschmack vorweisen können. Für mich persönlich wäre aber auch Mousse-au-Chocolat okay. Die neue Colgate-Mousse-au-Chocolat würde in mir sicher eine dankbare Käuferin finden. Werbemenschen sind schon ein ganz schön schratiger Verein. Das aus dem wirklichen Leben stammende Wort Pasta wurde einfach vom mundhygienischen Bereich in die Gefilde des Fraßes transferiert. Nie, nie, nie sage ich: oh, was kochst Du denn da Schönes, aha, Pasta! Sagen Sie sowas? Ich sage immer Nudeln. Wenn ich Gäste zum Essen einlüde und großartig ein raffiniertes Pastagericht ankündigte und den Gästen mit ihren gierigen Gästevisagen dann doch nur Mirácoli kredenzte - ja, da würden die aber ganz schön doof aus der Wäsche gucken.

naseweis

Eure Bianca