Rückblick

"Kampmann-Räume"

"Das Herzstück schlägt im Kulturrevier", titelte der WA, und in der Tat berührte die Eröffnung der "Kampmann-Räume" auf Radbod die Herzen aller Anwesenden. Kurz zur Vorgeschichte: Axel Kampmann, begeisterter junger Musiker, kam 1995 durch einen Stromschlag beim Gitarrespielen ums Leben. Seine Familie gründete daraufhin den "Axel Kampmann-Fonds" mit der Zielsetzung, junge Musiker und Bands in Hamm optimal zu fördern, wobei auf sichere Proberäume besonders Wert gelegt wird. Viel Unterstützung kam für diese gute Sache zustande, und in Zusammenarbeit mit dem Kulturrevier Radbod konnten schließlich auch geeignete Räumlichkeiten gefunden und ausgebaut werden. Es entstanden ein Intensiv-Proberaum, eine mit Instrumente ausgestattete Musikwerkstatt sowie ein Midi-Studio. Alles wurde nun am 28. September mit einer Feier eingeweiht. Für das Kulturrevier zeigte sich Ulli Wehmeyer glücklich über die gute und erfolgreiche Zusammenarbeit, für den "Kampmann-Fonds" sprach Stefan Kampmann bewegende Worte des Dankes an alle, die dieses großartige Projekt mit unterstützt haben. Zur anschließenden Besichtigung der Räume zeigten die Gruppen CRAP und QUE PASA, was auf "Kampmann" abgehen kann. Aber noch an viel mehr ist gedacht: Workshops mit Schulen und Instrumentalunterricht, Austausch mit lokalen und regionalen Initiativen und weitere Bandförderung sind einige Stichwörter für das, was den Verantwortlichen vorschwebt. Dafür wurde nun auch eine musikpädagogische Honorarkraft eingestellt. Weitere Infos und Anfragen an Kulturrevier Radbod, Tel: 02381- 59 96 26 oder direkt an Karsten Wolff, Tel: 0174 – 99 11 973

Harmonica Pete

blueste im Geronimo

Dass es sich bei "Harmonica Pete & The Blues Jukes" um eine der gefragtesten Blues-Bands Deutschlands handelt weiß man, wenn man sich in dieser Szene ein bisschen auskennt. Im ganzen Land haben sie ihre Fans und das nicht nur wegen der zahlreichen Auftritte, sondern wegen der souveränen musikalischen Leistung, die diese Jungs aus Recklinghausen immer wieder hinlegen.

Natürlich begeisterten sie auch im Geronimo das Publikum mit ihrer Mischung aus Westcoast Jump und Chicago Blues, während der Profimixer Denis aus Ungarn an der Theke die herrlichsten Cocktails kredenzte.

King Ralph, Geronimo-Chef, hätte eigentlich zufrieden sein können, wenn da nicht die Lautstärke gewesen wäre, die ihm sichtlich Sorgen bereitete. Aufgeregt ging er vor seinem Laden auf und ab, konnte es aber auch nicht verhindern, dass hin und wieder ein Ton entweichen konnte. Leider gibt es auch hier einen Nachbarn, der nichts mehr hasst, als laute Musik. Vielleicht spendiert ja der Getränke-Lieferant eine Doppeltür im Eingang, das würde sicherlich schon helfen, denn so viel ist klar: Musik ist meistens mit Geräuschen verbunden. Rb.

Begeisterte Zuschauer im Hoppe Garden:

BRUTE, FORCE & IGNORANCE

Rory Gallagher hätte seine Freude gehabt

Am Anfang dieses Jahres gab es im "Westfälischen Anzeiger" in der Wochenendbeilage einen ganzseitigen Artikel über den Gitarristen Markus Kerkeling. Der Verfasser muss von dem Musiker aus dem Münsterland einfach begeistert gewesen sein, Grund genug, um den Veranstalter der Kulturwerkstatt aufmerksam werden zu lassen. Rory Gallagher-Fan war der auch, also warum sollte man den "Rory" Kerkeling nicht einfach mal anrufen? Doch wie das manchmal so ist, zwei Musiker - ein Gedanke. Markus Kerkeling kontaktierte die Kulturwerkstatt und der Auftritt wurde vereinbart. Am Samstag, den 13. Oktober war nun die Gallagher-Coverband BRUTE, FORCE & IGNORANCE zu Gast im HoppeGarden der Kulturwerkstatt. Aber wie´s der Teufel wollte, hatte man an diesem Samstag wieder mal gegen "Wetten Daß . . ?" zu konkurrieren, oft eine vergebliche Mühe, denn die Nation hängt vor dem Fernseher, wenn Gottschalk ruft. Diesmal aber hat es nicht einmal die mehrfach geglättete Cher geschafft, für einen leeren HoppeGarden zu sorgen, denn fast 180 Zuschauer wollten lieber eine Reise durch das musikalische Schaffen des Rory Gallagher unternehmen, mit dem begnadeten Gitarristen Markus Kerkeling als Reiseleiter. Um 21.30 Uhr betrat der junge Musiker die Hoppe-Bühne, zusammen mit seinen Kollegen Franz Gerd Albers (Drums), Thomas Kersting (Bass) und Ansgar Niemöller (Sax, Harp), der das Trio Brute, Force & Ignorance an diesem Abend verstärkte. Gallagher trat zu seiner Zeit auch einige Jahre mit einem vierten Mann auf, dem Pianisten Lou Martin. Der allerdings störte mich oft ganz gewaltig, denn er zerklimperte nicht selten den klaren und durchsichtigen Gallagher-Sound. Nicht so Ansgar Niemöller, er fügte sich mit seinem hervorragendem Sax- und Harpspiel harmonisch in die Musik des Trios ein. Niemals habe ich eine Band gehört, die den Gallagher-Sound so perfekt und virtuos interpretiert hat wie Brute, Force & Ignornance. Markus Kerkeling holte aus seiner 62er Stratocaster Töne heraus, die Rory Gallagher sicher gern heute noch spielen würde, wenn er nicht vor ein paar Jahren sein Ableben vorgezogen hätte, und die Stimme Kerkelings erinnerte gespenstisch an die des irischen Bluesgiganten. Mit "Morning Sun", "Sugar Mama", "Tattoo Lady", "Railway And Gun" und natürlich "What´s Going On" bot die Band einen breiten Querschnitt aus dem reichhaltigen Schaffen der frühen TASTE mit Richard McCracken und John Wilson (beste Gallagher-Band aller Zeiten) sowie aus den späteren Formationen mit Rod de Ath, Gerry McAvoy oder Brendan O´Neill. Es ist nicht oft vorgekommen, dass eine Nicht-Profi-Band im HoppeGarden so begeistert gefeiert wurde, wie Brute, Force & Ignorance, aber sie hatten es verdient. (Hh.)

10 Jahre Kulturwerkstatt - HoppeGarden:

RANDY HANSEN

US-Gitarrist bot beeindruckendes Konzert

Das war mal wieder ein absoluter Hammer! Das Konzert zur zehnjährigen Zusammenarbeit der Kulturwerkstatt mit dem HoppeGarden lockte über 300 Zuschauer in den HoppeGarden, denn kein Geringerer als der "einzige lebende Jimi Hendrix" RANDY HANSEN war mit seiner fantastischen Band in der Oberonstraße zu Gast. Bereits die Kartenvorbestellungen und die vielen Anrufe im Büro des Veranstalters ließen vermuten, dass wieder einmal der überwiegende Teil der Zuschauer aus anderen Städten nach Hamm in die Kulturwerkstatt kommen woll-te, um einen unvergesslichen Abend zu erleben. Und so waren von den ca. dreihundert Gästen etwa hundertachtzig aus dem Ruhrgebiet, Ostwestfalen, ja sogar aus Kassel angereist, um den Gitarristen aus Seattle/USA bei seiner einzigartigen Show zuzuhören und zuzusehen, denn eine Augenweide war das Konzert zudem noch.

Zuvor jedoch hatten die Veranstalter noch ein Jubiläumsbonbon für ihre Gäste. In einer Verlosung wurden fünf CD´s, zehn Kisten Bier und ein Reisegutschein im Werte von 500,- DM an die Zuschauer verteilt, wobei die gekauften Tickets als Losabschnitt herhalten mussten. Mike Degenhart, Entertainer und Sänger der legendären "Empty Bottle Bluesband" trat in seinem unvermeidlichen silbernen Jackett auf die Bühne und fungierte als Glücksfee. Peter Schweev, ein Gast aus unserer Nachbarstadt Ahlen konnte schließlich mit dem Reisegutschein im Gepäck in seine Heimatstadt zurückkehren.

Und dann war es soweit, um 22.15 Uhr ging ein Raunen durch die Menge, denn Randy Hansen betrat mit seinen Musikern Ufo Walter und Manni von Bohr das Podium und begann mit einer atemberaubenden Show, beschwor den Geist des unvergessenen Jimi Hendrix und bewies einmal mehr, dass der verstorbene Gitarrengott bis heute nichts von seiner Faszination eingebüßt hat. "Hey Joe", "Purple Haze", "Voodoo Chile", "Foxy Lady" oder Bob Dylan´s "All Along The Watchtower" sind Meilensteine der Rockgeschichte, die, solange es Gitarren-Genies wie Randy Hansen gibt, auch in hundert Jahren noch die Musikwelt bereichern werden. Hansen begeisterte das Publikum mit perfekten Spiel ebenso, wie mit seiner mitreißenden Büh-nenshow und mit seiner Stimme, die einem eine Gänsehaut über den Rücken trieb, denn man brauchte nicht einmal die Augen schließen, um den großen Hendrix vor sich zu sehen, denn Hansens Aussehen erinnerte noch zudem verblüffend an das Original, welches ebenso wie sein Schüler aus Seattle stammte. Natürlich wäre es eine große Unterlassung, würde man hier die beiden musikalischen Freunde des Gitarristen unerwähnt lassen, denn Manni von Bohr ist ohne Zweifel einer der besten Drummer Europas und Ufo Walter, der den leider verstorbenen Horst Stachelhaus ersetzte, meisterte den Part des Original-Bassisten Noel Redding beeindruckend. Ich hatte leider nie das Vergnügen, Jimi Hendrix live zu erleben, die Konzerte, die ich jedoch im Fernsehen dann und wann sehen konnte, waren durchaus mit denen des Randy Hansen vergleichbar. Nur, dass der Sound mit den heute gegebenen Möglichkeiten erheblich besser ist. Nicht auszudenken, was Jimi Hendrix alles noch geleistet hätte, wäre er schon damals Nutznießer der heutigen Technik gewesen. Beim Konzert im HoppeGarden werden sich viele Hendrix-Fans gewundert haben, einige völlig unbekannte Nummern des Meisters vernommen zu haben. Die Erklärung: Es waren Songs aus Randy´s Feder, die sich stilmäßig harmonisch in Hendrix´ Gesamtwerk ein-fügten, was beweist, dass Hansen´s Songwriter-Qua-litäten ebenfalls nicht zu unterschätzen sind. Auf bald, Randy Hansen. (Hh)

Blues in der "Lambertiklause"

KICKING UP DUST

Auch die Ordnungshüter gaben sich die Ehre

Eine Premiere war es, das Konzert der Hammer Bluesband KICKING UP DUST in der "Lambertiklause" an der Werler Straße. Hubert Fabian, der Wirt, ist ein großer Musikfreund und so lag es nahe, dass er in seiner Gaststätte, die er seit ein paar Monaten führt, auch Live-Musik anbieten würde. Also hatte er am Samstag, den 20. Oktober die Musiker um den Harper und Sänger Ingo Grefer eingeladen, in der "Lambertiklause" den Blues zu spielen. Leider war es versäumt worden, ausreichend Werbung für das Konzert zu machen, warum, weiß der Teufel, aber außer in Willi konnte man nix darüber erfahren. Die drei Zeilen im Westfälischen Anzeiger am Konzerttag haben sicher die meisten von uns übersehen. Schließlich hat KICKING UP DUST mehr als dreißig Fans, die aber haben sich dann doch in der "Lambertiklause" versammelt, um einen netten Bluesabend zu erleben.

Um 21.30 Uhr gings los mit einem Boogie, bei dem, wie bei fast allen Songs der Band, die virtuos gespielte Harp von Ingo Grefer dominierte. "Key To The Highway" von Eric Clapton schloß sich an, dicht gefolgt von "Big Boss Man", dem markigem Blues-Song, der auch schon von Zappa-Drummer Jimmy Carl Black brilliant interpretiert wurde. Ingo Grefer ist seit langem schon als excellenter Harp-Spieler bekannt, worüber man aber keinesfalls seine Qualitäten als Sänger und Entertainer vergessen sollte, denn auch auf diesen Gebieten versteht er sein Handwerk. Schnell hatte er die Zuschauer auf seiner Seite, auch, wenn sie sich zunächst noch energisch weigerten, das Terrain vor der Bühne zu besetzen, und lieber im hinteren Teil des Saales die Show genießen wollten. Warum auch immer, aber das ist auch so ein ungeklärtes Phänomen. Inzwischen ging allen das konstante, sich "harmonisch" in die Musik einfügende Grundbrummen aus den PA-Boxen dermaßen auf den Keks, dass sogar Gitarrist Jürgen Mevis sich zu einem verständlichen, Unmut ausdrückenden Gefühlsausbruch hinreißen ließ, und erst Verweise des Verfassers und des Harpers konnten den Mixer dazu bewegen, etwas gegen diese Nerverei zu tun. Danach wurde es auch erheblich besser und man konnte von nun an die Musik genießen. Nun spielte sogar Gitarrist Rainer Brackelmann ein Gitarrensolo, zu dem er von seinen Kollegen genötigt wurde. Warum nicht öfter, denn er kann es. Später hat er sich sogar von seinem Sitzplatz auf der Fensterbank erhoben, allerdings nur, um eine Blick auf das Programmblatt zu werfen, was außerhalb seiner Reichweite lag. Danach nahm er wieder Platz. (Ja, wenn man so in die Jahre kommt . . !)

Dann kam die Pollemannzei! Als der Wirt von ihnen Eintritt verlangte, zogen sie wieder ab, erschienen aber bald wieder auf der Bildfläche, um ein Machtwort zu sprechen. Zuvor hatte die Band aber noch Gelegenheit, mit Songs wie "Fine, Fine, Fine" oder "Mojo Working" die Stimmung zum Kochen zu bringen und die Zuschauer doch noch vor die Bühne zu locken. Ein schönes Konzert, von dem man aber im "WA" wohl nix lesen wird, denn der Wirt hatte sich geweigert, den Redaktionsmitarbeiter mit dem Kürzel "lau" ohne Eintritt zu bezahlen ins Lokal zu lassen. Sehr ungeschickt, lieber Veranstalter. Das wirst du noch feststellen! Trotzdem, wäre schön, wenn es weitere Konzerte geben würde. (Hh)