Eine Teenie-Legende in Soest:
THE SWEET
"Alter Schlachthof" platzte aus den Nähten
Würg! Was habe ich immer reihern müssen, wenn ich diese Band gehört habe. Damals! "Coco", "Ballroom Blitz" und all die anderen Liedchen von SWEET. Aber als ich kürzlich hörte, dass es die Gruppe noch immer gibt, und dass sie im "Alten Schlachthof" in Soest spielen sollten, war ich doch neugierig. Natürlich würden THE SWEET ohne ihren alten Sänger Brian Conolly auftreten, denn der hat schon vor Jahren das Zeitliche gesegnet und es wäre einfach unästhetisch, würden die Restmusiker ihn mit auf die Bühne schleppen.
Wir sind also am 2. Oktober nach Soest in den "Schlachthof" gefahren, um uns diese Teenie-Legende anzusehen, und etwa 600 weitere Zuschauer hatten die selbe Idee.
Doch zunächst wurden wir auf eine harte, akustische Probe gestellt, denn wir mussten eine halbe Stunde den Discjockey´s Heini und Richie unsere Aufmerksamkeit schenken, was mir nicht leicht fiel. Der Sound war dermaßen grauenhaft, dass ich tatsächlich keines der gespielten Stücke auf Anhieb erkennen konnte, es war eine Zumutung für jedes anwesende Ohr. Bei der Vorband, die das Publikum auf die Stars des Abends vorbereiten sollte, war das nicht anders. "Donny and the Diamonds" mühten sich redlich, sie spielten Oldies von Eddy Cochran bis Duane Eddy, von Willi Pickel (Wilson Picket, d. Red.) bis Otis Redding und waren nicht mal übel. Doch der Sound war entsetzlich, ein konstantes Grundbrummen hielt sich hartnäckig und nahm dem geneigten Zuhörer jede Freude an der Musik. Der Gitarrist der Band war durchaus beeindruckend, lediglich auf "Honky Tonk Woman" hätte die Band mit Rücksicht auf anwesende Stones-Fans verzichten sollen.
Letztlich hat dann der Sound-mixer dafür gesorgt, dass ich, und nicht nur ich, lieber in die Gaststätte gegangen bin, um meine Laune mit einem Bierchen zu heben. (Das Personal war wieder mal überfordert, hatte wohl nicht mit Zuschauern gerechnet)
Dann, um 22.00 Uhr, ertönte aus den Lautsprecherboxen ein Intro, eine Swing-Melodie aus den Vierzigern. Der Sound war etwas besser geworden, ich stand direkt vor den PA-Boxen, auch um die älteren Herren besser sehen zu können. THE SWEET kamen auf die Bühne. Andy Scott, in einem Glitzer-Jackett, eng über den dicken Bauch gespannt, die langen, für sein Alter zu vollen Haare (!) über die Schulter fallend, aber eine fantastische Rock´n Roll-Gitarre spielend, ist wohl der musikalische Kopf der Band, obwohl der Bassist, der den Part des Leadsängers übernommen hatte, der eigentliche Frontmann war. Der vierstimmige Gesang der Band übertraf alles, was ich in den letzten Jahren gehört habe und so manche junge Heavy-Metal-Band kann sich von THE SWEET eine dicke Scheibe abschneiden. Die Briten spielten die ganz ollen Kamellen von damals: "Coco", "Funny Funny", "Papa Joe", "Set Me Free", "Wig Wam Bam", "Teenage Rambling" und natürlich "Ballroom Blitz", aber so geil und frisch, dass ich alles, was ich bisher über die Band gesagt habe, zurücknehme. Dann bin ich in die Mitte des Saales gegangen, um den Gesamtsound etwas besser mitzubekommen, und siehe da, Scheiße! Der Typ am Mixer spielte scheinbar an den Knöppen herum, so dass ich wieder direkt vor die Bühne zog, um den (besseren) Backline-Sound der Band zu hören. Die hatte zwar "keine Angst vor erhöhter Lautstärke", aber ich bin hart im Nehmen, was das angeht. Alles in allem war es ein tolles Konzert, es ist immer wieder schön, die alten Herren der Rockgeschichte zu erleben, denn die konnten und können einfach alle noch richtige Musik machen! (Hh.)