Porträt


Das Wunder von Weimar


Las ich doch vor knapp zwei Monaten hier im Willi diese wunderbare Geschichte meiner Kollegin Bianca mit diesem Dixi-Klo.


"Mmmh?", fragte ich mich. "Woher kommt das wohl? Das Dixi Klo? Und woher kommt schon wieder dieser riesige Pickel auf meiner Stirn?" Und es begann eine Suche. Eine Suche, die mich in tiefste Gewölbe der Stadtbüchereien, in die dunkelsten Archive der deutschen Stadt-magazine und die entlegensten Frittenbuden geführt hat. Mehr als einmal dachte ich, ich müsse meine Suche ergebnislos aufgeben, bis ich in Oberursel plötzlich tierisch pinkeln musste, und weit und breit kein Klo vorhanden war. Ich suchte verzweifelt ein Kaufhaus, eine Kneipe, doch vergebens, es war weit und breit nichts zu finden. Ich bekam Panik, hatte ich doch keine Unterhose zum Wechseln dabei, und außerdem kreiste mir ständig das Wort Blasenriss im Kopf herum. Und als die Not am größten war, sah ich Ihn! Er erschien aus dem Nichts. Ich fürchtete mich nicht, denn ich spürte sofort, dass er gut war. Er lächelte, legte seine Hand auf meine Stirn und mein bren-nendes Gefühl in der Lendengegend war verschwunden. "Ich bin Graf von Dix.", sagte die Er-scheinung und verschwand in einem gleißenden Licht langsam zum Himmel empor. Ich bekam einen gehörigen Schrecken und pinkelte mich ein.
Als ich mich wieder gesammelt, und meine Hose getrocknet hatte, führte ich meine Suche fort, jetzt jedoch nach dem Leben des legendären Graf Ferdinand von Dix, dem Erfinder des Dixi Klos...
Die ersten Aufzeichnungen stammen aus dem Januar 1799. Ferdinand ist Schüler der Baldui-nen-Volksschule in Weimar. Vehement weigert er sich die Schultoilette zu benutzen, und muss von seinem Lehrer mit, damals pädagogisch äußerst wertvollen, 20 Stockhieben zum Umdenken überredet werden. Aber ausgerechnet da muss Ferdinand gerade gar nicht aufs Klo, und be-kommt dafür zum Dank noch mal zwanzig Hiebe. Noch bevor ihm der Lehrer den 10. Prügler aufsetzen kann, soll Ferdinand vor der ganzen Klasse geschworen haben nicht eher ruhen zu wollen, bevor er nicht das erste hygienisch einwandfreie Klo erfunden habe.
Seit diesem Erlebnis richtet er seine Leben vollkommen auf sein Ziel ab. In seiner Freizeit analy-siert er das "Verhalten der heimischen Tiere während ihres Stuhlganges", um Inspiration für seine Idee zu finden. Irgendwann aber merkt er, dass Tiere einfach überall hinscheißen und wendet sich wieder den Menschen zu. Mit 12 Jahren sinniert er über die Frage wie Mädchen wohl im Stehen pinkeln, und ob man diese Technik nicht auch für den Stuhlgang verwenden könne, bis er bei intensiver Beobachtung seiner Schwester Ingeborg feststellt, dass sie sich einfach hinsetzt. Angewidert wendet er sich auch hier ab und er beschließt zu studieren.
Er geht nach Hamburg und beginnt das Studium der Philosophie. Er sinniert mit Edgar, einem Kommilitonen über seinen Lebenstraum, und diesem fällt spontan ein, ein transportables Klo zu bauen. Ferdinand ist hellauf begeistert und beginnt Pläne und Zeichnungen zu entwerfen. Edgar zieht sich zurück, als er feststellt, dass Ferdinand nicht merkt, dass er ihn verarscht hat.
Ferdinand vernachlässigt sein Studium, und als in der Hamburger Wochenzeitung ein Essay über "Die absolute Notwendigkeit einer klappbaren Toilettenbrille" von ihm erscheint, dreht sein Vater ihm den Geldhahn zu und erzählt überall Ferdinand wäre nicht sein Sohn.
Völlig verarmt und doch immer noch voller Träume kommt er eines Tages mit einem Bündel Zeichnungen nach Breslau. Dem dortigen Schreiner zeigt er seinen Plan von der "Transporta-blen Ein-Mann-Zelle mit Kanisterunterbau und Klappbrille für den hygienischen Stuhlgang". Die-ser ist nicht gerade begeistert, doch Ferdinand hat großes Glück. Die Magd des Schreiners bleibt mit dem Po im Plumpsklo hängen. Der Schreiner bekommt plötzliche Blähungen, und ist gezwungen in Windeseile einen Prototypen von Ferdinands Klo zu bauen, den er in einer von Ferdinand spontan anberaumten Präsentation auf dem Marktplatz auch gleich vor der gesamten Breslauer Bevölkerung einweiht. Alle sind begeistert, viele probieren sein Klo aus, und viele sind traurig weil sie gerade nicht müssen. Ferdinand ist ein gemachter Mann. (André Schörnig)



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